Neulengbacher Handel & Frisöre: „Kunden sind glücklich“. Frisöre haben alle Hände voll zu tun, um nach der Coronapause alle Termine abzuarbeiten. Auch im Handel im Stadtzentrum tut sich wieder etwas.

Von Christine Hell. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:42)
Alexander Pfeffel freut sich über viele Kunden in seinem Uhren- und Schmuckfachgeschäft in Neulengbach.
Christine Hell

„Meine Kunden sind glücklich und sehr verständnisvoll, nach sieben Wochen Stillstand war der dringende Bedarf an Friseurleistungen einfach da“, berichtet Martina Feiertag zufrieden. Die Chefin von Fair-Hair hat am 2. Mai ihr Friseurgeschäft aufgesperrt.

Groß umbauen oder Sitze wegnehmen brauchte sie nicht, denn „wir arbeiten nur zu zweit und da geht sich alles mit der Kundenanzahl im Friseursalon aus.“ Termine seien schon im Vorfeld vereinbart worden, bis Ende Mai ist die Frisörin aus ausgebucht.“ 

Sicherheitsmaßnahmen: „Lustig ist es nicht“

Ganz genauso gefragt waren die Termine im Friseursalon Reiser: „Am ersten Tag war der große Run auf unser Geschäft, und das hält auch jetzt noch an“, berichtet Friseurmeisterin Daniela Schimatschek. Die nächsten zwei Wochen seien beinahe ausgebucht, erzählt sie, und das, obwohl die Geschäfts-Öffnungszeiten ausgeweitet worden sind. Neu ist, dass jetzt mit Terminkalender gearbeitet wird.

Änderungen gibt es auch im Inventar und in der Arbeitsweise: „Jeder zweite Sessel wurde herausgenommen, die Angestellten sind abwechselnd im Einsatz, Hände werden laufend desinfiziert und der Mundschutz ist obligat.“

Die Sicherheitsmaßnahmen erschweren die Arbeit natürlich: „Lustig ist es nicht. Dadurch, dass die Mimik durch die Maske nur eingeschränkt zu sehen ist, sieht man nicht, ob dem Kunden das Ergebnis gefällt. Auch die Haarlänge links und rechts zu vergleichen ist ungleich schwieriger.“

Aber nicht nur im Friseurwesen ist die Nachfrage groß, auch der Juwelier kann nicht klagen: „Einige haben Ostergeschenke im Nachhinein gekauft, viele Kunden waren um Muttertagspräsente da, vieles wurde zur Reparatur gebracht und viele reparierte Sachen wurden abgeholt“, schildert Alexander Pfeffel von den ersten Tagen bei offenen Geschäftstüren. Der Neulengbacher Juwelier und Uhrenexperte zeigt sich mit den Umsätzen nach der coronabedingten Schließung sehr zufrieden.

Überaus gefreut hätten sich ihre Kunden, wieder Schuhwerk kaufen zu können, schildert Martha Gruber und sie weiß auch warum: „Man brauchte oftmals nicht unbedingt etwas für die Füße, dafür aber etwas für die Seele. Und da ging man halt sofort Schuhe einkaufen.“

Frühlings- und Sommerschuhe, vor allem „im bequemeren Bereich“ waren stark gefragt, resümiert die Chefin des „Schuhkastls“. Etwas schwächer sei die Nachfrage nach elegantem Schuhwerk, weil die Festivitäten fehlen, weiß die Fachfrau. Sie hat ein Umdenken bei ihren Kunden bemerkt: „Sie sind bewusster geworden und wollen mehr in der Region einkaufen.“ Trotzdem fehle der Umsatz für einige Wochen, und sei der Verlust nicht mehr aufzuholen, weiß Gruber.

Georg Brutschy, Obmann der Aktiven Wirtschaft: „Einbußen sind zum Teil schwer.“
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Von zum Teil schweren Einbußen spricht auch der Obmann der Aktiven Wirtschaft Neulengbach. Das sei aber branchenmäßig ganz verschieden gewesen: „Ganz besonders hat es den Modebereich und die Gastwirtschaft getroffen, am wenigsten die Lebensmittelanbieter.“ Georg Brutschy sieht die Lage nicht rosig, hat aber trotzdem nicht die Sorge, dass jemand sein Geschäft im Neulengbacher Zentrum zusperren müsse: „Alle werden weitermachen, die Krise wird überstanden werden.“

Zeit zum Entschleunigen

Wie die Geschäftsinhaber die Wochen bei geschlossenem Geschäft verbracht haben? „Ich habe viele Reparaturen erledigt und das Geschäft auf Vordermann gebracht und auch ein bisschen die Freizeit genossen“, sagt Alexander Pfeffel.

Von Entspannung und Entschleunigung spricht Martha Gruber, „Einfach runter vom Gas. Und ich habe die Zeit ein wenig zum Umdenken genützt, wie viele andere auch.“ Man wisse ja nicht, wie alles noch werden wird, gibt sie sich nachdenklich und sie wartet mit einem weisen Spruch auf: „Die Klugen suchen in der Krise nach Lösungen, die Dummen nach Schuldigen.“