Hotels hoffen auf klare Regeln. Keine Bälle, kaum Seminare oder Hochzeiten: Hotel Steinberger und der Lengbachhof in Altlengbach blicken auf ein herausforderndes Jahr 2020 zurück. Für eine Wiederöffnung ist man bereit.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:38)

Es ist der letzte Tag des Jahres – Silvester – und Johann Steinberger sitzt in der leeren Lobby seines Hotels. „Wir hätten heute sicher mindestens 400 Gäste im Haus gehabt“, erzählt der Hotelier im Gespräch mit der NÖN. Coronabedingt ist der Betrieb aber derzeit nur für Geschäftsreisende geöffnet. Die Ballsaison 2021 fällt ebenfalls flach. So gut wie jedes Wochenende wurde noch im vergangenen Jahr um diese Zeit im Lengenbach-Saal des Hotels bis in die frühen Morgenstunden getanzt. Zehn bis zwölf Bälle stehen normalerweise auf dem Programm. „Die sind de facto zu 100 Prozent weg“, sagt Steinberger, der seit März – wie viele seiner Kollegen – eine Herausforderung nach der anderen bewältigt hat. Und gerade im Hochzeitsbereich gab es einige: „Für 2020 hätten wir 48 gebuchte und anbezahlte Hochzeiten gehabt und durchgeführt haben wir sieben“, erinnert sich Steinberger. Die restlichen Hochzeiten wurden auf 2021 oder sogar 2022 verschoben.

Ballsaison 2021 fällt komplett aus

Eine ähnliche Situation herrscht auch bei der Familie Böswarth im Lengbachhof. „Wir haben 35 Hochzeiten auf 2021 verschieben müssen und wir haben schon relativ viele Anfragen für 2022, Paare die gleich ein Jahr überspringen wollen“, erzählt Angelika Böswarth, die am letzten Tag des Jahres mit Sohn und Junior-Chef Patrick ebenfalls in einem leeren Hotel sitzt. „Wir haben das erste Mal seit 45 Jahren zu Weihnachten und Silvester geschlossen“, sagt Böswarth.

Anders als im Hotel Steinberger hält die Familie aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb ganz geschlossen. In der Gastronomie möchte man bei der Qualität keine Abstriche machen, wie Junior-Chef Patrick erklärt: „Bei uns ist der Kosten-Nutzen-Effekt nicht da gewesen und unsere Produkte, wie wir sie im Restaurant anbieten, sind einfach nicht Take-away- oder liefertauglich.“ Neben dem Ausrichten von Hochzeiten hat sich der Lengbachhof in den vergangenen Jahrzehnten auf das Seminar-Geschäft spezialisiert.

„Haben Maßnahmen schon umgesetzt, um jegliches Sicherheitskonzept einzuhalten.“ Junior-Chef Patrick Böswarth

Um dieses weiter zu stärken, wurde heuer im August der Campus 2020 fertiggebaut. Ein Pavillon, eine Feuerbox sowie eine Pool- und Gartenlandschaft stehen bereit. Der große Seminarraum „Wienerwald“ wurde erweitert und neugestaltet. Eine große Eröffnungsfeier fiel aber coronabedingt aus, genauso wie ein Großteil der Seminare, die bereits für 2020 gebucht waren.

Die Hotelierfamilie bleibt aber stets zuversichtlich: Sobald die Bundesregierung die Schließungen wieder aufhebt, möchte sie durchstarten. Mit der Kombination von Indoor- und Outdoor-Möglichkeiten am neuen Campus könne man Gästen ein flexibles Angebot machen. „Wir haben schon bemerkt, dass die Leute wieder rausgehen wollen“, sagt Angelika Böswarth, und Sohn Patrick ergänzt: „Was bei uns ein großer Faktor ist: Wir haben die Kapazitäten, die Größe und die Maßnahmen schon umgesetzt, um jegliches Sicherheitskonzept einzuhalten.“

Um zwei Drittel weniger Nächtigungen

Bei Johann Steinberger ist es vor allem der Ausfall von großen Veranstaltungen, wie die Jahreshauptversammlungen von Verbänden, der den Umsatz schrumpfen lässt. „Wir leben davon, dass wir Veranstaltungen und Seminare machen“, sagt der Hotelier, der stets versucht, im Rahmen der vorgegebenen Maßnahmen die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Leicht war es mit den laufenden Änderungen aber nicht. 2019 zählte das Hotel Steinberger rund 20.000 Nächtigungen. Im ausgelaufenen Coronajahr waren es um zwei Drittel weniger. Bei der Familie Böswarth fielen 75 Prozent der Nächtigungen weg.

Trotz Lockdowns und Beschränkungen ließ Steinberger aber Chancen nicht aus: Im Gastro-Bereich fing das Hotel an, diverse Platten anzubieten. „Das ist eine Differenzierung zu den anderen und das wird auch sehr gut angenommen. Da muss man wirklich ‚Dankeschön‘ sagen an unsere lokalen Kunden und Gäste, die uns treu sind“, sagt Steinberger. Die Mitarbeiter des Hotels befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Abbauen möchte man keinesfalls. „Wir schauen mit aller Kraft, dass wir unsere Mitarbeiter beschäftigt halten können“, so Steinberger.

Diese Devise vertritt auch die Familie Böswarth. „Wir haben 45 Mitarbeiter und haben niemanden gekündigt“, sagt Chefin Angelika Böswarth.

„Wir haben 45 Mitarbeiter und haben niemanden gekündigt“

Damit das normale Geschäft nach dem Lockdown wieder anlaufen kann, braucht es laut Steinberger Reisefreiheit und vor allem klare Rahmenbedingungen für die Durchführung von Veranstaltungen. Genaue Regeln würden auch das Vertrauen der Gäste stärken, ist Angelika Böswarth überzeugt. Und Mutter und Sohn sind sich einig: „Wir freuen uns auf unsere Gäste und darauf, wieder Gastgeber sein zu dürfen.“