Florian Danner: Zu Fuß von New York nach Washington. Florian Danner hat zwei Wochen lang die Stimmung in den USA bei seiner Wahlwanderung eingefangen.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 21. November 2020 (03:27)
Florian Danner ist fast 500 Kilometer durch die USA gewandert.
privat

Florian Danner ist wieder zurück in Österreich und mit im Gepäck hat er viele neue Erfahrungen und tolle Erlebnisse. Der Café Puls Moderator, der seine Wahlheimat in Eichgraben gefunden hat, war wie berichtet heuer zum fünften Mal bei einer US-Präsidentenwahl dabei. Im Zuge seiner Wahlwanderung von New York nach Washington legte er in gut zwei Wochen 476 Wander-Kilometer zurück. „Für mich persönlich ist Amerika einfach ein Land, das ich seit vielen Jahren liebe. Und weltpolitisch ist das trotz allem die wichtigste Wahl. Amerika ist nach wie vor Weltmacht Nummer 1. Für uns Österreicher der zweitgrößte Handelspartner, also hängen viele Arbeitsplätze bei uns an dem, was Amerika macht“, fasst Florian Danner sein Interesse für die vereinigten Staaten zusammen.

Umgang mit der Pandemie

Jeder der fünf Wahlkämpfe, die er miterlebt hat, war etwas ganz eigenes, diesmal durch den sehr ungewöhnlichen Präsidenten natürlich besonders. Was ihn sehr beeindruckt hat, war, wie viel disziplinierter die allermeisten Amerikaner mit der Pandemiesituation umgehen. „Sobald man jemandem am Gehsteig begegnet, trägt man Maske – auch wenn man nur kurz vorbeigeht. In New York genauso wie in kleinen Orten im weiten Land von Pennsylvania zum Beispiel“, erzählt er. Selbst bei den Trump-Reden, wo das Filmteam war, sei das so gewesen.

„Natürlich zeigen die Medien die Leute, die keine Maske tragen. Aber auch dort hat die eindeutige Mehrheit Maske getragen. In den USA gab es einfach im Frühsommer so viele Tote, dass die Menschen viel sensibilisierter sind. Dort gilt auch kein Babyelefant, sondern ein Tiger als Mindestabstand: 6 Feet, also knapp zwei Meter - deutlich mehr als bei uns“, so Danner. Eines haben alle Eltern, mit denen er gesprochen hat, gemeinsam – egal ob Trump- oder Biden-Wähler: Das Homeschooling ihrer Kinder geht ihnen so richtig auf die Nerven.

„Ich habe den Umfragen nicht getraut.“ Florian Danner

Viele Schulen sind in den USA seit April durchgehend zu und auch bis mindestens Dezember im Lockdown. Überhaupt ist aber das Bewusstsein für die Pandemie nach Danners Gefühl in den USA größer als bei uns.

Ein Tiefschlag war die Ankunft beim Weißen Haus in Washington: Florian Danner ging die letzten Meter, der Kameramann wartete im Präsidentenpark auf ihn und filmte Ankunft gefilmt. „Und dann hat er die Kamera abgedreht und mir gesagt, dass vor zehn Minuten in Wien Schüsse gefallen sind. Da waren die 467 Kilometer, die ich gerade beendet habe, recht schnell vergessen und ich habe sofort meine Frau angerufen, die zum Glück mit den Kindern daheim in Eichgraben war, hab‘ Freunden gewhatsappt, die ich in der Innenstadt vermutet habe. Und dann hab ich den Fehler gemacht und in den sozialen Medien mitgelesen, was Menschen teilweise für Falschmeldungen gepostet haben, weil ich in den USA keine österreichischen TV-Sendungen schauen konnte.“ Dadurch habe sich der „Zieleinlauf“ nach zwei Wochen Wandern recht klein und unbedeutend angefühlt im Vergleich zu dem, was gerade in Österreich passierte, erzählt der Moderator noch sichtlich betroffen.

