Erfahrungsbericht: "Wusste sofort, ich habe Covid-19“. Familie Allmer war am Coronavirus erkrankt. Wie die Familie den Virus überstanden hat, berichtet der Vater im NÖN-Gespräch.

Von Ernst Klement. Erstellt am 07. Juni 2020 (03:33)
Gottfried Allmer erzählt über die Zeit, als Covid-19 seine Familie bedrohte.
Klement

Seit einiger Zeit gibt es keine Coronavirus-Erkrankten mehr im Laabental und auch die Infektionszahlen der letzten drei Monate sind für die Laabentaler erfreulich. In Altlengbach hat es in dieser Zeit nur einen Covid-19-Infizierten gegeben, in Brand-Laaben waren es drei und in Neustift-Innermanzing sieben. Alle Erkrankten sind bereits wieder genesen und niemand musste im Spital versorgt werden.

Bei den Betroffenen in Brand-Laaben handelte es sich um Familie Allmer.

Gottfried Allmer berichtet von der tückischen Erkrankung, an die er sich sein Leben lang zurückerinnern wird. „Ende März wachte ich mit einem Hustenanfall auf. Ich bemerkte sofort, dass dieser Hustenanfall anders ist als sonst. Normal spürst du nach einem Hustenanfall eine Erleichterung. Doch diesmal nicht. Du spürst, wie die Lunge blockiert ist, als läge ein Stein darauf“, erzählt der Laabener. Sofort war ihm klar, dass das kein normaler grippaler Infekt war: „Ich wusste gleich, ich habe Covid-19.“

Seine Frau hatte die gleichen Symptome. Sofort rief man die Hotline 1450 an. Nach vier Tagen wurde der Test durchgeführt. „Währenddessen ging es uns bereits sehr schlecht, und die ganze Familie zog sich in Quarantäne zurück. Als die Tests erfolgten, wollten wir, dass auch unsere Mädchen – 21, 18 und 15 Jahre alt – getestet werden. Doch die standen nicht auf der Liste, daher gab es keinen Test.“

Erst als das Ergebnis der Eltern positiv war, wurden die Kinder getestet. „Bei ihnen verlief Covid-19 allerdings völlig harmlos und fast nicht wahrnehmbar. Der Krankheitsverlauf bei Jüngeren ist wie 100 zu eins“, so Allmer.

Testergebnisse brachten Überraschung

Die Testergebnisse der Kinder brachten aber auch eine Überraschung. „Nur eines der Mädchen wurde positiv getestet, die anderen zwei Mädchen negativ, obwohl ich glaube, dass es alle drei Mädchen hatten“, so Allmer. Von den Gesundheitsbehörden fühlte er sich in dieser Zeit nicht gut behandelt. „Es gab kein aufmunterndes Wort oder einen Tipp, welche Medikamente wir nehmen sollen“, so Almer. Man lebe ständig mit der Angst, nichts gegen diese Krankheit tun zu können. „Nach vier Tagen kam eine Erleichterung, doch dann gab es einen nächsten Schub“, berichtet Allmer. Erst nach drei Wochen habe seine Familie die Krankheit überstanden, „und wir fühlten uns wie neugeboren“.

Während seiner Erkrankung hat er aber auch Positives erlebt: „Die Laabner haben unglaublich zusammengehalten. Sofort bekamen wir Hilfe und die Versorgung mit Lebensmittel klappte hervorragend. Niemand hatte Angst uns zu versorgen oder zu beliefern“ so Allmer, der sich besonders bei Sabine Schweiger von der Greisslerei sowie bei Hannes Kari vom Gasthaus Kari für die Lieferdienste bedankt. „Er brachte uns zusätzlich noch Torten und hatte immer ein paar aufmunternde Worte parat“, zeigt sich Allmer gerührt.

Einen Vorwurf macht er jener Person, die ihn und seine Familie angesteckt hat, nicht: „Niemand steckt jemanden gerne an.“ Allmer glaubt, dass man mit diesem Virus leben muss. Denn die Wissenschaft hinke nach. Das zeigt auch die Tatsache, dass bei ihm und seiner Frau der Antikörpertest negativ ausfiel. „Als hätten wir nie Covid-19 gehabt. Das sagt wohl alles über dieses Virus“, so Allmer, der sich freut, nach überstandener Erkrankung wieder seiner Leidenschaft – dem Tennisspielen – nachgehen zu können.