NÖN-Wahldiskussion in Neulengbach . Mit den Spitzenkandidaten für die Wahl wurde über wichtige Themen debattiert.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 21. Januar 2020 (04:03)
Renate Hinterndorfer (Mitte) diskutierte mit Petra Tauber (FPÖ), Mario Drapela (SPÖ), Sonja Koschina (NEOS), Franz Wohlmuth (ÖVP), Paul Mühlbauer (Grüne) und Alois Heiss (Liste Heiss) im Rathaussaal.
Kindler

In den Sitzungssaal des Rathauses lud die NÖN zur Wahldiskussion mit allen Spitzenkandidaten, moderiert wurde die Runde von NÖN-Redaktionsleiterin Renate Hinterndorfer. Vorweg wurde das vorherrschende Thema in Neulengbach angesprochen: die Abspaltung von Alois Heiss von der ÖVP. Grund dafür sei die Arbeitsweise im letzten halben Jahr gewesen, antwortete Heiss: „Es ist vorher noch nie ein Budget nicht besprochen worden. Wir haben immer Tage in der Fraktion dafür aufgewendet. Diesmal hat der Bürgermeister das Budget alleine gemacht.“

ÖVP-Bürgermeister Franz Wohlmuth wies auf das Miteinander hin und erinnerte daran, dass 90 Prozent der Beschlüsse in den vergangenen Jahren einstimmig gefallen sind. Er habe aber schon seit dem Sommer gemerkt, dass es Probleme geben würde. „Beim Fest zu ‚Gemeinsam Stadt geworden‘ wollte man sich nicht mehr gerne zum Bürgermeister stellen, das war keine einfache Zeit für mich.“

Welche Vorhaben haben die Spitzenkandidaten für die nächsten fünf Jahre? Da gibt es viele Übereinstimmungen. Den NEOS mit Sonja Koschina ist die Jugend ein besonderes Anliegen. Sie setzt sich für einen Treff für die Jugendlichen ein. Wichtig sind ihr auch Bürgerbeteiligung sowie die Einrichtung eines Bürgerforums und leistbarer Wohnraum für Jungfamilien.

Leistbaren Wohnraum für Junge will auch die SPÖ schaffen. „Ein Fachärztezentrum ist außerdem auch ein wesentlicher Punkt“, so Spitzenkandidat Mario Drapela.

Für Alois Heiss steht im Vordergrund, die Stadt weiter voranzubringen und den Kanal rasch auszubauen. Er könnte sich für Neulengbach ein Therapiezentrum mit ambulanter Therapie vorstellen.

Klimaschutz und Unterstufe

Paul Mühlbauer von den Grünen ist der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen. Er stellt sich vor, dass das E-Mobil stärker unterstützt wird. Auch der von den Grünen schon länger geforderte Ausbau der Radwege bleibt ein Thema.

Eine Unterstufe des Gymnasiums ist für Petra Tauber von der FPÖ eine Forderung. „Eine stärkere Belebung des Ortskerns ist auch dringend notwendig. Außerdem sollten Neuansiedelungen gefördert werden, und wir dürfen auch nicht auf die Senioren vergessen. Wir werden über ein weiteres Pflegeheim nachdenken müssen.“

„Gestalten, Bewahren, Entwickeln“ sind die drei Schlagwörter der ÖVP. Spitzenkandidat Franz Wohlmuth will den Kanalausbau in den Katastralgemeinden vorantreiben und die Raumordnung überarbeiten. „Großvolumiger Wohnbau in Zentrumsnähe und die restlichen Bauten in den Ortschaften“, so Wohlmuth.

Das vor der Wahl 2015 angedachte Blaulichtzentrum ist bei den Parteien kein Thema mehr. Synergien für Rettung und Feuerwehr sah Sonja Koschina von den NEOS – ebenso wie Mühlbauer von den Grünen. „Allerdings ist es schwierig, zwei Parteien zu vereinen. Vielleicht sollte man das doch getrennt sehen“, meinte Koschina. Drapela könnte sich vorstellen, dass Schulungsräume gemeinsam genutzt werden. Für Heiss sind Rettung und Feuerwehr nicht vereinbar: „Beim Roten Kreuz spielt die Hygiene eine Rolle, bei der Feuerwehr die Schnelligkeit.“ Tauber will die Entscheidung den beiden Blaulichtorganisationen überlassen und für Wohlmuth ist die Planung der Rettungsstelle in Neulengbach ohnehin schon zu weit fortgeschritten. „Die Umsetzung ist für 2021/2022 geplant. Hier sind ja auch andere Gemeinden beteiligt“, gab Wohlmuth zu bedenken.

Ein „Dauerbrenner“ in Neulengbach ist das Thema Schule und eine Unterstufe für das Gymnasium. Franz Wohlmuth wies darauf hin, dass man schon sehr weit war, „dann ist uns die Regierung abhanden gekommen“. Petra Tauber sah Handlungsbedarf und mehr Mut forderte Sonja Koschina: „Ich erhoffe mir, dass mehr Druck gemacht wird.“ Für Mario Drapela und Paul Mühlbauer ist es wichtig, dass vorher Volksschule und Kindergarten auf Schiene gebracht werden. Alois Heiss könnte sich neben dem Schulausbau auch eine Fachhochschule vorstellen: „Beispielsweise auf dem Rehau-Areal.“

Stadtkernbelebung als brisantes Thema

Zurückhaltend gaben sich einige Parteien zum Thema Stadtkernbelebung. „Wir haben ausgemacht, dass dieses Thema im Wahlkampf ausgespart wird. Daran haben sich die Parteien auch gehalten. Denn so wird nur mehr Porzellan zerschlagen“, ist Heiss überzeugt. Anders sieht das Sonja Koschina: „Wir haben uns nicht verpflichtet, dieses Thema im Wahlkampf auszusparen. Es ist schon fünf nach zwölf - vielleicht sogar schon halb danach. Wir müssen mehr Mut haben, zu gestalten.“ Beispielsweise könne man Jungunternehmer zu Beginn unterstützen.

Für Wohlmuth ist es wichtig das Flair zu bewahren und den Markt weiterzuentwickeln. Auch Schanigärten könnte er sich vorstellen. Drapela will „keine leeren Geschäftslokale bewahren“. Seiner Meinung nach wird es ein schwieriger Prozess: „Dieses Phänomen gibt es ja nicht nur in Neulengbach.“ Tauber könnte sich einen Wochenmarkt vorstellen, um Leute in die Stadt zu locken. Und die Grünen könnten sich eine Radoffensive sowie eine Begegnungszone vorstellen.

Das Wahrzeichen Neulengbachs – die Burg – war ebenfalls Thema. Wohlmuth will den Burgverein vorerst arbeiten lassen und ihm Zeit geben. Drapela will alle an einen Tisch holen und Koschina forderte „dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben“. Tauber könnte sich vorstellen, Rundwege mit Fotos um die Burg zu gestalten. „Dann öffnet sich die Burg zumindest vom Gefühl her.“

Heiss wies darauf hin, dass man Chancen erkennen soll, die Gemeinde diese aber nicht alleine stemmen könne. Auch Mühlbauer sah ein Riesenpotenzial in der Burg – allerdings ist es sehr kostspielig.