83-Jähriger Laabener als Senner auf der Alm im Einsatz. Roman Pflügler lässt es sich nicht nehmen, sich um seine Lieblinge auf der Großleitnalm zu kümmern. Das Coronavirus sieht er dort nicht als Problem.

Von Ernst Klement. Erstellt am 24. Mai 2020 (06:02)
Senner mit Leib und Seele, der 83-jährige ehemalige Postler Roman Pflügler.
Ernst Klement

83 Jahre, Risikogruppe – dennoch lässt sich Senner Roman Pflügler von der Coronakrise nicht aufhalten, den Almauftrieb auf die Großleitnalm in Stollberg vorzunehmen. „Covid-19 schafft es nicht, dass ich meine Lieblinge im Stich lasse“, lächelt der 83-jährige Laabner.

Seit Jahren führt er als Senner die Großleitnalm, die der Weidegenossenschaft Neulengbach-Laaben angehört. Das landwirtschaftlich reizvolle Gebiet in der Gemeinde zeichnet sich durch viele großflächige Viehweiden und Mähwiesen aus. Trotzdem gibt es im Gebiet nur mehr eine Weide, die noch von einem Senner betrieben wird.

„Ich sehe von der Weite höchstens ein paar Wanderer, die Ansteckungsgefahr ist nicht vorhanden.“

Bereits Anfang Mai führte der Senner 52 Kälber auf die Großleitnalm, die von mehreren Bauern der Weidegenossenschaft Neulengbach- Laaben gebracht wurden. „In der Landwirtschaft kommt zu Covid-19 noch die große Trockenheit dazu“, so der Senner.

„Es ist einfach zu trocken und damit nicht genug Futter vorhanden. Normalerweise treiben wir 80 Kälber auf die Alm, heuer sind es nur 52 Kälber, es wächst nicht genug Gras“, erklärt er das Problem. Auf der Großleitnalm ist Covid-19 aber nicht das große Thema: „Ich sehe von der Weite höchstens ein paar Wanderer, die Ansteckungsgefahr ist nicht vorhanden“, lächelt Pflügler.

Nur einmal im Jahr geht es rund auf die Großleitnalm. „Wenn der Trachtenverein sein Almfest in die Ferien veranstaltet, geht es bärig zu“, so der Senner, doch dieses Jahr wurde das Fest schon abgesagt.

Roman Pflügler war in seinem Beruf Postler. Nach der Pension wurde er Senner aus Leidenschaft. „Rosi , Susi, Resi, Hansl“ ruft er seinen Lieblingen zu, die sofort angelaufen kommen. Täglich schaut er auf seine Kälber, versorgt sie mit Trinken und schaut auch, dass sich auf den 60 Hektar großen Almwiesen keines verletzt hat oder ausgebrochen ist. „Zum Glück habe ich in all den Jahren alle Kälber im September wieder gut ins Tal gebracht, das wird auch heuer so sein“, so der 83 jährige Senner aus Leidenschaft.