Neulengbach

Erstellt am 10. Januar 2017, 04:04

von Renate Hinterndorfer

Entsorgung wird teurer: Müll wird mehr, Gebühr steigt. GVU erhöht Abgaben um etwa zehn Prozent. Pro Einwohner fallen pro Jahr etwa 450 Kilogramm Abfall an.

shutterstock/Shcherbakov  |  NOEN, shutterstock/Shcherbakov

38.000 Tonnen Müll hat der GVU St. Pölten im vergangenen Jahr von den Haushalten in den 37 Verbandsgemeinden im Bezirk St. Pölten entsorgt.

Der Müll wird immer mehr. „Bei Rest- und Sperrmüll haben wir jedes Jahr eine Mengensteigerung von etwa zwei Prozent“, berichtet Markus Punz, Amtsleiter-Stellvertreter beim Gemeindeverband für Umweltschutz und Abgabeneinhebung.

107 Kilo Restmüll im Jahr pro Person

So wurden etwa im Jahr 2007 rund 6.800 Tonnen Restmüll von den Haushalten abgeholt, seit dem Jahr 2013 sind es an die 9.000 Tonnen jährlich. Jede Person im Verbandsgebiet produziert rund 107 Kilo Restmüll im Jahr. Insgesamt kommen auf eine Person 453 Kilo an Abfällen.

Mit elf Press-, einem Glas-, einem Haken- und einem Koffer-LKW wird der Mist abgeholt. „Für diese Arbeiten sind rund 40 Mitarbeiter unseres Hauptentsorgers angestellt“, berichtet Punz. Zusätzlich sind noch Gemeindemitarbeiter in den Sammelzentren im Einsatz.

Die steigenden Müllmengen sind laut Auskunft des GVU einer der Gründe für die Anhebung der Gebühren. Ein zweiter Grund seien allgemein steigende Kosten – etwa bei den Transportleistungen. Mit Jänner 2017 wird die Abfallentsorgung durchschnittlich um einen Euro pro Monat teurer. Der Standardtarif für Mehrpersonenhaushalte wird von 114,98 Euro auf 126,47 Euro pro Jahr angehoben.

Erhöhung nach zehn Jahren

„Wir haben seit etwa zehn Jahren nicht erhöht. Wir konnten die Dienstleistungen sogar ausbauen, sodass die Entsorgung des Baum- und Strauchschnittes und auch des Grünschnittes über die Gebühren mitfinanziert werden konnte“, sagt Verbandsobmann Franz Hagenauer aus Pyhra. Jetzt sei eine Erhöhung aber unausweichlich gewesen. „Damit wird ein Teil der Inflationsrate der letzten zehn Jahre abgedeckt“, erläutert Hagenauer. Insgesamt sei man immer noch einer der billigsten Verbände in ganz Niederösterreich, betont Hagenauers Stellvertreter, der Altlengbacher Vizebürgermeister Wolfgang Luftensteiner.

Doch nicht alle Bürger sind mit der Erhöhung einverstanden: Ein Altlengbacher erhebt Einspruch und nennt als Grund unter anderem, dass der GVU einen Vertrag mit EVN abgeschlossen habe, obwohl diese nicht Bestbieter gewesen sei: „Das führt zu Mehrkosten von 15 Euro pro Tonne für den Gebührenzahler“, beschwert sich der Mann.

„Der Restmüll wird in Dürnrohr verwertet, das ist die günstigste Lösung"

Seitens des Verbandes wird erklärt, dass bei der Ausschreibung die AVE in Oberösterreich als Bestbieter hervorgegangen sei. Diese bringe den Müll zur EVN: „Der Restmüll wird in Dürnrohr verwertet, das ist die günstigste Lösung. Es ist nichts passiert, was nicht hätte sein dürfen“, betont Markus Punz.

Neuerungen gibt es im heurigen Jahr bei der Müllentsorgung für Ein-Personen-Haushalte: „Da gab es immer wieder Beschwerden, weil es nur sechs Abholungen pro Jahr gab, jetzt haben wir auf sieben Abfuhren erhöht. Dadurch erhöhen sich auch die Kosten“, berichtet Markus Punz. Dass es umgekehrt auch Leute gibt, denen die sechs Abholungen genügt hätten, ist Punz bewusst: „Man kann nicht alle zufriedenstellen. Aber ein zusätzlicher Abfuhrtermin ist auch eine Frage der Hygiene. Wenn der Müll drei Monate in der Garage oder im Haus steht, ist das auch nicht optimal.“

Recyclingquote von 65 Prozent

Zufrieden ist man beim Müllverband mit der Disziplin beim Mülltrennen: „Da liegen wir im Niederösterreich-Vergleich an der Spitze mit einer Recyclingquote von 65 Prozent“, so Markus Punz. In Einfamilienhaushalten sei die Trennmoral größer als bei großvolumigen Wohnbauten: „Da wird wegen der Anonymität schlampiger getrennt“, bestätigt Markus Punz. Ein Riesenproblem sei Biomüll im Restmüll: „Da entsteht Methangas, und das ist wesentlich schädlicher als CO2. Das ist also auch ein Klimafaktor.“

Etwa 6.000 Tonnen Biomüll fallen pro Jahr im Verbandsgebiet an. Der Abfall wird an die bäuerlichen Kompostierer in Markersdorf, Maria-Anzbach, Böheimkirchen, Wilhelmsburg, Neulengbach und Kapelln geliefert. Der Kompost wird als Bodenverbesserer und Dünger hauptsächlich landwirtschaftlich und regional verwertet.