Region Wienerwald: Hoffen auf stabiles Wetter. Der Regen hat der Landwirtschaft gut getan, Ertragseinbußen wird es aber geben.

Von Renate Hinterndorfer, Birgit Kindler und Christine Hell. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:45)
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Franz Langstadlinger ist mit Leib und Seele Landwirt. Auch wenn die Herausforderungen immer größer werden: „Es wird nicht leichter, aber damit muss man sich abfinden“, sagt der Asperhofener. Er hat im elterlichen Betrieb zu arbeiten begonnen und vor über 20 Jahren die Landwirtschaft übernommen.

„Insgesamt ist die Lage nicht so schlecht wie wir gedacht haben. Jetzt brauchen wir halt gutes Wetter, vor allem Wärme

Wie schaut es heuer nach der langen Trockenheit und dem folgenden starken Regen in der Region Wienerwald auf den Feldern aus? „Der Regen war sehr gut für Zuckerrüben, Mais und Kürbis. Auch für den Weizen hat er noch viel geholfen“, fasst Franz Langstadlinger zusammen. Teilweise ist der Regen aber zu spät gekommen, da wird es beim Getreide weniger Ertrag geben. „Insgesamt ist die Lage nicht so schlecht wie wir gedacht haben. Jetzt brauchen wir halt gutes Wetter, vor allem Wärme“, hofft der Asperhofener auf beständiges Sommerwetter. Er selbst baut Mais, Wintergerste, Weizen und Feldfrüchte an und hat auch Wiesen. Die klimatischen Veränderungen führen zu Umstellungen in der Landwirtschaft: „Sommergerste wird nicht mehr so viel angebaut, weil das Wetter nicht mehr passt. Da fehlt die Winterfeuchte und im Frühjahr ist es auch oft zu trocken“, erklärt Langstadlinger. Besser sei es, Wintergerste im Herbst anzubauen. Beim Mais müsse man sehr auf die Fruchtfolge aufpassen, um Schädlinge hintanzuhalten. Mit dem Zuckerrübenanbau hat der Landwirt aufgehört, nächstes Jahr möchte er Soja anbauen.

Auch Johann und Veronika Wagner waren viele Jahre in der Landwirtschaft tätig, jetzt haben sie ihren Betrieb in St. Christophen an Tochter Verena übergeben. Am Wachsen und Gedeihen der Feldfrucht sind sie nach wie vor interessiert. „Weizen und Wintergerste schauen gut aus“, sagt der Pensionist und er meint, dass die Ernte der Wintergerste schon kurz bevorsteht: „Der Drusch kann bereits diese Woche oder spätestens nächste Woche erfolgen.“

Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Kaiblinger fasst die Situation für den ganzen Bezirk so zusammen: „Der Starkregen der vergangenen Woche hat vor allem kleinregional Schäden angerichtet, beispielsweise in Wimpassing und Sierning. Der Regen war für die Landwirtschaft großteils noch keine Tragik, allerdings kam es im Gemüse- und Obstbau zu Ernteproblemen. Für Wintergerste, Raps und Weizen ist er allerdings zu spät gekommen, diese Früchte werden ja schon in den nächsten Wochen geerntet.“ Hier müssen die Landwirte mit Ertragseinbußen rechnen. Kaiblinger geht von einem Viertel weniger aus. Für die Ernte wäre es jetzt eine Erleichterung, wenn die Böden wieder trockener werden.

Regen war auch für den Wald gut

Anton Kaiblinger hält fest, dass vor allem auch dem Wald der Niederschlag gutgetan hat: „Wir hoffen, dass sich der Borkenkäfer dadurch nicht so stark vermehrt. Der Rübenrüsselkäfer ist kein Thema mehr.“ Wie für die Herbstfrüchte wie Mais die Ernte aussehen wird, kann noch nicht gesagt werden. Derzeit schaut es nicht schlecht aus. Aber wenn der August extrem heiß wird, würde sich das negativ auswirken, so Kaiblinger.

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