2.500 Euro "gewonnen". Werbefahrten-Firma lockt derzeit mit Gewinnbenachrichtigungen. Konsumentenberater sagen: "Hände weg."

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 29. September 2014 (15:34)
NOEN, Renate Hinterndorfer
Eine Neulengbacherin soll 2.500 Euro gewonnen haben, obwohl sie gar nicht bei einem Preisrätsel mitgespielt hat.

 „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben tatsächlich gewonnen!“ Über diese Gewinnbenachrichtigung, die ihr per Post ins Haus flatterte, wunderte sich eine Neulengbacherin nicht schlecht. Denn sie kann sich nicht erinnern, dass sie in letzter Zeit an irgendeinem Gewinnspiel teilgenommen hätte.

Aber sie hat es schriftlich: Dass sie, so wie ein Innsbrucker und ein Wiener, bei einem großen Preisrätsel 2.500 Euro gewonnen hat, die ihr im Rahmen einer Feier mit Sektempfang und Mittagessen übergeben werden. „Ihre Einsendung mit dem richtigen Lösungswort wurde in der Hauptgewinnstaffel gezogen“, so die Nachricht der Rätselfreunde KG. Die Gewinnübergabe finde am 6. Oktober statt.

Ein Chauffeur werde die glückliche Gewinnerin an diesem Tag um 6 Uhr am Neulengbacher Bahnhof abholen und zur Gewinnauszahlung bringen, heißt es in dem Schreiben. Außerdem dürfe sich die Neulengbacherin über ein Fahrrad im Wert von 999 Euro und Tickets für eine Schifffahrt freuen. Und obendrauf gibt’s für alle Paare noch einen Gartengrill „Luxus Line“, TÜV-geprüft, versteht sich.

„Das ist ein alter Schmäh.“
Konsumentenberaterin Christa Hörmann

Die Arbeiterkammer Niederösterreich warnt: Hinter „Rätselfreunde KG“ verstecke sich eine Werbefahrten-Firma, die derzeit in Niederösterreich ihr Unwesen treibt. Sie ködere Konsumenten mit einem Gewinn von 2.500 Euro. Die AKNÖ rät: „Hände weg von Werbefahrten!“

So wie die Neulengbacherin haben viele andere Konsumenten im Bezirks St. Pölten und im ganzen Land eine Gewinnbenachrichtigung erhalten. „Dahinter versteckt sich aber nichts anderes als eine Werbefahrten-Firma, die mit dem alten Schmäh – einem angeblichen Gewinn, gratis Bustransfer und reichhaltigem Mittagessen – lockt. Allein vergangene Woche haben sich bei uns knapp 300 Betroffene gemeldet“, berichtet AKNÖ-Konsumentenberaterin Christa Hörmann.

Die Fahrten gehen oft ins benachbarte Ausland, die zugesprochenen 2.500 Euro seien lediglich ein Rubbellos, mit dem man angeblich die Chance hätte, diesen Betrag zu gewinnen, wissen die Experten von der Arbeiterkammer: „Den trickreich vorgehenden Veranstaltern von Werbefahrten geht es nur darum, möglichst viele ihrer teuren Produkte zu verkaufen und Profit zu machen. Dabei werden Gesetze oft umgangen, wie diese Gewinnmitteilung zeigt“, so Hörmann.

Die persönlichen Daten wurden von einem Rätsel, das vor sieben Jahren im Umlauf war und ausgefüllt wurde, übernommen. „Solche Fälle zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, vorsichtig mit der Hergabe von persönlichen Daten zu sein“.

Den „Gewinnern“ wird dringend empfohlen, nicht in den Bus einzusteigen und mitzufahren. „Solche dubiosen Zuschriften sollen am besten gleich zu uns in die AKNÖ weitergeleitet werden, damit die Datenbank immer auf dem aktuellen Stand ist“, rät Christa Hörmann.