Corona-Maßnahmen im Sport: „Geisterspiele sind ruinös“. Schaltet die Bezirksampel auf orange, müssten Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden. Für die Klubs aus der Region finanziell desaströs.

Von Wolfgang Wallner und Romeo Felsenreich. Erstellt am 30. September 2020 (02:06)
„Immer neue Prügel vor die Beine geworfen“: Neulengbachs Mario Graf.
WW

Zeigt die Corona-Ampel im Bezirk orange, dürfen keine Zuschauer mehr auf den Sportplatz. Mit dieser Verschärfung, die ab 5. Oktober gilt, hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner für Aufregung in der Fußballszene gesorgt. Auch in unserer Region, selbst wenn der Bezirk (noch) nicht betroffen ist.

„Nicht nachvollziehbar“ seien die Einschränkungen, ärgert sich Neulengbachs Frauentrainer Mario Graf. Am Sonntag waren die Fußballerinnen in Vorarlberg zu Gast. „Dort dürfen zwar 250 Zuschauer auf den Platz. Dafür hat die Kantine zu, dort gibt’s nicht einmal Limonade. Welchen Sinn das hat, muss man mir erklären.“ Den NÖ-Verschärfungen bei erhöhtem Infektionsgeschehen kann Graf ebenso wenig abgewinnen: „Die Vereine bemühen sich, setzen die Hygiene- und die Abstandsmaßnahmen um. Und dann hat die Politik nichts anderes zu tun, als ihnen weitere Prügel vor die Füße zu werfen!“

Ohne Vereinsfeste, die ja in Coronazeiten durch die Bank abgesagt werden mussten, sind den Sportvereinen wichtige Einnahmen weggefallen. Geisterspiele wären im Amateurbereich kaum zu stemmen.„Ohne Zuseher macht Fußball in unseren Klassen keinen Sinn und wäre für viele Vereine ruinös“, sagt Andreas Barta, Sektionsleiter beim ATSV Schönfeld. „Kurz in den sauren Apfel beißen wäre kein Problem, aber Dauerlösung kann das sicher keine sein. Was uns positiv stimmt ist, dass es bei uns einen gewissen Nachholeffekt gibt. Nach dem Lockdown hat man bei uns Leute auf dem Fußballplatz gesehen, die man davor Jahre nicht gesehen hat. Im Sinne des Ehrenamts und der Gemeinnützigkeit hoffe ich auf eine gute und praktikable Lösung.“

Fußball ohne Zuschauer kann sich auch Eichgrabens Sektionsleiter Ernst Lissi nicht vorstellen. „Einerseits wäre das nicht zu finanzieren, andererseits weiß ich nicht, wie man das überhaupt kontrollieren will“, gibt Lissi zu bedenken. „Wir haben mehrere Eingänge und können nicht alle absichern. Sollte es wirklich soweit kommen, braucht es eine Unterstützung, sonst werden wieder viele Vereine zusperren müssen.“

Beim NÖ-Verband zeigt sich Präsident Hans Gartner „überrascht“ von den Maßnahmen. Bislang durften wenigstens 100 Besucher auf den Platz. Am Dienstag (nach Redaktionsschluss) hat die Verbandsspitze das weitere Vorgehen beraten. An eine Unterbrechung des Meisterschaftsbetriebs will Gartner noch nicht denken: „Ich kenne die Stimmung an der Basis. Aber wir wollen mit überhasteten Aktionen nicht mehr zerstören als es bringt und vor allem den Kindern nicht den Sport wegnehmen.“ Als wahrscheinlichste Lösung werden von den Geisterspielen betroffene Klubs ihre Heimpartien absagen dürfen. Alternativ, so Gartner, stünde ein Platzwahltausch als Option zur Verfügung.