Nähmaschinen rattern jetzt im Wienerwald. Profis und Hobbynäherinnen fertigen aus bunten Stoffen waschbare Schutzmasken an.

Von Andrea Stoiser und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 08. April 2020 (04:32)
Julia Cranz setzt auf stylische Masken.
privat/

„Wir sind regelrecht überfallen worden“, berichtet Andrea Westermayer über die große Nachfrage, nachdem bekannt wurde, dass Schutzmasken beim Einkaufen Pflicht werden. Westermayer betreibt in Neulengbach eine Schneiderei und ein Geschäft für Stoffe, Nähzubehör und Nähmaschinen. Sie selbst näht momentan jede Menge Masken für ihre Kunden.

„Außerdem gibt es viele Hobbynäherinnen, die Stoffe kaufen und selbst nähen“, berichtet die Unternehmerin. Der Verkauf erfolge natürlich kontaktlos, betont sie. Gummiband sei so gut wie ausverkauft in Österreich, denn es komme hauptsächlich aus Spanien.

„In Österreich gibt es auch einige Produzenten, aber die arbeiten in Kurzarbeit“, weiß Westermayer. Sie ist jedenfalls froh, dass sie mit ihrem Kleinunternehmen in Zeiten der Krise etwas tun kann: „Ich bedanke mich bei all meinen lieben Kunden, die mich in der schwierigen Zeit so kräftig unterstützen.“

„Wir sind regelrecht überfallen worden“

Das Schneiderhandwerk erlebt einen regelrechten Boom, das stellt auch Margarete Frasl fest: „Nachdem der Schutzmaskenplan der Regierung am Mittwoch verkündet wurde, ging es Schlag auf Schlag. Seitdem sitze ich täglich zehn bis zwölf Stunden vor der Nähmaschine“, erzählt die Neulengbacher Schneiderin. Der Run auf Stoffmasken ist groß. Die Masken sind waschbar und daher wiederverwendbar.

„Das ist ein unverhoffter positiver Aspekt der Krise. Wir Schneiderinnen haben jetzt eine Umsatzgrundlage, die andere nicht haben“, meint Frasl. Stoffe, Nasenbügel und Gummibänder hat sie zum Glück ausreichend zu Hause. „Wenn man jetzt bestellen müsste, sind lange Lieferzeiten zu erwarten“, ist sie überzeugt. Aufgrund der enormen Nachfrage kann Margarete Frasl derzeit Sonderwünsche nicht erfüllen. „Die Kunden verstehen das aber und sind sehr dankbar. Ich mache nur positive Erfahrungen“, sagt die Schneiderin. Die Masken werden von den Kunden direkt abgeholt. Die Familie Frasl hat dafür eigens eine Abholstation in der Tullner Straße eingerichtet.

„Gummiband ist quasi ausverkauft in Österreich.“ Schneidermeisterin Andrea Westermayer

Auch die Eichgrabenerin Julia Cranz kann sich zur Zeit vor Bestellungen kaum noch retten und ist auf der Suche nach Schneiderinnen, die sie unterstützen.

Die Hutmacherin, die schon für Shootings und fürs Theater Mundschutz-Kreationen gefertigt hat, hat vor drei Wochen begonnen Nasen-Mund-Schutze zu kreieren.

Mitbekommen, was sich in Italien abspielt

„Da ich im Jänner noch in unserem Atelier in Italien war und mitbekommen habe, was sich dort abspielt, habe ich damit gerechnet, dass wir in Österreich bald eine ähnliche Situation haben werden“, erzählt Julia Cranz. Sie arbeitet mit der Stoffdesignerin Fanny Abrari zusammen, die ihr ausdrucksstarke Stoffe für ihre Kreationen liefert. „Weil Masken nicht nur schützen, sondern auch stylisch sein dürfen“, ist die Designerin überzeugt. Die beiden Jungunternehmerinnen stellen ihre Mund-Nasen-Schutz-Kreationen auch Obdachlosen zur Verfügung. Und die Hälfte des Erlöses geht an die Caritas. „Ich sehe das als positive Message in dieser schwierigen Zeit.“ Julia Cranz verkauft die Masken online oder per Abholstation im Eichgrabener Lädchen.

Umfrage beendet

  • Lockerung der Maßnahmen - habt ihr Angst vor einer zweiten Infektionswelle?