Opferfest sorgte wieder für Proteste. Schächtungen bei Veranstaltung in Brand-Laaben riefen erneut Tierschützer auf den Plan. Landwirt entgegnete: Er hatte eine Bewilligung.

Von Beate Riedl, Kristina Veraszto und Ernst Klement. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:33)
Opferfest Nihat Özay
ahlreiche Gäste kamen am Dienstag der Vorwoche auf den Bauernhof von Landwirt Nihat Özay, der das Opferfest feierte. Die Wiese vor seinem Betrieb war komplett zugeparkt. 
Verein Animal Spirit

Es waren Szenen, die man an einem Donnerstagvormittag, kurz vor 10 Uhr, in Laaben wohl eher selten sieht: Drei Polizeiwagen und zwei weitere Zivilautos mit Beamten parkten sich auf dem Grundstück eines Landwirts ein. Es war der Bauernhof von Nihat Özay, der zwei Tage zuvor, am Dienstag, das muslimische Opferfest gefeiert hatte.

Opferfest Nihat Özay
Der Verein „RespekTiere“ protestierte am Donnerstag vor dem Bauernhof von Nihat Özay gegen das Schächten. Weil im Vorfeld nicht klar war, wie viele Teilnehmer zu Kundgebung kommen, waren mehrere Polizisten im Einsatz. :
Veraszto

Für viel Aufregung sorgte, dass zu den Feierlichkeiten Rinder geschächtet wurden. Bei dieser Art der Schlachtung wird dem Tier mit einem sehr scharfen Messer, und mit einem einzigen schnellen Schnitt, die Halsschlagader, die Speise- und die Luftröhre durchtrennt. Und das rief wie in den vergangenen Jahren wieder Tierschützer auf den Plan.

„Die Schächtungen wurden punktuell genehmigt.“ Bezirkshauptmann Josef Kronister

Der Verein „RespekTiere“ protestierte vor dem Hof gegen das Schächten. Viele Demonstranten waren zwar nicht vor Ort, mit Megafon und Transparenten konnte man sie aber nicht übersehen. „Das Tier leidet bis zu 13 Minuten lang furchtbare Qualen. Betäubungsloses Schlachten darf als eines der größten gesetzlich erlaubten Verbrechen an den Tieren angesehen werden“, so Obmann Thomas Putzgruber. Nachdem im Vorfeld nicht bekannt war, wie viele Teilnehmer zur Kundgebung kommen, stellte sich ein Großaufgebot an Polizei ein. Ein Einschreiten war aber nicht notwendig. „Alles ist friedlich über die Bühne gegangen“, heißt es von der Exekutive.

Opferfest Nihat Özay
Auch der Verein „Animal Spirit“ protestierte. Am Foto (v.l.): Carina Unterkircher, Obmann Franz-Joseph Plank und Peter Gajdasic. 
Klement

Bereits im Vorfeld des Opferfestes demonstrierte der in Laaben ansässige Verein „Animal Spirit“. „Brutalste Tierquälerei ,im Namen Gottes‘ – Schächten endlich verbieten“ stand zum Beispiel auf einem Transparent, das in der Nähe von Özays Bauernhof aufgestellt wurde. „Wir fordern zum wiederholten Mal von der Politik endlich ein absolutes Verbot des betäubungslosen Schlachtens – ohne jegliche Ausnahmen – gesetzlich zu verankern. Denn auch in Norwegen, Schweden, Dänemark, Schweiz, Holland, Polen, Island und Liechtenstein ist betäubungsloses Schächten bereits verboten“, sagt Obmann Franz-Joseph Plank.

Opferfest Nihat Özay
Vor dem Bauernhof in Laaben: Die Tierschützer vom Verein „RespekTiere“ machten auf sich aufmerksam. 
Veraszto

Nihat Özay, der vor sechs Jahren nach dem Tod von Landwirt Edi Gnant den Griesbauerhof übernahm, wehrte sich nicht gegen den Protest vor seinem Betrieb. „Das ist ihr Recht“, sagte er im Gespräch mit der NÖN. Sein Recht sei es aber auch, das Opferfest zu feiern. Für das Schächten der Tiere hatte er eine Bewilligung bekommen. „Wenn die Behörde sagt, ich darf es machen, dann mache ich es auch“, so Özay, der überzeugt ist, dass die Kühe beim Schächten noch am wenigsten leiden. Deshalb will er beim nächsten Mal offen mit dem Thema umgehen. „Ich möchte gerne einen Tierschützer einladen, dabei zu sein und sich das anzusehen. Auch die Einwohner können kommen“, sagt der Landwirt.

Bezirkshauptmann Josef Kronister bestätigte auf NÖN-Anfrage, dass es eine Bewilligung gegeben hat: „Die Schächtungen wurden punktuell genehmigt.“ Zwar lasse das Gesetz auch eine dauerhafte Bewilligung zu, das sei aber bei Özay nicht der Fall. Seitens des Amtstierarztes wurden keine Beanstandungen gemeldet, so der Bezirkshauptmann.

Anzeige gegen Landwirt wurde eingestellt

Vergangenes Jahr zeigte der Verein „Animal Spirit“ Nihat Özay wegen illegaler Schächtungen bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten an. Auslöser war ein Video, das dem Verein anonym zugespielt wurde. Dieses habe unter anderem gezeigt, dass die vorgeschriebene Betäubung nicht unmittelbar nach dem Schächtschnitt erfolgt ist. Wie Staatsanwalt Leopold Bien erklärt, wurde das Verfahren aber eingestellt. „Die Einstellung ist erfolgt, weil ein Strafverhalten mit den vorliegenden Beweisen nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte.“

Anrainer auch wegen Corona besorgt

Für Unmut in der Bevölkerung sorgte allerdings auch, dass das Opferfest viele Gäste in die Gemeinde zog. In Coronazeiten dürfe man so etwas nicht erlauben, meint etwa Anrainerin Ulrike Skarek: „Ich bin auch gegen das Schächten, aber dieses Kurbanfest ist für unsere Familie nicht das große Problem. Mich stört vor allem, dass die Behörde in dieser Coronazeit solche religiösen Feste mit hunderten Gästen zulässt.“

Opferfest Nihat Özay
Landwirt Nihat Özay und Hüsamettin Erdem nahmen am Donnerstag die Proteste vor dem Bauernhof zur Kenntnis
Klement

Trotz all der Aufregung will Nihat Özay aber auch kommendes Jahr das Opferfest wieder feiern. „Wenn es bewilligt wird, warum nicht“, so der Landwirt gegenüber der NÖN.

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