Nach Hausapotheken-Schließung: „Geht um die Patienten“. Nach der Schließung der Hausapotheke von Günther Malli ist in Altlengbach noch keine Ruhe eingekehrt. Apothekerin wehrt sich gegen Kritik.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 12. Juni 2019 (04:09)
Um die Versorgung mit Medikamenten wird in Altlengbach gestritten.
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„Die Patienten sind verzweifelt“, ist aus der Ordination von Allgemeinmediziner Günther Malli zu hören. Wie berichtet wurde die Hausapotheke Mitte Mai geschlossen. Ruhe ist allerdings noch immer nicht eingekehrt.

„Die Patienten sind die Leidtragenden“, sagt Sonja Malli. In den ersten Tagen seien viele Patienten aus der Apotheke zurück in die Ordination gekommen, weil ihr Medikament nicht verfügbar gewesen sei, so Malli: „Therapien wurden unterbrochen, Schmerzpflaster konnten nicht rechtzeitig geklebt werden, manche Patienten musste mein Mann ins Spital einweisen. Für die Patienten ist es jetzt schwer, für manche sogar unmöglich, teuer auch noch dazu, an ein Medikament zu kommen.“

Die Arzt-Gattin macht sich aber nicht nur Sorgen um die Patienten, sondern auch um die Zukunft der Landärzte: „Es ist unmöglich geworden, einen Arzt zu finden, der bereit ist, ohne Hausapotheke auf dem Land zu arbeiten.“

„Für die Patienten ist es schwer, für manche sogar unmöglich, an ein Medikament zu kommen.“ Sonja Malli

Apothekerin Maria Nagler ist schon genervt: „Es werden viele Unwahrheiten verbreitet und es wird Panikmache betrieben. Ich werde als die Böse hingestellt, mir wird der schwarze Peter zugeschoben. Dass ich die Zwangsschließung gefordert habe, stimmt nicht. Es gibt eine gesetzliche Regelung und es gibt eine gerichtliche Entscheidung, dass die Hausapotheke geschlossen wird, und trotzdem kehrt keine Ruhe ein.“

Viele Beschimpfungen gegen die öffentliche Apotheke gab es in den vergangenen Tagen, berichtet die Apothekerin. „Es gibt aber auch viele nette Leute, die uns sagen, wie froh sie sind, dass wir da sind.“

Nagler betont, dass die Patienten nicht im Regen stehen gelassen werden: „Wir bieten seit dem ersten Tag an, dass wir Medikamente auch ins Haus bringen.“

Den Vorwurf, dass viele Patienten von Doktor Malli in ihrer Apotheke die erforderlichen Medikamente gerade in den ersten Tagen nach der Schließung der Hausapotheke nicht bekommen hätten, weist Nagler zurück. Das eine oder andere Präparat sei vielleicht nicht gleich verfügbar gewesen, so zum Beispiel ein teures Medikament für eine Krebstherapie: „So etwas hat keine Apotheke lagernd.“ Man habe das Problem aber rasch gelöst.

„Es gibt aber auch viele nette Leute, die uns sagen, wie froh sie sind, dass wir da sind.“

Maria Nagler führt weiter aus: „Ich habe Doktor Malli seine gesamte Hausapotheke abgekauft, das heißt wir haben jetzt alle Medikamente, die er hatte. Und wir haben viele neue Medikamente auf Lager genommen. Wir haben sofort reagiert.“

Medikamente in Apotheke innerhalb weniger Stunden auf Lager

Ist ein Medikament tatsächlich nicht auf Lager, so sei es innerhalb weniger Stunden verfügbar: „Wir bekommen Lieferungen um 8.30 Uhr, um 14.30, 16 und 17.45 Uhr. Man bekommt das Medikament also noch am selben Tag“, hält die Pharmazeutin fest. Sie betont, dass sie nur in Ruhe arbeiten möchte.

„Ich liebe meinen Beruf, und ich wünsche mir ein gutes Miteinander von Ärzten und Apothekern. Mit anderen Ärzten arbeiten wir auch gut zusammen. Es geht ja um die Patienten.“ Und in anderen Gemeinden wie zum Beispiel in Eichgraben oder Neulengbach würde das Miteinander von Ärzten ohne Hausapotheke und öffentlichen Apotheken auch funktionieren, merkt Nagler noch an.