Was die Präsidentenwahl betrifft, hat Florian Danner den Umfragen nicht getraut. Bei ihm hat sich gleich nach zwei, drei Tagen auf Wanderschaft und den ersten Begegnungen das Gefühl breitgemacht, dass es dieser haushohe Sieg von Joe Biden, den Umfragen angedeutet haben, eher nicht werden wird. Das war natürlich immer nur ein Bauchgefühl, aber er ist recht schnell auch in einer so liberalen Stadt wie New York Trump-Anhängern begegnet.

„Man muss die Touristen-Hochburgen verlassen und in die Wohngegenden zum Beispiel auf Staten Island. In Pennsylvania, diesem extrem umkämpften Bundesstaat, war ich fast eine Woche lang unterwegs - da war es tatsächlich komplett geteilt“, erinnert er sich. Und das ist auch sichtbar, weil es in den USA üblich ist, das Werbeschild des Lieblingskandidaten in den Vorgarten oder ins Fenster zu stellen. Danner fand es aber schön, zu sehen, wie Nachbarn trotzdem ganz normal miteinander reden können, auch wenn sie unterschiedliche politische Meinungen haben. Die Amerikaner sagen da gern „It’s just politics“ – es ist nur Politik.

Florian Danner hat Joe Biden vor einigen Jahren zwei Mal getroffen. 2008 in Denver, als er noch Senator war und schon Präsident werden wollte. Damals hat er sich gewundert, warum er mit ihm als Österreicher tatsächlich mehr als nur drei Worte wechselte, auch wenn keine Wählerstimme zu erwarten war. „Und 2016 habe ich für den großen US-Sender NBC gearbeitet, da hab‘ ich Biden von vielen Metern Entfernung eine Frage zugerufen und er ist dann hergekommen und hat ein paar Fragen vor der Kamera beantwortet. Das ist nicht ganz üblich für einen amtierenden Vizepräsidenten, der jeder Reporterfrage im heiklen Wahlkampf eher aus dem Weg geht“, berichtet Danner.

Donald Trump ist er auch vor vier Jahren ein paar Mal begegnet, aber nie so nah. Nur seine Tochter Ivanka, die ja eine seiner engsten Beraterinnen ist, hat er zwei Mal interviewt. „Sie kennt übrigens Österreich und weiß auch über die politische Situation und die ungewöhnliche türkis-grüne Regierung bei uns Bescheid, hat mir der US-Botschafter vor kurzem erzählt. Auch das ist nicht ganz üblich für eine Präsidententochter“, fasst er das Treffen zusammen. Der Eichgrabener kann sich durchaus vorstellen, dass die Medienberichte stimmen, wonach sie ihrem Vater sehr dazu rät, das Wahlergebnis anzuerkennen.

„Meine Frau ist da einfach eine Heldin und schupfte alles daheim mit den zwei Burschen"

Nun ist Florian Danner sehr froh, wieder daheim zu sein. „Meine Frau ist da einfach eine Heldin und schupfte alles daheim mit den zwei Burschen. Sie war in den Herbstferien mit den Kindern ein paar Tage im Salzburger Land im ersten Schnee von Saalbach - wir sind ja einfach alle große Winterfans.“

Achtjähriger Sohn voll im Bilde

Während seiner Abwesenheit hat die Familie jeden Tag zwei Mal videotelefoniert - am Ende hat der ältere Sohn mit seinen acht Jahren ihm schon erklärt, wie viele Wahlmännerstimmen Biden gerade vorne liegt. „Sie sind da also auch reingekippt, weil sie im letzten Wahlkampf vor vier Jahren selbst auch drei Monate mit in den USA waren und einen Bezug zu diesem Land haben“, erzählt der Papa stolz.

Der Lieblingssport der Danners muss noch ein wenig warten. Skispringen mit den Wiener Stadtadlern ist wie so vieles in der Corona-Warteschleife. Theo und Noah sind dafür viel mit dem Mountainbike im Wienerwald unterwegs. „Die Ski sind aber gewachselt. Wenn wir uns als Familie vom Christkind was wünschen dürften, dann wäre es, dass die Skigebiete heuer aufsperren dürfen oder dass es auch in Eichgraben einen richtig schneereichen Winter gibt – auch wenn mich die Burschen vom Eichgrabener Winterdienst dafür verfluchen werden“, zeigt sich Florian Danner hoffnungsvoll.