Anwalt hielt nichts von Maskenpflicht. Eichgraben: Verteidiger zog die Verhandlung in die Länge weil er eine „falsche“ Maske trug.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 21. Oktober 2020 (03:38)
Symbolbild
APA

Von Berufswegen wird vor Gericht ja viel gestritten. Dass sich Richter und Verteidiger minutenlang in den Haaren liegen, weil der Verteidiger keinen ordentlichen Mund-Nasen-Schutz tragen will, kommt aber wohl auch nicht so häufig vor.

„Der Verteidiger trägt ein Slip-ähnliches Stoffteil vor dem Gesicht anstelle eines Mund-Nasen-Schutzes.“

Dem Richter reißt irgendwann der Geduldsfaden. Für das Video-Protokoll hält er fest: „Der Verteidiger trägt ein Slip-ähnliches Stoffteil vor dem Gesicht anstelle eines Mund-Nasen-Schutzes.“ Der Verteidiger setzt sich nach mehrmaligen Widerworten schließlich doch eine Stoffmaske auf und zieht das „Slip-ähnliche Teil“ darüber. „Doppelt hält besser!“, sagt er.

Aber das Verfahren gegen einen 31-jährigen Österreicher, der Cannabis an eine damals Minderjährige weitergegeben haben soll, kann fortgesetzt werden. Eine Freundin des Angeklagten hatte diesen deswegen nämlich gemeinsam mit der damals Minderjährigen bei der Polizei angezeigt. Die mittlerweile volljährige Zeugin gibt im Zeugenstand an, dass sie damals bei der Polizei nicht die Wahrheit gesagt hat. Sie wollte ihrer Freundin helfen und sei unter Druck gestanden. Weil damit auch die Aussage der Freundin nicht mehr glaubhaft ist, endet der Prozess mit einem Freispruch. Der Richter bietet dem Angeklagten Diversion an, weil er auch Cannabis angebaut haben soll. Dieser nimmt an und verpflichtet sich zu Sozialstunden. Der Prozess endet, obwohl der Verteidiger das Verfahren durch viele unzulässige Fragen streckt.