Kritische Gespräche im Wirtshaus. Richter Oliver Scheiber beantwortete Fragen von Falter-Chefredakteur Florian Klenk. Besucher diskutierten mit.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 24. Februar 2018 (05:53)
NOEN, Stoiser
Stephan und Elfriede Bruckmeier (hinten), Oliver Scheiber und Florian Klenk (r.) bei ihrem Wirtshausgespräch.

Den Fragen „Wieviel Strafrecht braucht die Politik? Und wie viel Politik verträgt das Strafrecht?“ gingen der Chefredakteur des Falters, Florian Klenk, und der Richter und Publizist Oliver Scheiber beim Wirtshausgespräch am Samstag in der alten Gaststube in der Galerie des Vereins für Kunst und Kultur nach. Stephan und Elfriede Bruckmeier konnten viele interessierte Gäste begrüßen.

Grasser, Fake-News, NS-Liederbetätigung und Hass im Netz: Florian Klenk diskutierte mit Oliver Scheiber über die Gerichtsbarkeit einst und jetzt, über ältere und neuere Fälle und die aktuellen Pläne der neuen Regierung. Souverän beantwortete der Vorsteher des Bezirksgerichts Meidling die Fragen des kritischen Falter-Chefredakteurs.

„Österreich war noch nie so sicher wie heute“

Diskutiert wurde der Umstand, dass kleinere Delikte schneller und öfter vor Gericht enden als etwa Delikte aus der Wirtschaftskriminalität. Dass manche Fälle aus Politik, Wirtschaft und Sport bei vielen Menschen nicht so schwer wiegen, aber der „kleine Dieb“ in den sozialen Netzwerken oft wenig Mitleid bekommt, ortet Scheibner als gesellschaftliches Problem. „Österreich war noch nie so sicher wie heute“, ist er überzeugt. Josef Drs – einer der Diskussionsteilnehmer – widersprach dieser Aussage heftig.

Zur Sprache kamen auch der Alltag im Gericht und die Frage, ob ein Richter Mitleid mit dem Angeklagten haben darf.

Der Abend in der Galerie, einem der schönsten und letzten Jugendstil-Wirtshäuser an der Westbahn, ging mit Schmalzbrot und Wein zu Ende.