Trotz Corona Briefe von der Post geholt. Mann (46) kassiert Haftstrafe wegen Drohung und Missachtung der Ausgangssperre.

Von Beate Riedl. Erstellt am 28. Januar 2021 (09:55)
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„Unsere Gespräche waren immer sehr emotional. Aber es kann schon sein, dass ich ihr Angst machen wollte“, sagt ein Pole (46) am Landesgericht St. Pölten. Ihm wird gefährliche Drohung gegenüber seiner Ex-Frau am Telefon im November des Vorjahres vorgeworfen. Gemeint habe er es aber nicht so. „Ich bin nicht gewalttätig“, sagt er.

Doch es gibt noch einen weiteren Vorwurf: Nach einem lautstarken Streit mit seinem Vater soll er – obwohl er aufgrund einer Corona-Infektion einen aufrechten Absonderungsbescheid hatte – seine Wohnung in St. Pölten verlassen haben, um einkaufen zu gehen, wie er selbst sagt. Unter anderem machte er sich auf den Weg zur Post nach Eichgraben, um von dort Briefe abzuholen.

Sein Sohn (13), der das alles mitbekommen hatte, machte sich Sorgen und rief einen Freund an, der „nach reiflicher Überlegung“ die Polizei anrief. Diese fuhr schließlich zu dem 46-Jährigen, der mittlerweile wieder zu Hause war. Doch bei der Kontrolle soll er immer wieder die Maske abgenommen und behauptet haben, dass er kein Corona hätte.

„Ich kann mich nicht mehr erinnern, dass ich das gesagt habe“, so der 46-Jährige vor Gericht. Er macht auf seine emotionale Ausnahmesituation aufmerksam. „An diesem Tag habe ich erfahren, dass meine Ex-Frau unser Hab und Gut auf Willhaben verkauft. Ich war schockiert und enttäuscht.“

Das reumütige Geständnis wertet der Richter als Milderungsgrund. Dass es sich um drei Vergehen – gefährliche Drohung, Verlassen des Hauses trotz Absonderungsbescheid und Gefährdung der Polizisten durch Covid 19 – handelte, nennt er als erschwerend.

Zwei Monate muss der Angeklagte in Haft. Ein Monat hat er bereits abgesessen. Zehn Monate sind zur Bewährung mit einer Probezeit von drei Jahren ausgesetzt.

Seine Ex-Frau gibt sich mit 150 Euro Schadensersatz – für die seelische Belastung – zufrieden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.