Kompressor sorgt für Ärger in Eichgraben. Eichgrabenerin beschwert sich über Dauerlärm. Es soll Verbesserungen geben, so ÖBB.

Von Andrea Stoiser und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 18. April 2021 (03:56)
Mit einem Transparent wird auf den störenden Lärm durch Kompressoren aufmerksam gemacht. 
Privat

Die Lärmemissionen rund um die Sanierung von Gleis 2 zwischen Untertullnerbach und Hutten sind für viele Anrainer, insbesondere im Ortsgebiet von Eichgraben, eine große Belastung.

Ganz besonders betroffen ist eine Anrainerin im Bereich der Sonnleitenstraße: Seit Mitte Februar steht unmittelbar neben ihrem Haus ein großer Kompressor, der quasi im Dauerbetrieb läuft. „Es gab eine lächerliche, sehr allgemein gehaltene Information betreffend der Baustelle. In keinster Weise ist daraus hervor gegangen, dass unser Haus praktisch unbewohnbar sein wird“, berichtet die Anrainerin genervt.

„Die ÖBB müssten uns meines Erachtens ein Ersatzquartier zur Verfügung stellen. Insbesondere im Lockdown. Wir können ja nicht einmal flüchten.“ Die lärmgeplagte Eichgrabenerin

Mit Erschrecken hat sie festgestellt, dass direkt an ihrer Grundstücksgrenze ein „Baupark“ mit mehreren Kompressoren aufgebaut wurde. Diese betreiben riesige Bohrer und pumpen Unmengen Beton aus dem Silo, der ebenfalls direkt an der Grundgrenze steht und den ganzen Tag von LKWs befüllt wird. „Und als ich langsam begriffen hatte, dass wir tagsüber keinesfalls mehr im Garten und nur mehr bedingt im Haus sein können, haben unangekündigt für zwei Wochen Nachtschichten begonnen. Das war Ende Februar. Ich hab dann in Panik die Gemeinde kontaktiert. Die haben sich komplett abgeputzt. Das wäre Bahnrecht und die ÖBB darf 24 Stunden hindurch arbeiten. Weil die Baustelle von höherem öffentlichen Interesse wäre“, berichtet sie.

Sie sieht das aber nicht so und berichtet, dass der Hang eine rote Gefahrenzone ist und dies seit Jahren bei der Gemeinde aufliegt. Ihr wurde auch gesagt, dass die Baustelle seit zwei Jahren genau geplant ist, da sich der internationale Lastzugverkehr danach richten muss. „Nachtschichten sind aus meiner Sicht nur gerechtfertigt, wenn Gefahr in Verzug ist. Und nicht bei einer seit Jahren geplanten Baustelle. Des Weiteren müsste uns die ÖBB meines Erachtens ein Ersatzquartier zur Verfügung stellen. Insbesondere im Lockdown. Wir können ja nicht einmal flüchten“, ist die Frau mit den Nerven am Ende.

„Nachtschichten sind aus meiner Sicht nur gerechtfertigt, wenn Gefahr in Verzug ist"

Abgesehen vom Dauerlärm vibriere auch das ganze Haus. Sie hat bereits mit der Bauaufsicht Kontakt aufgenommen, genützt habe es nicht wirklich. „Der Bauleiter hat mir versprochen, dass der Kompressor ummantelt wird. Passieren tut nichts“, ist sie verzweifelt. Jetzt läuft der Kompressor aber „nur“ noch von 7 bis 19 Uhr. Dafür war wie berichtet die Firma Eurailpool lautstark von 5.30 bis 22 Uhr am Zug. „Was ich bekrittle ist, dass wir Anrainer durch die Gemeinde null Vertretung haben und dass nichts angekündigt wird. Es gibt null Kommunikation und ich laufe allen Firmen hinter her und versuche herauszufinden, wer was wann in welcher Lautstärke macht“, erzählt die Anrainerin.

Ihrer Ansicht nach müsste entweder die ÖBB oder die Gemeinde zumindest einmal pro Woche Bescheid geben, mit welchen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Sie meint auch, dass der Kompressor nicht einfach für Monate an einer Grundstücksgrenze aufgestellt werden kann. Bis Ende Mai soll das laut Auskunft der Arbeiter in diesem Ausmaß noch so weiter gehen. Die Eichgrabenerin glaubt, dass die versprochene Ummantelung ohnehin nicht viel bringen wird. „Aber es ärgert mich trotzdem, dass etwas versprochen und dann nicht gemacht wird.“

Sonderlösungen für Anrainer

Laut Bürgermeister gab es mit mehreren Anrainern Sonderlösungen wie etwa Lärmschutzmaßnahmen für das Aggregat. Der Bahndamm wird bereits seit einigen Jahren sehr intensiv saniert. „Dass diese Sanierung des Dammes, wie einige Anwohner immer wieder behaupten, eine Gefährdung für Gebäude bedeutet ist für mich nicht nachvollziehbar. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Die Sanierung dient der Stabilisierung des kompletten Dammbauwerkes und sorgt somit auch für die Sicherheit der angrenzenden Grundstücke und Gebäude“, erklärt Georg Ockermüller. Wie der weitere Ablauf aussieht, ist der Gemeinde nicht bekannt, aber man wird die Infos von der ÖBB einfordern und dann entsprechend darüber informieren.

Seitens der ÖBB wird auf Anfrage der NÖN darauf verwiesen, dass das Unternehmen, das als Auftragnehmer für die ÖBB tätig ist, mit der Dame Kontakt aufgenommen hat und Verbesserungsmaßnahmen setzen wird.

Pressesprecher Christopher Seif hält fest: „Es liegt in der Verantwortung des Auftragnehmers, wie er seine Geräte und Maschinen wann und wo einsetzt und wann und wo zum Beispiel ein Kompressor für Arbeiten benötigt und eingesetzt wird. Ob die Gemeinde ihre Anrainer einmal pro Woche informiert, obliegt der Gemeinde. Von unserer Seite ist zu Baubeginn eine Anrainerinformation ergangen und es werden weitere folgen.“

Einmal pro Woche wird es keine Informationen geben, das sei nirgends der Fall. Informiert werde dann, „wenn es erforderlich ist und Sinn macht“, so der ÖBB-Pressesprecher.