Diebestour im „Urlaub“ in Neulengbach. Polen (21 und 26) stahlen unter anderem in Neulengbach Parfums. Couragierte Passanten stellten sie in Loosdorf. Es klickten die Handschellen. Richter verhängt Haftstrafe.

Von Beate Riedl. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:11)
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„Was wollten sie sich denn anschauen in Österreich, wollten sie etwa nach Salzburg fahren, oder vielleicht nach Zell am See?“, zeigt sich Richter Markus Grünberger verärgert über die fadenscheinigen Ausreden zweier Polen (21 und 26) am Landesgericht St. Pölten. Sie waren im August auf Diebestour in Niederösterreich und sitzen nun wegen gewerbsmäßiger Diebstähle auf der Anklagebank. „Wir wollten Urlaub in Österreich machen“, behaupten beide. Als ihnen während ihres Aufenthaltes das Geld ausgegangen sei, seien sie auf die Idee gekommen, stehlen zu gehen. In Drogeriemärkten in Wien, Herzogenburg, Loosdorf und Hainburg langten sie kräftig zu. Vorwiegend Parfums, elektrische Zahnbürsten und eine Badetasche im Wert von über 1.200 Euro ließen sie dort mitgehen. „Die Sachen wollten wir dann verkaufen“, geben sie dann doch noch kleinlaut zu.

Dem diebischen Treiben ein Ende gesetzt haben im Sommer couragierte Passanten nach einem Coup in Loosdorf. Ein Mann nahm die Verfolgung auf, ein weiterer kam zu Hilfe. Die beiden hielten einen der mutmaßlichen Diebe so lange fest, bis die Exekutive eintraf und ihn festnahm. Dabei griff der 21-Jährige zum Pfefferspray und setzte diesen auch zu seiner Verteidigung ein. Wenig später klickten auch für seinen Komplizen die Handschellen.

„Das ist Kriminaltourismus, Österreich ist doch kein Schlaraffenland, wo sich jeder selbst bedienen kann.“ Richter Markus Grünberger

„Das ist Kriminaltourismus, Österreich ist kein Schlaraffenland, wo sich jeder selbst bedienen kann“, ärgert sich der Richter. Letztendlich verhelfen das Geständnis, die Unbescholtenheit und der Plan der beiden, das Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, zu einer milderen Strafe.

Der 21-Jährige wird zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt, 12 Monate davon werden bedingt nachgesehen. Weil er einen Pfefferspray, also eine Waffe, benutzt habe und noch unter das Jugendgerichtsgesetz falle, sei die Strafe so zu bemessen, erklärt der Richter. Der 26-Jährige kommt mit 15 Monaten davon, zehn davon werden bedingt nachgesehen. Die Zeit in der U-Haft wird ihnen angerechnet. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, die beiden Polen nahmen das Urteil an.