Kleine Funde und große Geschichten. „Menschen hinterlassen Spuren“ ist der Titel der Ausstellung, die ein fleißiges Team in Totzenbach gestaltet hat.

Erstellt am 03. Februar 2018 (17:49)
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Das Team der Ausstellung mit einigen Besuchern: Elfriede Strasser, Heike Farnik, Chirstoph Öllerer, Christa Sehnal, Bürgermeister Paul Horsak, Wolfgang Seitz, Roman und Silvia Dygryn, Monika Kraus, Dieter Köberl, Ingrid Posch, Gemeinderätin Sabine Hutterer, Herbert Berger, Marcel Chahrour, Alfred Spiegl und Alt-Bürgermeister Alois Ecker von der Leader-Region Neulengbach. Nicht im Bild: Peter Hoffmann.  

In Umsee bestand schon in der Jungsteinzeit eine Pfahlbausiedlung und in Böheimkirchen lebten in der Bronzezeit vielleicht Menschenfresser. Neue Einblicke in die Geschichte der Region gibt die kleine Ausstellung „Menschen hinterlassen Spuren“, die am Freitag im Leo-Rollenitz-Archiv in Totzenbach eröffnet wurde.

Historischer Blick auf die Region

Oft sind es ganz kleine, unscheinbare Funde, die Archäologen Hinweise auf das Leben und den Alltag der Menschen vor lange vergangenen Zeiten geben. Einige archäologische Fundorte in der Gegend sind sehr bekannt und auch gut durchforscht, wie zum Beispiel die Hochfeldsiedlung in Böheimkirchen, die sogar einer eigenen Epoche der österreichischen Besiedlungsgeschichte den Namen gegeben hat, der so genannten „Böheimkirchener Kultur“. Dort ließen sich für die Jungsteinzeit Spuren eines Kultes nachweisen, bei dem möglicherweise Menschen geopfert und verspeist wurden.

Manches ist weniger bekannt, aber nicht weniger interessant: So gab es in Umsee bei Neulengbach einst eine ausgedehnte Sumpf- und Seenlandschaft, rund um die bereits in der Jungsteinzeit eine Siedlung errichtet wurde. Interessante Funde werden bis heute auf Feldern und Wegen gemacht. Diesen Funden ist die Ausstellung in Totzenbach gewidmet.

Zeitgenosse von „Ötzi“ 1951 entdeckt

Gezeigt werden sogenannte Oberflächenfunde aus 7000 Jahren von Feldern und Wiesen, die mehr über die Geschichte der Besiedelung der Region erzählen. Zwischen Neulengbach und Böheimkirchen finden sich bereits seit der Jungsteinzeit Spuren von Besiedelung: Ein Grab aus der späten Jungsteinzeit wurde in Ollersbach bereits 1951 aufgedeckt.

Der damals freigelegte Mann - offenbar ein eher wohlhabender Krieger - war ein Zeitgenosse des bekannten „Ötzi“. Seitdem wurden in der Talung entlang der Westbahnstrecke immer wieder Funde gemacht. So wurden bei Wolfersdorf die Reste einer römischen Villa entdeckt, die im zweiten oder dritten nachchristlichen Jahrhundert einen großen landwirtschaftlichen Betrieb bildete und vielleicht zur Versorgung des römischen Aelium Cetium diente. Selbst an so angelegenen Orten wie Ludmerfeld ließen sich Spuren römischer Besiedlung feststellen.

Viele Funde gehören zeitlich ins Mittelalter, also etwa in die Zeit vor 600 bis 1000 Jahren. Spektakulär sind einige verschwundene Siedlungen, von denen heute nichts mehr zu sehen ist. Einige Lageskizzen in der Ausstellung sollen veranschaulichen, wie nahe die Vergangenheit heute dennoch ist: Bei Sichelbach, Gstockert, Doppel, Schönfeld und Tausendblum gibt es lange vergessene Siedlungsplätze. Besonders reichhaltig ist ein Fundort bei Grabensee, wo es wenige hundert Meter vom heutigen Ort am Hachenfeld eine Vorgängersiedlung gab.

Wie immer half ein großes Team bei der Realisierung mit

Für die Gestaltung der Räumlichkeiten zeigte sich wieder Herbert Berger verantwortlich, der das Archiv für die größere Ausstellung adaptierte. Die Auswahl der Objekte lag bei Monika Kraus und Christoph Öllerer. Die Gestaltung der Grafiken und der Ausstellungsbroschüre übernahm Marcel Chahrour. Recherchen übernahmen wie in den letzten Jahren Ingrid Posch und Dieter Köberl aus Böheimkirchen, Silvia und Roman Dygryn aus Ollersbach und Wolfgang Seitz, Heike Farnik und Elfriede Strasser sowie Peter Hoffmann aus Kirchstetten.