Nadel, Faden, Fingerhut. Knochennadeln, Spinnrad, Nähmaschine und Webstuhl sind zu besichtigen, es geht um Färben, Stricken und Häkeln.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 14. Mai 2015 (06:35)
NOEN, Stoiser
Gabriele Hochkircher, Astrid und Johannes Tamas, Vizebürgermeisterin Elisabeth Götze, Maria Reisinger-Loho, Traude Gessner, Gertrud Brauner-Baumgartner, Günther Puffer und Bürgermeister Martin Michalitsch bei der Ausstellungseröffnung (v. l.).

„Die Idee zu dieser Ausstellung geht bis in meine Kindheit zurück“, berichtet Gertrud Brauner-Baumgartner bei der Eröffnung der Ausstellung „Nadel, Faden, Fingerhut“ im Eichgrabener Fuhrwerkerhaus. Die Zeitreise beginnt in der Altsteinzeit, wie Funde von Knochennadeln bezeugen. Der Vorgänger der Knochennadel ist der Pfriem, mit dem man Löcher in Tierfelle gestochen hat, um sie mit Tiersehnen zusammenzufügen. Diese beiden Werkzeuge stehen am Beginn der textilen Kulturgeschichte der Menschheit.

Steinzeitmenschen haben sowohl tierisches Material als auch Gewebe aus Pflanzenfasern zu Kleidung verarbeitet. Die Sonderausstellung „Nadel, Faden, Fingerhut“ zeigt, wie aus der Notwendigkeit, sich durch Kleidung vor Kälte und Witterung zu schützen, eine kulturelle Entwicklung in Gang gesetzt wurde, aus der zahlreiche Berufe hervor gegangen sind. Sie befasst sich mit verschiedenen Fasern und dem daraus hergestellten Gewebe und den zur Weiterverarbeitung notwendigen technischen Geräten, wie Spindel, Spinnrad, Nähmaschine oder Webstuhl.

Notwendigkeit und Zeitvertreib

Der Bogen spannt sich vom Nähen von Bekleidung und Wäsche im Familienhaushalt über die Lohnarbeit der Stör-Näherin bis zum Schneider. Vom Nähen als Notwendigkeit bis zum Sticken als künstlerisches Gestaltungsmittel oder zum Zeitvertreib der feinen Damen.

Der Gewinnung und Verarbeitung der Schafwolle, vom Waschen, Kardieren, Färben und Spinnen bis zum Stricken und Häkeln wird ebenso Rechnung getragen wie verschiedenen anderen Handarbeitstechniken, für die heute eine vielfältige Palette an Materialien und Anleitungen zur Verfügung stehen. „Ein Anliegen der Sonderausstellung des FVV ist, die Zusammenhänge aufzuzeigen und das Verständnis für den Stellenwert zu wecken, der der Arbeit mit unseren Händen zustehen sollte“, so Brauner-Baumgartner.

Im Rahmen der Sonderausstellung werden für Gruppen und Schulklassen Führungen angeboten, die auf Wunsch mit Workshops zum Ausstellungsthema kombiniert werden können. Die Eröffnung wurde von der Musikschule musikalisch umrahmt. Die Sonderausstellung ist bis 16. August geöffnet.