Blick zurück: Asperhofens Schwierige Fusion vor 50 Jahren

Erstellt am 15. Mai 2022 | 04:45
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8354039_wwa19ah_zusammenlegung_letzter_und_erst.jpg
Rudolf Teix war der letzte Asperhofener Bürgermeister vor der Zusammenlegung (links) der Gemeinden. Ihm folgte Michael Göschelbauer (rechts).
Foto: Topothek Asperhofen
1972 wurde aus Asperhofen, Grabensee und Johannesberg eine Großgemeinde. Die Verhandlungen vor der Zusammenlegung waren intensiv.
Werbung

50 Jahre ist es her, dass aus den Gemeinden Asperhofen, Grabensee und Johannesberg die Großgemeinde Asperhofen wurde.

„Der Bürgermeister hat es nicht einfach gehabt zu der Zeit“, erinnert sich der Zeitzeuge Josef Kugler an die damaligen Spannungen. Der 85-Jährige war früher Tischlermeister und 1972 im ersten Gemeinderat der Großgemeinde.

Die Bemühungen, die Zahl der vielen Kleingemeinden zu reduzieren, begannen in Niederösterreich in den 1960er Jahren. Der Gemeinderat von Asperhofen stimmte einer Zusammenlegung bereits 1970 einstimmig zu. Im Zuge dessen gab es auch die Idee, die Ortschaft Plankenberg einzugemeinden.

Sorge wegen wirtschaftlicher Nachteile

Ganz anders sah es in Grabensee aus: Schon im Juli 1970 sprach sich der dortige Gemeinderat geschlossen gegen die Eingemeindung aus. Man fürchtete wirtschaftliche Nachteile. Ein Jahr später hatte sich die Haltung der Mandatare nicht geändert.

„Eine zwangsweise Fusion, die die autonomen Rechte unserer Gemeinden antastet, wird wegen Verfassungswidrigkeit abgelehnt“, dokumentiert ein Protokoll aus der Zeit. Grabensee strebte sogar eine Beschwerde vor dem Verfassungsgerichtshof an.

Eine Klage wurde auch in Johannesberg angedacht. Allerdings stimmte der Gemeinderat im November 1971 mit neun zu drei Stimmen dagegen. Trotzdem standen die Mandatare der Fusion zuvor mehrheitlich kritisch gegenüber.

Als Gründe zählten sie etwa die Entfernung nach Asperhofen oder die eigene Volksschule sowie die eigene Pfarre auf. „Besonders im Winter ist beim Fehlen von Bundesstraßen ein Besuch bei Schneeverwehungen und Wintersperren nicht gegeben“, zeugt ein altes Sitzungsprotokoll von den Bedenken.

440_0008_8354038_wwa19ah_zusammenlegung_gemeindehaus_197.jpg
Das neue Gemeindeamt wurde im September 1972 eröffnet.
Foto: Foto Topothek Asperhofen

Die Vereinigung trat trotzdem mit 1. Jänner 1972 in Kraft. Im selben Jahr erhielt Asperhofen nicht nur ein neues Wappen, sondern feierte im September auch die Eröffnung des neuen Gemeindeamts. Hier befanden sich – neben der Amtsstube – die Post, die Mutterberatungsstelle und der Geräteraum der Freiwilligen Feuerwehr.

Der damalige Bezirkshauptmann Franz Schmidt deutete den Neubau als Beweis, „dass durch die Zusammenfassung kleinerer Gemeinden mehr für die Bevölkerung geleistet werden kann.“

Im Jahr darauf wurden die Befürchtungen der Johannesberger wahr und ihre Volksschule wurde aufgelöst. Stattdessen wurde das Gebäude zu einem Kindergarten umfunktioniert. „Da sind alle Kinder nach Johannesberg geführt worden“, erinnert sich Kugler, weil die Großgemeinde nur einen einzigen Kindergarten besaß.

Fünf Feuerwehren als Spannungspunkt

Gleichzeitig gab und gibt es im Gemeindegebiet Feuerwehren in Asperhofen, Dornberg-Geigelberg, Grabensee, Johannesberg und Siegersdorf. „Das war sicher eine der heißesten Kartoffeln: Kann sich die neue, zusammengelegte Gemeinde alle fünf leisten?“, mutmaßt der Topothekar Josef Noll.

50 Jahre später hat sich die Situation geändert. Die Unterscheidung in „drüben“ und „herüben“ hat sich zwar im Sprachgebrauch gehalten, ist laut Noll jedoch mittlerweile neckend gemeint. Seither sind viele Schul- und Kindergartenkinder zusammen aufgewachsen. „Die Stimmung ist in den nachfolgenden Generationen ganz anders“, folgert Kugler.

Weiterlesen nach der Werbung