Bahn-Anrainer beschweren sich über Lärmbelästigung. Anrainer beschweren sich über Belästigung in den Abend- und Nachtstunden. Laut ÖBB steigt Zahl der Güterzüge nicht.

Von Andrea Stoiser und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 09. August 2019 (03:57)
ÖBB/Deopito

Zahlreiche Bahn-Anrainer haben sich über die kürzlich ins Leben gerufenen permanente Lautsprecherdurchsagen beschwert.

Beklagt wird auch, dass der Güterzugverkehr immer mehr werde – besonders in den Abend- und Nachtstunden und am Wochenende. Manche sind sich aber nicht sicher, ob die vermehrte Lärmbelastung nur ein subjektives Empfinden ist, da man im Sommer mehr Zeit draußen verbringt. Kritisiert wird jedenfalls, dass die Güterzüge mit relativ altem Wagenmaterial unterwegs und dadurch noch lauter sind.

Was sagen die ÖBB zur Kritik puncto Güterzüge? Auf die Anfrage der NÖN erklärt Pressesprecher Christopher Seif: „Wir haben uns die Zugzahlen seit 1992 angesehen. 1992 fuhren durch Eichgraben an einem Werktag 102 Güterzüge, das steigerte sich bis auf 142 im Jahr 2007. Bis zum Jahr 2012 sank die Zahl auf 109.“

„Generell ist mit Inbetriebnahme der Neubaustrecke im Jahr 2013 die Anzahl der Güterzüge im genannten Streckenbereich deutlich gesunken“

Im Dezember 2012 wurde die Neubaustrecke Wien-St. Pölten eröffnet und die Zahl der Güterzüge durch Eichgraben sei im Jahr 2013 auf 75 gesunken, führt Seif aus. Und weiter: „2018 fuhren 76 Güterzüge durch Eichgraben. Die Zahl der Güterzüge über das Tullnerfeld stieg von 38 auf 58.“ In Summe seien zwischen Wien und St. Pölten (beide Strecken) im Jahr 2018 134 Güterzüge gefahren, 76 davon durch Eichgraben. „Generell ist mit Inbetriebnahme der Neubaustrecke im Jahr 2013 die Anzahl der Güterzüge im genannten Streckenbereich deutlich gesunken“, sagt Seif. Seither seien die Zahlen konstant geblieben.

Grundsätzlich sei es das Ziel der ÖBB, dass möglichst viele Güterzüge über die Neubaustrecke fahren, hält der ÖBB-Pressesprecher fest. Aus verschiedenen Gründen werden aber weiterhin Güterzüge über die Altbaustrecke geführt: „Bei sehr schweren Güterzügen hat dies topografische Gründe, genauso werden bei planmäßigen Wartungs- und Erhaltungsarbeiten auf der Neubaustrecke Züge über die Altbaustrecke geführt.“

Die steigende Nachfrage im Regional- und Schnellzugverkehr habe außerdem zu einer deutlichen Angebotsausweitung und Taktverdichtung geführt. Seitens der ÖBB werde aber daran gearbeitet, in Zukunft noch mehr Güterverkehr ins Tullnerfeld zu verlagern.

Zum Thema Lärm hält Christopher Seif fest, dass bei den ÖBB und allen anderen Bahnen große Anstrengungen unternommen würden, um den Bahngüterverkehr leiser zu machen. Dafür werde viel Geld ausgegeben. „2017 waren 40 Prozent der österreichischen Güterwagenflotte der ÖBB Rail Cargo leise, bis Ende 2021 werden mehr als 90 Prozent leise sein“, kündigt Seif an.