Die Tiere dürfen nur „sein“. Bei Gundula Höllerer führen Pferde, Hunde und Katzen ein glückliches Leben.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 07. November 2019 (16:37)

Die Sonne strahlt an diesem goldenen Herbsttag vom Himmel. Steil bergauf geht es zum Hof zu Gundula Höllerer in Laaben. Als Begrüßungskomitee wartet Pony Minni. Sie will Streicheleinheiten und verleiht dieser Forderung mit einem Stupser Nachdruck. Plötzlich kommt die kleine Zocki angerannt – auch sie will Aufmerksamkeit. Insgesamt 21 Pferde (inklusive Esel und Maultieren), neun Hunde, zehn Katzen, zwei Kühe, vier Schafe, sieben Ziegen, Gänse, Enten und eine Schildkröte leben auf 23 Hektar.

„Großteils sind es Tiere, die durchs System gefallen sind“, erzählt Gundula Höllerer. Zwei Noriker hat sie vor dem Fleischhacker gerettet, Hund Emil wurde als Welpe ausgesetzt, die Katzen sind großteils zugelaufen. „Mohrli war ein deutsches Reitpferd, das erfolgreich an Turnieren teilgenommen hat, aber mit acht Jahren ist er nicht mehr mitgekommen und hat aufgegeben“, berichtet die Laabnerin von den Schicksalen ihrer Tiere. Bei ihr dürfen sie einfach nur „sein“. „Ich erfreue mich an ihnen, sie werden hier leben, bis sie eines natürlichen Todes sterben“, sagt Höllerer.

Das Tier, das am längsten bei ihr lebt, ist Pferdi Lotschi. „Ich kenne ihn seit er auf dieser Welt ist. 26 Jahre bin ich mit ihm zusammen und es ist die schönste Beziehung in meinem Leben“, schwärmt die Laabnerin. Zweimal ist Lotschi schon mit ihr umgezogen, seit 13 Jahren ist der Hof in Laaben ihr zuhause. „Ich hab‘ es jetzt genauso, wie ich es mir immer erträumt habe. Aber nix is fix“, so Höllerer, die auch begeistert ist von der Nachbarschaftshilfe im Laabental. „Ich wurde immer unterstützt, auf allen meinen Höfen“, freut sie sich.

„Ich erfreue mich an ihnen, sie werden hier leben, bis sie eines natürlichen Todes sterben.“Gundula Höllerer

Dass die Laabnerin immer schon mit Tieren leben wollte, stand früh für sie fest. Mit nur 25 Jahren hat Höllerer ihren ersten Hof gepachtet und im Alter von sechs Jahren hat sie ihr erstes Tier – einen Hasen – bekommen, „und ich war mit meinem Großvater viel auf Bauernhöfen unterwegs. Mich fasziniert die Kommunikation zwischen Tieren untereinander und zwischen Mensch und Tier“. Sie sei gerne in der Natur und mit einem Pferd oder einem Hund sei das noch viel schöner.

Was für Höllerer gar nicht geht sind die Büroarbeit oder der Computer: „Die sind ein rotes Tuch für mich. Auch Buchhaltung ist nicht meines.“ Höllerer mistet lieber aus und freut sich, wenn der Stall wieder sauber ist. Oder freut sich, wenn sie die Pferde nach dem Winter vom Winterfell befreien kann. Sie beginnt mit ihrer Arbeit um sieben Uhr früh und ist an den meisten Tagen erst um halb elf Uhr am Abend fertig. „Aber dafür kann ich, wie zum Beispiel heute, ein paar Minuten in der Sonne sitzen. Ich bin ja mein eigener Herr“, erzählt sie.

In Zukunft will Höllerer auch die Möglichkeit zur „Mitpflege“ von Tieren anbieten. „Man kann zu Beispiel mit ihnen spazieren gehen oder sie einfach streicheln.“ Sie ersucht nur vorher Bescheid zu geben. Denn manchmal passt es für das Tier nicht und das müsse man auch akzeptieren. Vor einigen Jahren hat sie auch den Tierschutzverein Leben lassen gegründet. Auch über diesen Verein sind einige Vierbeiner bei ihr gelandet. In Gesprächen ist Höllerer auch mit der veterinärmedizinischen Universität in Wien. Schon bald könnte es Kurse über den harmonischen Umgang mit Tieren auf ihrem Hof geben.

Die Laabnerin ist ausgebildete landwirtschaftliche Facharbeiterin und hat unzählige Ausbildungen in Bezug auf Tierbehandlungen absolviert. Derzeit macht sie die Hundetrainer-Ausbildung. Für Urlaub bleibt da kaum Zeit. „Möglich ist es aber schon. Einmal war ich zwei Wochen am Stück weg, eine Freundin hat auf die Tiere aufgepasst.“ Heuer ist aber nichts geplant. „Am schönsten ist es ohnehin zu Hause.“