Familie in Etappen betroffen: Vom Virus voll erwischt. Eichgraben: Die schwierigen Wochen in Quarantäne hat Bibiane Zeller-Presenhuber in ihrem Corona-Tagebuch festgehalten.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 29. Oktober 2020 (03:54)
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Unter dem Titel „Liebes Corona-Tagebuch“ machte die Eichgrabener Wissenschaftsjournalistin Bibiane Zeller-Presenhuber ihre überstandene Corona-Erkrankung in der Zeitung „Die Presse“ öffentlich und berichtete über die anstrengenden Familien-Wochen. Doch gerade als die vierköpfige Familie glaubte, die schwierige Zeit überstanden zu haben, schlug das unberechenbare Virus erneut zu und zwang den Rest der Familie in die Knie.

„Ich habe Corona. Die Seuche ist da, in mir und auch in einem Teil meiner Familie. Mein Elfjähriger hat sie vom Gitarrenunterricht nach Hause gebracht. Der Große nimmt zwar beim gleichen Lehrer Unterricht, er aber blieb verschont. Warum? Gutes Immunsystem, würden so manche sagen. Das mag schon sein. Doch er und sein Vater (der auch nicht infiziert wurde) sind jene Familienmitglieder, die seit dem Frühling Probleme mit der Lunge haben. Beide sind Allergiker“, so beginnt der Eintrag in das Corona-Tagebuch.

Bibiane Zeller-Presenhuber berichtete anschaulich, wie es sich anfühlt, wenn sich ein Vier-Personen-Haushalt in positive und negative Corona-Getestete unterteilt. Das Zusammenleben als Familie ist etwas anstrengend, wenn zwei zu den „Positiven“ und zwei zu den „Negativen“ gehören. Die „Negativen“ wohnten im Untergeschoß. Falls die beiden sich in das Obergeschoß zu den „Positiven“ wagten, dann nur mit FFP2-Maske. „Der Teenager nahm seine Absonderung besonders ernst. Er isst freiwillig im Stehen auf dem Balkon, damit er uns Infizierten nicht zu nahe kommt“, berichtete die Journalistin. Nach rund zwei Wochen waren alle gesund und negativ getestet.

Von Fieberschüben heimgesucht

Doch drei Tage nach dem letzten negativen Test gab es für Franz Zeller – seines Zeichens Wissenschaftsjournalist, Krimiautor und Bierbrauer – eine böse Überraschung, denn er wurde von Fieberschüben heimgesucht. „Da war auch die Amtsärztin ratlos“, erzählt der Eichgrabener.

„Ich vermute einmal, dass ich das Virus unter der Nachweisgrenze mitgeschleppt habe. Irgendwann hat sich halt dann der ganze Stress mit Umbau, Krankheit, Job gerächt, und dann war das Immunsystem nicht mehr stark genug“, berichtet er weiter. Mit ihm erwischte es auch noch den bisher gesunden Teenager Valentin – und das just am 23. Oktober, als er seinen 15. Geburtstag feierte. „Seinen Geburtstag hat er sich irgendwie anders vorgestellt. Mit Freunden ins Kino, anschließend was essen, quatschen – natürlich mit Sicherheitsabstand. Daraus ist nichts geworden. Der Teenager – das bislang letzte corona-negative Familienmitglied – ist nämlich wieder einmal in Quarantäne. Daher hat er sich in sein Zimmer zurückgezogen und ist noch näher mit seinem Handy zusammengewachsen als er ohnehin schon war“, lässt Mutter Bibiane die letzten Tage Revue passieren. Der Teenager ist allerdings völlig symptomlos und hat offenbar eine sehr geringe Virenlast, die jetzt endlich auch berücksichtigt wird.

Der jüngere Sohn bewegt sich wieder völlig unbeschwert, symptom- und beschwerdefrei durch sein Leben. Bibiane Zeller-Presenhuber selbst machen fast drei Wochen nach ihrem ersten positiven Covid-19-Testergebnis immer noch Muskel- und Gliederschmerzen Probleme. „Wenigstens wechselt der Göttergatte inzwischen nur noch einmal täglich den Pyjama und auch dem Fieberthermometer gönnt er gewisse Ruhepausen. Außerdem verlangt er mit einer beeindruckenden Vehemenz nach Bier. Auf Rat einer Freundin wollte ich ihm das gewünschte Gebräu erwärmen und mit Honig versüßen. Das soll nämlich eine heilende Wirkung haben. Wäre er in einem etwas besseren Zustand gewesen, hätte er glatt die Scheidung eingereicht“, kann die Journalistin trotzdem schon wieder lachen.

„Angesichts unserer Erfahrung - und ich werde voraussichtlich letztendlich 30 Tage, also den ganzen Oktober in Quarantäne gewesen sein, was echt nicht klass ist - halte ich trotzdem das Freitesten nach fünf Tagen für eine Schnapsidee“, meint Franz Zeller. Das Ganze dauere zwar eine Ewigkeit: „Aber ich glaube, es hat seine Berechtigung. Wir hatten bzw. haben die Krankheit ja blöderweise in zwei Etappen.“ Die Corona-Erfahrungen sind im Internet nachzulesen:
www.em- sommer.at/bibis-tagebuch/