Pilz macht heimischen Laubbäumen den Garaus. Triebe und Äste sterben aufgrund von Pilzbefall ab. Experten hielten im Raum Neulengbach Ausschau nach resistenten Exemplaren.

Von Christine Hell. Erstellt am 05. September 2017 (05:38)
Trixi Becker und Gerald Golesch auf der Suche nach Samen von gesunden weiblichen Eschen in Oberndorf bei St. Christophen.
NOEN, Christine Hell

Die mächtigen Kastanienbäume kämpfen seit Jahrzehnten mit der Miniermotte, Birnbäume sterben seit Jahren aufgrund des „Birnenverfalls“, Buchsbaum-Sträuchern macht der Zünsler den Garaus, in Fichten wütet der Borkenkäfer, und jetzt fallen auch noch die Eschen nach der Reihe um, weil sie von einer Pilzkrankheit befallen sind, die ihre Blätter infiziert, Triebe, Zweige und Äste absterben lässt und Rindennekrosen verursacht. In weiterer Folge werden die Wurzeln morsch und die Bäume fallen um.

Seit Mitte August sind vier Gruppen von je zwei Experten zur Eschenrettung im gesamten Bundesgebiet unterwegs. Sie sind auf der Suche nach samentragenden weiblichen Bäumen, die noch gesund, also scheinbar resistent gegen die Pilzerkrankung sind.

„Leider sind hier schon alle Eschen zu krank, um Samen abzunehmen.“ Baumesperte Gerald Golesch nach der Untersuchung der Bäume in Oberndorf

„Seit zwei Jahren sind wir unterwegs, solche weiblichen Bäume zu suchen und die Samen zu sammeln“, berichtet Gerald Golesch vom Bundesforschungszentrum für Wald, Institut für Waldgenetik in Wien. Er ist gemeinsam mit Trixi Becker zu den Bäumen, die ihm von Bauern und Waldbesitzern als scheinbar gesunde Bäume gemeldet wurden, unterwegs.

Auch im Gebiet von St. Christophen hielten die Baumexperten Ausschau nach resistenten Bäumen. Mit einem Fernglas hielt Gerald Golesch Ausschau nach dürren, abgestorbenen Trieben und Ästen in der Baumkrone. Auch das Geäst von samentragenden Eschen nahm er genau unter die Lupe. „Leider alle schon zu krank“, war das Urteil, die beiden Experten aus Wien mussten unverrichteter Dinge weiterfahren.

Samen von gesunden Bäumen wird gesucht

Einzelne gefundene, gesunde oder nur leicht befallene Bäume in ansonsten schwer erkrankten Waldbeständen geben den Experten trotzdem Hoffnung. „Auch in meiner Freizeit bin ich immer auf Ausschau nach gesunden Eschen“, lächelt Gerald Golesch. Zwei habe er in seiner Heimat im Schneeberggebiet entdeckt, berichtet er stolz. Sie tragen aber heuer aufgrund des Spätfrostes zur Blütezeit keine Samen und man muss abwarten, wie der Zustand dieser gesichteten Eschen im nächsten Jahr sein wird.

Aus dem gewonnenen Saatgut werden im BFW Versuchsgarten in Tulln Jungpflanzen gezogen, die in einem Feldversuch auf ihre Resistenzeigenschaft gegenüber dem Erreger des Triebsterbens die nächsten Jahre beobachtet werden.

Die besten Mutter- und Vaterpflanzen können anhand der Nachkommen bestimmt werden und sollen über Pfropfung bzw. über Stecklinge vermehrt und in einer Plantage zusammengebracht werden. Denn wenn in einem Bestand nur mehr eine resistente Esche überlebt hat, findet diese keinen „Paarungspartner“ mehr und kann ihre genetische Resistenz nicht mehr an ihre Nachkommen weitergeben.

Begonnen wurde das Projekt vor zwei Jahren, mittlerweile wurden bereits 580 offensichtlich befallsfreie Bäume beerntet. „Davon befinden sich bereits 6.400 im Resistenztest und weitere 24000 folgen im nächsten Frühjahr“, berichtet der Baumexperte.

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