Doula begleitet bei der Geburt. Die Eichgrabenerin Simone Grech, selbst Mutter von acht Kindern, steht werdenden Müttern zur Seite. Neun Mal war sie heuer im Einsatz.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 12. Dezember 2020 (03:01)
Simone Grech begleitete als Doula auch ihre Tochter Hanna.
Privat

Eine eher ungewöhnliche Tätigkeit übt die achtfache Mutter und vierfache Großmutter Simone Grech aus Eichgraben aus – sie ist eine Doula.

Das Wort Doula stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet die dienende und schützende Begleiterin. Aufgrund ihres Erfahrungsschatzes sowie einer speziellen Ausbildung verfügt eine Doula über die Kompetenz, werdende Mütter auf ihrem Weg in einen neuen Lebensabschnitt zu begleiten. „Ich wollte eigentlich Hebamme werden, hab‘ aber dann selber so viele Kinder bekommen. Dann war ich zu alt, denn die Hebammenausbildung ist begrenzt mit 38 Jahren“, erzählt Simone Grech. Nachdem sie zwischen den Kindern eine Ausbildung zur Kosmetikerin machte, hat sie sich dann entschieden, Religionspädagogin zu werden. Sie unterrichtet an der Schule in Eichgraben.

„Wenn der Anruf kommt, muss ich weg.“ Simone Grech

Dann hat sie erfahren, dass es Doulas gibt. „Da habe ich mir gedacht, etwas Besseres kann mir nicht passieren, dass ich mit meinem Erfahrungsschatz aus den eigenen Geburten anderen Frauen dabei helfen kann, sie durch diese wunderbare, aber sehr intensive Phase der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett zu begleiten“, erinnert sie sich.

Die Ausbildung zur Doula, die der Verein Doulas in Austria in der Steiermark anbietet, ist keine medizinische Ausbildung. Es handelt sich auch nicht um eine Beratungstätigkeit, sondern nur um Begleitung. Doulas bieten ihren Dienst immer zusätzlich zur fachlichen Begleitung durch Hebammen und medizinisches Fachpersonal an. Die Mütter lernen, darauf zu vertrauen, dass ihr Körper eine natürliche Geburt schafft. „In meinem Leben habe ich gelernt, die Freude und das Glück zu leben und zu zelebrieren, den Schmerz anzunehmen und die Trauer zu integrieren. Dadurch kann ich gestärkt als Doula den Dienst an der Frau und der Familie leben“, beschreibt Simone Grech ihre Motivation.

Im heurigen Jahr durfte die Eichgrabenerin neun Geburten begleiten. „Bis jetzt haben alle Babys auf mich Rücksicht genommen. Kein einziges Baby ist während meines Unterrichtes gekommen“, lacht Simone Grech. Ihre große Familie trägt ihre Entscheidung, als Doula zu arbeiten zu 100 Prozent mit. „Das war Voraussetzung, denn ich muss 14 Tage vor und nach der Geburt Tag und Nacht rufbereit sein. Wenn der Anruf kommt, muss ich weg“, so Grech.

„Bis jetzt haben alle Babys auf mich Rücksicht genommen. Kein einziges Baby ist während meines Unterrichtes gekommen“

Neben der Geburtsbegleitung bietet sie auch ein Schwangerenfrühstück und Geburtsgeschichtenkreise an. „Jeder hat seine Geburtsgeschichte und die Geburtsgeschichte prägt unser ganzes Leben. Umso harmonischer und selbstbestimmter eine Geburt ist, desto selbstbestimmter geht das Kind dann durch das Leben. Die Aufarbeitung ist wichtig, denn jedes Mal, wenn man seine Geburtsgeschichte erzählt, heilt es uns“, erzählt die Doula. Im Moment finden diese Veranstaltungen coronabedingt nicht statt. Und als wäre sie mit ihren zwei Berufen als Religionslehrerin und Doula noch nicht ausgelastet, macht sie nun auch eine Ausbildung zur ganzheitlichen Wegbegleiterin. Nebenbei sitzt sie seit Kurzem auch ehrenamtlich am Sorgentelefon der Gemeinde. Und all das macht sie gerne und mit voller Überzeugung. www.doulasimone.at.