Region Wienerwald: Bäume, Pools und viel Gemüse. Pandemie hat für Umdenken gesorgt: Hochbeete, Schwimmteiche und Pflanzen sind der Renner.

Von Renate Hinterndorfer, Andrea Stoiser und Christine Hell. Erstellt am 31. März 2021 (04:05)
NOEN, Stoiser

„Corona hat schon vieles verändert“, resümiert Andreas Bauer. Der Besitzer der gleichnamigen Baumschule und Gartengestaltung in St. Christophen berichtet, dass Obstbäume im Vorjahr nahezu ausverkauft waren. Besonders Apfelbäume und Marillenbäume waren sehr gefragt. „Die Eigenversorgung mit Obst ist plötzlich sehr wichtig geworden“, stellt der Unternehmer fest. Um sich auch mit Gemüse selbst versorgen zu können, seien auch die Hochbeete im eigenen Garten zum Renner geworden, berichtet Bauer, „Viele solcher neuer Hochbeetbesitzer sind dann zu uns gekommen, um sich mit Kompost-Humuserde in großen Mengen einzudecken.“

Durchs „Garteln“ mehr mit Natur verbunden

Es sei ganz gut, dass die Menschen durch das Garteln wieder mehr mit der Natur vertraut werden, sagt Andreas Bauer, „sie lernen dabei viel und sie sehen, welche Tücken und Erschwernisse die Natur bereit hat.“ Von Schädlingen angefangen bis hin zur auch oft nicht so optimalen Witterung. Wer aber dann die erste Gurke oder den ersten Paradeiser aus dem eigenen Beet in Händen hält, weiß diese ganz besonders wertzuschätzen.

„Wer Geld für den Garten ausgibt, greift gern auf bessere Qualität zurück.“ Gärtner Michael Kraic Neulengbach

Und einen weiteren Trend im Bezug auf die Pandemie kann Andreas Bauer feststellen: „Pools und Naturbadeteiche im eigenen Garten waren im Vorjahr ganz besonders gefragt.“ Auch das schlug sich im Auftragswesen der Bauers zu Buche, denn die Gestaltung des Umfeldes lag in den Händen des St. Christophener Unternehmens: Schotterung, Anlegen von Wegen und die Gestaltung des Grünraumes rundherum mit verschiedenen Gräsern und Teichpflanzen sowie das Pflanzen von natürlichem Sichtschutz und Hecken. Und auch da gibt es einen Trend: Weg von den Thujen. Jetzt werden vermehrt Kirschlorbeer und Eiben eingesetzt. „Kirschlorbeer besticht durch sein sattgrünes, glänzendes Blattwerk, er wächst relativ rasch und ist jetzt auch schon gut frostsicher. Die Eibe ist zwar giftig, die kleinwüchsige Form stellt aber eine wunderbare Alternative zum Buxbaum dar. Der ist ja bekanntlich durch einen schlagkräftigen Schädling, den Zünsler, fast vollkommen aus unseren Gärten verschwunden.“

Dass die Leute wieder gern im Garten aktiv sind, stellt auch der Neulengbacher Gärtner Michael Kraic fest. Viele Hobbygärtner seien schon in den Startlöchern, und wer Geld für den Garten ausgibt, greife gern auf bessere Qualität zurück. Primeln, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Narzissen können jetzt schon gesetzt werden, auch Kräuter, Salat und Kohlpflanzen dürfen bereits hinaus. „Mit Tomaten und Paprika würde ich noch warten“, empfiehlt der Pflanzen-Experte. In der Gärtnerei Kraic werden viele Pflanzen selbst produziert. Beim Einkauf wird auf Regionalität geachtet: „Wir schauen dass wir bei den Pflanzen nicht einen ökologischen Fußabdruck von 1000 Kilometern haben“, betont Kraic.

Christiane Malecek: „Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Garten.“
Stoiser, Stoiser

Auch Christiane und Georg Malecek aus Eichgraben, die neben ihrem Hauptsitz auch noch zwei Blumengeschäfte in Maria Anzbach und am Wiener Westbahnhof betreiben, bemerkten schon im Vorjahr, dass die Leute mehr auf Selbstversorgung setzen und viele Gemüsepflanzen und auch Beerensträucher kaufen. „Es wird auch viel mehr darauf geachtet, ob Pflanzen von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und dergleichen bevorzugt werden“, zeigt sich Christiane Malecek erfreut. Aus ihrer Sicht wird die Anzahl der Menschen, die sich mit ihrem Garten beschäftigen definitiv mehr. „Viele Leute haben sich auch wieder darauf besonnen, im Ort beim Gärtner oder beim Floristen zu kaufen und nicht in die Supergartencenter zu pilgern“, erzählt sie weiter.

Georg und Christiane Malecek haben auch Tipps für die Hobbygärtner: „Ein sehr wichtiger Tipp wäre, der Verlockung ein wenig zu widerstehen und zu warten, bis es nicht mehr zu kalt wird. Gewisse Gemüsepflanzen werden kaputt, wenn die Temperatur dauerhaft unter zehn Grad fällt. Auch die Sommerblumen können im warmen Glashaus in der Gärtnerei besser wachsen als in der noch zu kühlen Luft.“

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