Zeichen stehen auf Streik. BEZIRK MÖDLING / Am Freitag ist eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung zum beabsichtigten massiven Jobabbau anberaumt. Die Belegschaft demonstriert vorerst nur.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 22. Januar 2014 (23:59)
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Die Betriebsräte Manfred Prokop (l.) und Alois Trobollowitsch vor einem aktuellen Foto der demonstrierenden Belegschaft. Eine massivere Kundgebung wird es am Freitag am Werksgelände geben. Dworak
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Von Christoph Dworak

Der deutsche Druckmaschinen-Produzent Koenig & Bauer (KBA) hat kurz vor Weihnachten angekündigt, bis zu 460 der knapp 760 Mitarbeiter in Maria Enzersdorf und Ternitz abbauen zu wollen – die NÖN berichtete. Die Produktion soll zudem teilweise nach Deutschland verlagert werden.

Am kommenden Freitag ist am Standort in Maria Enzersdorf eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung und Hauptversammlung anberaumt, zu der auch KBA-Vorstandsvorsitzender Claus Bolza-Schünemann und Michael Kummert erwartet werden. Letzterer ist jener, der für die vorgeschlagenen Strukturmaßnahmen verantwortlich zeichnet.

Vorgehensweise des deutschen Mutterkonzerns angeprangert

Während KBA-Mödling-Vorstand Leopold Achatz nichts zum aktuellen Stand der Dinge sagen darf, gehen die Betriebsratsvertreter kurz vor der Entscheidung in die Offensive.

Manfred Prokop (Angestellte) und Alois Trobollowitsch (Arbeiter) sind im NÖN-Gespräch nach wie vor fassungslos: „Uns kurz vor Weihnachten mit so einer Botschaft zu konfrontieren und dann 14 Tage nicht erreichbar sein“ könne nicht sein, prangert das Betriebsratsduo die Vorgehensweise des deutschen Mutterkonzerns an.
 

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„Das Mitspracherecht wurde uns gestohlen“

Zudem habe man im Vorfeld mit der Gewerkschaft kein Wort gewechselt. „Das ist gegen die Gesetze“, poltert Prokop: „Man hat uns als Betriebsräte das Mitspracherecht gestohlen.“

Seit dem gibt ein Mitarbeiter dem anderen die (Betriebsrats-)
Türklinke in die Hand. Jeder will wissen, wie’s weitergehen wird, wer von den Kündigungen betroffen sein wird: „Ich kann darauf beim besten Willen keine Antwort geben“, macht Prokop, der auch Regionalvorsitzender des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ist, deutlich.

Eines ist allgegenwärtig: „Wir haben alle Angst. Angst um unsere Jobs. Und diesen Umstand wollen wir nach Würzburg mitgeben.“

„Am Montag wird uns das Konzept erklärt“

Zur Untermauerung wird der Empfang des deutschen Vorstandsduos am Freitag nicht freundschaftlich ausfallen. Es wird sich am Werksgelände den Weg durch eine Demo bahnen müssen. Dabei habe man „die volle Unterstützung der gesamten Belegschaft, der Gewerkschaft, der Arbeiterkammer“. Auch Bürgermeister haben schon ihr Kommen zugesagt: „Die Solidarität ist enorm“, können Prokop und Trobollowitsch von wenigstens einem positiven Umstand erzählen.

Die Krux an der Sache: „Am Montag wird uns das Konzept erklärt, über das wir am Freitag abstimmen sollen.“ Mit der Demo wollen die Betriebsräte vorerst eines erreichen: „Wir fordern, dass man mit uns in neue Verhandlungen tritt, damit wir den Standort sichern können.“

Denn eines ist Prokop und Trobollowitsch klar: Kommt es wirklich zu dem vom Mutterkonzern beabsichtigten Personaleinschnitt, ist das KBA-Werk in Maria Enzersdorf „in zwei, drei Jahren Geschichte“.

Streik am Mittwoch ist nicht ausgeschlossen

Der gewerkschaftliche Fahrplan ist abgesteckt. Wird die Forderung nach Gesprächen nicht erfüllt, wird es am Mittwoch „zu schärferen Maßnahmen kommen“, sagt Prokop. „Wenn die Belegschaft es will, wird gestreikt werden.“