Asperhofens VS-Direktorin vor Pension: „Habe immer gerne unterrichtet“

Erstellt am 03. Juli 2022 | 06:01
Lesezeit: 4 Min
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Direktorin Margret Ott geht im September in Pension. Foto: Archiv/Veraszto
Foto: Archiv/Veraszto
19 Jahre lang war Margret Ott Direktorin der Volksschule in Asperhofen. Am Freitag endet ihre aktive Schulzeit.
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NÖN: Wie war Ihr Einstieg in das Berufsleben?

Margret Ott: Ich bin 1980 mit meiner Ausbildung fertig geworden und war die ersten Jahre in Würmla an der Volksschule. Mit meiner Heirat bin ich nach Asperhofen gezogen und seit 1987 Lehrerin in Asperhofen. Seit 2002 bin ich Direktorin, habe mir dazwischen aber ein Jahr für ein Sabbatical genommen.

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1987 hat Margret Ott an der Volksschule Asperhofen begonnen. Damals war das Geschlechterverhältnis ausgewogen, aktuell gibt es ausschließlich Lehrerinnen.
Foto: privat

Wie geht es Ihnen mit dem Abschied?

Ich habe sehr gemischte Gefühle. Einerseits tut es mir leid, weil ich immer gerne unterrichtet habe. Andererseits merke ich, dass ich mich gedanklich mit der Pension beschäftige. Momentan ist mit Schulschluss und Supplierung viel zu erledigen. Daher komme ich gar nicht dazu, schon loszulassen.

Was war Ihnen wichtig?

Erstens war mir immer der Kontakt zu den Kindern wichtig und dass es den Kindern gut geht. Deswegen habe ich Ende der 1990er eine Alternativbeurteilung ohne Noten eingeführt. Zweitens sprechen Kinder nicht nach Jahren von einzelnen Deutsch- oder Mathestunden, sondern von besonderen Ereignissen. 2004 bin ich als Erste mit den Kindern auf Projekttage gefahren. Ich freue mich, dass meine Kolleginnen das übernommen haben. Drittens habe ich wiederum von meinem Vorgänger Direktor Kisser übernommen, dass die Kinder ihre Leistungen bei einem Schulfest präsentieren können. Da haben wir tolle Feste auf die Beine gestellt. Einmal hat uns etwa Georg Danzer auf der Gitarre begleitet und unser Kindermusical „Regenbogenfisch“ hat es ins regionale Fernsehen geschafft.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz, dass wir bei der Planung der neuen Schule mitreden durften. Da freue ich mich sehr, dass ich am Ende meiner Karriere eine so tolle Schule leiten und übergeben kann. In den letzten Jahren haben wir im Team nicht nur die Schule, sondern auch unser Konzept unter dem Motto „Wir bauen die Schule neu“ neu gebaut. Da haben wir viele Ideen verschriftlicht. Somit sind sie verbindlich. Da denke ich vor allem an Ideen von Margret Rasfeld, etwa monatliche Schulversammlungen oder der wertschätzende Umgang mit Kindern und Eltern.

Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Es gab früher auch Kinder, die vom Verhalten her schwierig waren. Aber ich denke, es hat sich etwas im Respekt geändert. Früher haben Kinder ab der dritten Klasse „Sie“ zur Lehrerin gesagt, das ist jetzt irgendwie gar nicht mehr. Aber es gibt Kinder, die respektlos sind. Für die wäre es gut, wenn sie wüssten, dass es ein „Sie“ gibt und sie ihre Lehrerinnen als Vorgesetzte und Vorbilder ansehen.

Hat sich auch die Schülerzahl in den vergangenen Jahren geändert?

Das ist unterschiedlich. In den 1990er Jahren haben wir schon einmal die Zahl 100 in Asperhofen erreicht. 2006 war die Schule nur dreiklassig, da ist die Schülerzahl auf 64 gesunken. Aktuell haben wir 105 Kinder und sieben Klassen. In diesem Schuljahr waren wir in zwei Schulstufen knapp an der Teilungszahl, doch wir konnten die Klassen teilen. Das ist ein Riesenglück für alle.

Womit haben Sie gehadert in den Jahren?

Erstens war Corona eine große Herausforderung. Zweitens ist die Digitalisierung für mich persönlich herausfordernd. Als ich zu unterrichten angefangen habe, gab es noch keinen Kopierer an der Schule. In der neuen Schule war jedes Gerät neu, etwa die Brandschutzmeldeanlage oder die interaktiven Tafeln in allen Klassen. Da bin ich froh, dass ich mich nicht mehr so mit allem auskennen muss. Außerdem geht die Ausbildung in den letzten Jahren sehr in Richtung Wissenschaft. Ich würde es sinnvoll finden, dass die Kolleginnen wieder mehr in die Schule gehen und praxisorientiert arbeiten.

Was war Ihre schönste Erfahrung?

Begegnungen mit Menschen machen mir große Freude. Ich finde es beispielsweise sehr schön, wenn ich ehemalige Schülerinnen und Schüler treffe, die ich schon länger nicht gesehen habe, und sie freudestrahlend auf mich zukommen.

Haben Sie Pläne für Ihren Ruhestand?

Ich freue mich, wenn ich walken, wandern und lesen kann und Zeit für meine Familie habe. Das nächste Projekt ist das Haus nebenan, wo früher meine Schwiegermutter gelebt hat. In den Ferien will eine Frau aus der Ukraine mit drei Kindern dort einziehen. Ich muss noch einiges vorbereiten.

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