Buchberg: 151 km/h Windspitzen. Sturmfront „Gonzalo“ zog über das Land: Bäume knickten um, Äste lagen auf Straßen, Dächer wurden abgedeckt.

Von Beate Riedl. Erstellt am 27. Oktober 2014 (15:47)
NOEN, FF Eichgraben
In Eichgraben landete ein Baum auf einem Haus. Die Feuerwehr musste ausrücken.

Windspitzen mit bis zu 155 Stundenkilometer fegten in der Nacht auf Mittwoch über Österreich. Der zweithöchste Wert wurde am Buchberg in Maria Anzbach mit 151 Stundenkilometern gemessen.

„Das ist eine sehr exponierte Station an der Spitze des Turmes. Der Buchberg ist zudem die erste große Erhebung vom Alpenvorland. Der Wert ist deshalb nicht repräsentativ für die Region, zumal der Wind dort durch keine Bäume oder Bauten gebremst wird“, informiert Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Bei der Messstation im St. Pöltener Regierungsviertel wurde 105 Stundenkilometer Windspitze gemessen.

2000 Haushalte ohne Strom

Dennoch, Sturmfront „Gonzalo“ richtete zahlreiche Schäden an, Stromausfälle inklusive. „Insgesamt waren rund 2.000 Haushalte von Stromausfällen betroffen“, zieht der Neulengbacher EVN-Leiter Harald Dammerer Bilanz.

In der Nacht auf Mittwoch gegen 0.30 Uhr kam es zu den ersten Stromstörungen, ab diesem Zeitpunkt waren die EVN-Mitarbeiter unterwegs, um die Schäden zu beheben. „In der Früh waren alle Haushalte wieder mit Strom versorgt“, sagt Dammerer. Grund für die Ausfälle waren entwurzelte Bäume auf Stromleitungen.

Florianis entfernten umgestürzte Bäume

Durch den Sturm stürzten unzählige Bäume um, Äste landeten auf den Straßen, Ziegel flogen von den Dächern. Die Feuerwehren der Region hatten alle Hände voll zu tun. In den Gebieten der Feuerwehren Maria Anzbach, Eichgraben, Unter-Oberndorf, Neulengbach, St. Christophen, Altlengbach, Brand-Laaben, Ollersbach, Kirchstetten und Johannesberg kam es zu Einsätzen. Vorrangig galt es, umgestützte Bäume von Straßen zu entfernen.

Kurz nach Mitternacht rückte die Neulengbacher Wehr aus – ein Teil einer Linde legte sich, quer über einen Weg hinweg, auf das Dach eines Hauses, die Eindeckung gab nach. Die Feuerwehr machte den Weg frei und schnitt den Baum um. In der St. Pöltner Straße hielten mehrere Fichten dem Sturmdruck nicht stand. Sie wurden über einen Zaun gedrückt, wobei das Nachbarobjekt leicht beschädigt wurde.

Auch eine Fassade und ein Pkw wurden durch Äste und Bäume beschädigt. Kommandant Ignaz Mascha lobt den Einsatz seiner Mannschaft: „Anstandslos entfernten auch junge Feuerwehrmitglieder, in 15 Metern Höhe am Kranhaken hängend, gebrochene Äste. Auch die gefühlvolle Bedienung des Krans durch relativ junge Feuerwehrleute war faszinierend. Laufende Ausbildung macht sich bezahlt.“

Auch die St. Christophener Florianis mussten umgestürzte Bäume von Straßen entfernen. Ein abgebrochener Ast eines großen Baumes beschädigte ein Auto, eine Kapelle sowie ein Verkehrszeichen. Der Rest des Baumes neigte sich zu einem Wohnhaus hin – die Florianis entschieden mit dem Kran der Feuerwehr Neulengbach diesen Teil abzutragen.

Die Kirchstettener Florianis hatten zwar keine direkten Sturmeinsätze, mussten aber in den frühen Morgenstunden zu den ersten Aufräumarbeiten ausrücken. Die Kameraden waren mit kurzen Unterbrechungen rund neun Stunden im Dauereinsatz.

Keinen Strom gab es in der Sturmnacht im Alten- und Pflegeheim St. Louise: Wenn das passiert, wird sofort die Maria Anzbacher Feuerwehr alarmiert, um im Bedarf mit den Stromerzeugern einzuspringen. Durch den Stromausfall ließ sich die Eingangstür nicht mehr öffnen, auch die Telefonanlage fiel aus. „Doch es wurde dringend die Rettung für einen Bewohner benötigt, die von uns über Funk alarmiert werden konnte“, berichtet Kommandant Josef Ertl. Glücklicherweise war nichts Schlimmes passiert.

In Maria Anzbach wurde außerdem ein Wohnhaus durch einen umstürzenden Baum in Mitleidenschaft gezogen. „Und ’herrenlose‘ Pkw-Anhänger haben sich im Straßengraben gefunden“, berichtet Ertl.

Erheblichen Schaden richtete der Sturm in Unter-Oberndorf an. Dort wurde das Dach eines Einfamilienhauses zum Teil abgedeckt, der Dachstuhl großteils zerstört. „Teile dieses Dachstuhles haben auch noch zwei weitere Häuser erheblich beschädigt“, heißt es von der Feuerwehr. Zudem stürzte ein Baum oberhalb von Unter-Oberndorf in die Fahrleitung der ÖBB und fing Feuer. Die Flammen konnten gelöscht, der Baum entfernt werden.

Westbahnstrecke war gesperrt

Die Westbahnstrecke wurde gesperrt und der Fahrstrom unterbrochen. Die ÖBB kam mit einem Turmwagen mit Kran, mit dessen Hilfe die Kameraden entlang der Westbahnstrecke weitere beschädigte Bäume entfernen konnten.

Sturm „Gonzalo“ forderte auch die FF Ollersbach zu acht Einsätzen, 13 Mitglieder rückten aus. Vorrangig mussten sie umgestürzte Bäume und heruntergefallene Dachziegel entfernen. Auch einen Container und ein Trampolin musste die Feuerwehr von der Fahrbahn entfernen.

Zufahrten waren unpassierbar

Die Zufahrt in den Ortsteil Pyrat (Laaben) war durch umgefallene Bäume blockiert. Die Freiwillige Feuerwehr Laaben war mehrere Stunden mit dem Umschneiden von Bäumen, die Straßen blockierten, beschäftigt.

Auch in Innermanzing und Altlengbach gab es Schäden durch umgefallene Bäume: Altlengbachs Verwalter Christian Schmölz: „Die Zufahrt zum Tennisplatz war durch einen umgefallenen Baum blockiert und etliche Zufahrtsstraßen befreiten wir noch von Ästen.“ Gröbere Schäden gab es nicht. Insgesamt waren neun Mann am Mittwochmorgen rund zwei Stunden im Einsatz.

In der Herrgottswinkelstraße in Eichgraben fiel ein Baum auf ein Haus - eine Platte wurde beschädigt und die Dachrinne eingedrückt.