Ermittlungen in Richtung Entführung nach Leichenfund. Nach dem Fund von Leichenteilen am Samstagnachmittag beim Wienerwaldsee bei Tullnerbach (Bezirk Wien-Umgebung) hat die Polizei die Identität des Mannes geklärt und Ermittlungen in Richtung Entführung aufgenommen.

Erstellt am 10. Juli 2012 (11:20)
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Nach dem Fund des zerstückelten Wiener Gebrauchtwagenhändlers Milos N. am Wienerwaldsee ist die Polizei in ihren Ermittlungen nun ein Stück weitergekommen: Am Montagabend entdeckten die Ermittler nach einem gegen 19.00 Uhr eingegangenen Hinweis den Wagen des Ermordeten in Wien-Penzing. Wo genau der schwarze Mercedes E 220 CDI abgestellt war, wollte Polizeisprecherin Regina Steyrer am Dienstag zunächst nicht bekanntgeben. Die Untersuchungen am Fundort seien noch nicht abgeschlossen, sagte sie.

Der Tote war am Samstagnachmittag beim Wienerwaldsee bei Tullnerbach (Wien-Umgebung) gefunden worden. Die Obduktion der stark verwesten Leichenteile ergab, dass der Tote erschlagen worden war. Nachdem klar geworden war, dass es sich um den seit 2. Juli abgängigen Milos N. handelte, gingen die Ermittlungen schnell in Richtung Entführung. Der aus Serbien stammende 55-Jährige wurde zuletzt an jenem Tag lebend gesehen.

Der Sohn sagte aus, am Mittwoch von einem Unbekannten angerufen worden zu sein. Der Mann am anderen Ende der Leitung behauptete, den 55-Jährigen in seiner Gewalt zu haben. Er forderte 50.000 Euro für die Freilassung. Es kam aber zu keinem weiteren Kontakt mit dem Entführer.

In ihren Ermittlungen steht die Polizei noch ziemlich am Anfang. "Es ist noch alles offen", sagte Steyrer. Das Opfer war bisher nicht polizeibekannt. Es lebte mit seiner Familie in der Taborstraße in der Leopoldstadt. Den Autohandel betrieb Milos N. - entgegen anderer Informationen - nicht in der Brigittenau, sondern in Döbling. Dementsprechend hatte es auch nichts mit einem an der ursprünglich vermuteten Adresse des Geschäfts firmierenden Bordellbetrieb zu tun. Eine Rotlichtfehde als Hintergrund dürfte damit eher ausscheiden.

Einen Mafia-Hintergrund gebe es wohl eher nicht, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Obwohl auch das nicht ganz auszuschließen sein dürfte: Ein anderer aus Serbien stammender Autohändler berichtete der APA, dass sein Vater in der früheren Heimat von einem Schutzgelderpresser angerufen worden sei. Der Mann habe damals 10.000 D-Mark (5.113 Euro) verlangt. Sein Vater habe sich aber nicht erpressen lassen, man habe nie wieder etwas von dem Mann gehört. In Österreich seien ihm ähnliche Dinge aber nie passiert, sagte der Mann.

Mit einem ähnlich gelagerten Mordfall vom April dieses Jahres dürfte die Tötung von Milos N. wohl in keinem Zusammenhang stehen, weil in jenem Fall ein Verdächtiger bereits in Untersuchungshaft sitzt. Doch die Parallelen sind verblüffend: Auch damals war die verstümmelte Leiche eines aus Serbien stammenden Autohändlers bei Gablitz im Wienerwald gefunden worden. Das Motiv in jenem Fall ist bisher offen.