Altlengbacher marschierte bis ans „Ende der Erde". Friedrich Hackl ging zu Fuß von Altlengbach nach Finisterre ans „Ende der Erde“.

Von Beate Riedl. Erstellt am 17. September 2019 (04:28)
privat
Geschafft: Der Altlengbacher Friedrich Hackl kam, nachdem er sein eigentliches Ziel Santiago de Compostela erreicht hatte, zu Fuß in Finisterre, dem „Ende der Erde“ an. Insgesamt marschierte er 110 Tage. So lange ließ er sich auch Bart und Haare wachsen. Gleich einen Tag nach seiner Ankunft ging es dann aber zum Friseur.

Jeder Tag brachte etwas Neues, jeden Tag erlebte Friedrich Hackl etwas anderes, fand wieder mehr zu sich selbst und lernte viel dazu. 3.400 Kilometer und 113 Tage später kann er sagen: „Jetzt beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt für mich, ich weiß, wo ich stehe und habe meine positive Einstellung verstärkt.“

Der ehemalige Altlengbacher Polizist machte sich nach seiner Pensionierung im Mai zu Fuß von seiner Heimatgemeinde auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Er wanderte durch Österreich, die Schweiz, Frankreich und Spanien. „Jeden Tag legte ich alleine oder mit Bekanntschaften, die ich am Weg machte, zwischen 30 und 35 Kilometer zurück“, berichtet er. Ein Mal seien es sogar 45 gewesen. „Aber da muss man schon ganz schön marschieren.“ Von den 113 Tagen, die er unterwegs war, ist er 110 Tage auf den Beinen gewesen.

„Irgendwann ist der Flow drinnen, dass man weitergeht.“ Friedrich Hackl war am Jakobsweg unterwegs

Drei voneinander unabhängige Tage legte er eine Pause ein, eine davon in der französischen Stadt Le Puy-en-Velay. „Dort erlebte ich den berührendsten Moment meiner Reise“, erinnert er sich. Er besichtigte in der Stadt eine romanische Kapelle auf einem ehemaligen Vulkanschlot. Dort formierte sich eine Gruppe Jugendlicher aus den USA, die am Abend ein Chorkonzert in der Kirche geben sollte, und begann zu singen. „Zum Schluss haben auch noch die Glocken geläutet“, erinnert er sich, dass er zu Tränen gerührt war.

Ans Aufgeben hat Hackl keine Sekunde lang gedacht, immerhin sei die Sache lange geplant und gut vorbereitet gewesen. „Am Anfang gab es schon Erlebnisse und Momente, über die ich mich sehr geärgert habe, aber ab Spanien war das vorbei. Da spürt man dann den ‚spirit of Camino‘“, erzählt der Altlengbacher. „Irgendwann ist der Flow drinnen, dass man weitergeht.“

Schluss war in Santiago de Compostela aber dann trotzdem nicht, nachdem er sich seine Urkunde, die nur gegen Vorlage des Pilgerpasses ausgestellt wird, geholt hatte: Hackl und ein anderer Pilger, den er am Weg kennengelernt hatte, machten sich auf ans „Ende der Erde“, nach Finisterre, von wo die beiden dann wieder die Heimreise antraten.

Geplant hätte Hackl eigentlich, dass er rund zwei Monate länger unterwegs sein wird. „Ich wollte aber so bald wie möglich wieder nach Hause. Ich habe mich schon so auf meine Freunde, Familie und meine Wohnung gefreut.“

„Ich wollte aber so bald wie möglich wieder nach Hause. Ich habe mich schon so auf meine Freunde, Familie und meine Wohnung gefreut.“

Die nächsten sportlichen Ziele hat Friedrich Hackl bereits im Kopf: Nächstes Jahr möchte er den Salzburger Almenweg in 20 bis 25 Tagen in Angriff nehmen. Außerdem ist der Iron Curtain Trail mit dem Rad geplant. 2021 will er einen Teil der Via Slavorum – 1.500 Kilometer von Altlengbach nach Rom – in Angriff nehmen. Und dann soll es mit dem Rad von Santiago de Compostela nach Hause gehen. „Ich habe am Jakobsweg einige Radfahrer gesehen, seitdem habe ich den Floh im Ohr.“ Länger als zwei Monate will er in Zukunft aber nicht mehr von zu Hause wegbleiben – da ist das Heimweh dann doch zu groß.