Für „Heimatleuchten“ bei Drechsler gefilmt. Der Wienerwald steht am 1. Juni im Mittelpunkt einer Dokumentation von ServusTV, zu sehen ist auch Josef Gutscher.

Von Christine Hell. Erstellt am 31. Mai 2018 (05:07)
Für die ServusTV-Dokumentation „Heimatleuten – Geschichten aus dem Wienerwald“, stand Drechslermeister Josef Gutscher vor der Kamera.
NOEN, Hell

Der Wienerwald wurde von ServusTV für eine Dokumentation ins Visier genommen, sieben traditionelle und selten gewordene Handwerke aus der Region wurden dafür besucht. Ausgestrahlt wird die Sendung „Heimatleuchten – Geschichten aus dem Wienerwald“ am Freitag, 1. Juni, um 20.15 Uhr.

Neben der Holzkohlegewinnung am Hof der Familie Hochecker in Michelbach und der Gföhlberghütte der Eichgrabener Naturfreunde besuchte das Filmteam auch den Altlengbacher Drechslermeister Josef Gutscher. „Ein Kameramann, ein Tontechniker, ein Regisseur und zwei Assistenten waren in unserem Betrieb“, berichtet Gutscher. Einen ganzen Tag lang wurde die Herstellung eines Stethoskopes aus Holz gefilm.

„Früher belieferte ich damit Großabnehmer und Geschäfte mit medizinischem Bedarf sowie Spitäler, heute wird das Holzstethoskop vorwiegend von werdenden Müttern gekauft, um Kontakt mit dem ungeborenen Kind aufzunehmen“, weiß der Drechslermeister, der diese „Abhörgeräte“ aus besonders feinporigem Laubholz von Kirsch-, Ahorn- oder Birnbäumen fertigt. Die Drechslerei Gutscher in Lengbachl ist eine der ältesten Handwerksbetriebe im Gebiet Neulengbach und Altlengbach. „Bereits seit 1863 ist hier ein Drechslereibetrieb, davor waren die Müller hier ansässig“, weiß Gutscher.

Stoppeln für Tunnelbau und Tischbeine gedreht

Das Drechslerhandwerk sei ganz besonders vielfältig, stellt der Altlengbacher fest: „Ich habe schon Kugelmühlen gebaut, in denen Steinkugeln heruntergedreht werden, habe Stoppeln für den Tunnelbau gefertigt, die bei Über-Kopf-Arbeiten zum Einsatz kamen und auch im Bühnen- und Kulissenbau für Film und Theater gewerkt.“

So war der Altlengbacher beispielsweise bei einer Produktion in der Wiener Hermesvilla für Tischbeine zuständig. Für eine Zauberflöten-Aufführung fertigte der Drechslermeister eine überdimensionale Flöte, die über der Bühne schwebte. Darüber hinaus werden in der kleinen Lengbachler Drechslerwerkstätte Turngeräte und Strickleitern in Zusammenarbeit mit einer Seilerei gefertigt. „Und auch für die Ausstattung in Kirchen bin ich immer wieder gefragt“, ist Gutscher stolz.

Zu seiner Arbeit, die gleichzeitig sein größtes Hobby ist, resümiert er: „Die Kunst ist nicht meine Arbeit an der Drechselbank selbst, sondern das Überleben mit meiner Arbeit.“