Region Wienerwald: Warten auf den Impfstoff. In den Apotheken haben sich viele Kunden vormerken lassen. Wann welche Mengen an Serum geliefert werden, wissen nicht einmal die Pharmazeuten genau.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 23. September 2020 (03:17)
Im Lauf des Oktober soll zumindest ein Teil des Impfstoffes geliefert werden, freuen sich Maria Nagler und Sandra Herbich.
Klement

Die Neulengbacherin Elisabeth Wieser kann es nicht glauben: Sie war in der Apotheke, um sich einen Grippe-Impfstoff zu sichern. Doch es wurde ihr gesagt, dass sie heuer wahrscheinlich keinen Impfstoff mehr bekommen wird. „Wir gehen seit zehn Jahren impfen, weil wir Hochrisiko-Patienten sind. Ich dachte es reicht, wenn ich mich im September anmelde. Aber die Leute haben schon im Juni Impfstoff bestellt.“ Wieser hat in anderen Apotheken nachgefragt und überall die gleiche Auskunft bekommen: Es gibt zuwenig Impfstoff. „Ich war auch am Gesundheitsamt in St. Pölten, dort hat man mir gesagt, dass Risikopatienten nicht vorgezogen werden.“

In allen Apotheken gibt es Wartelisten, die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, und die Apotheker beklagen, dass sie selbst kaum Informationen bekommen, wie viel Impfstoff tatsächlich geliefert werden kann.

„Normalerweise bleiben uns Impfstoffe über.“ Apothekerin Maria Nagler, Altlengbach

„Normalerweise bleiben uns Impfstoffe über, wir haben immer wieder welche weggeworfen“, berichtet die Altlengbacher Apothekerin Maria Nagler. Auch sie führt bereits eine Warteliste: „Wir haben heuer zwei Mal so viel Impfstoff bestellt wie vergangenes Jahr, aber es stehen schon viele Kunden auf der Liste.“ Wann sie den Impfstoff bekommt, weiß Maria Nagler noch nicht: „Wir haben noch keine genauen Informationen bezüglich der Auslieferung.“ Sie habe bereits mehrmals nachgefragt, aber auch der Großhandel wisse noch nichts Genaues. Der Impfstoff für Menschen unter 65 Jahre dürfte Mitte Oktober geliefert werden, jener für Personen über 65 bis Mitte November, schätzt Maria Nagler.

Die Situation ist jedenfalls unangenehm, das bestätigt auch Birgit Biehl, eine Apothekerin in Eichgraben: „Es gibt keine Apotheke in Österreich, die nicht Probleme mit der Beschaffung von Impfstoffen hätte.“

Im Vorjahr ließen sich nicht einmal zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung impfen. „Als mit der Produktion des Impfstoffs begonnen wurde, war noch keine Rede von Corona“, so Birgit Biehl weiter. Jetzt werde die Grippeimpfung stark beworben und viele Menschen würden draufkommen, dass sie sich heuer impfen lassen sollten: „Das ist die Crux“, fasst die Eichgrabener Apothekerin die missliche Lage zusammen. In der Bevölkerung herrsche eine gewisse Angst, vor allem bei älteren und chronisch kranken Personen, die sich sonst immer impfen ließen. „Da ist schon eine gewisse Unruhe da.“ Die Situation sei unangenehm, weil man die Patienten gut versorgen wolle. Birgit Biehl hofft, dass die Grippesaison heuer nicht so schlimm wird: „Wir sagen den Menschen, dass sie auf sich Acht geben sollen. Alle Maßnahmen wie Maske tragen und Hände waschen wirken ja auch gegen die Grippe.“

Unsicherheit auch bei Ärzten

Unsicherheit herrscht auch bei den Ärzten. Ob es genügend Impfstoff geben wird, kann auch Bezirksärztevertreter Andreas Barnath nicht sagen: „Das kann derzeit noch nicht beurteilt werden, da die Lieferung durch die Großhändler noch nicht erfolgt ist.“ Er selbst hat etwa doppelt so viel Impfstoff geordert als in den vergangenen Jahren: „Mir ist mitgeteilt worden, dass ich wohl nicht die volle Lieferung bekommen werde. Ich werde daher mit etwa zwei Drittel der georderten Impfstoffe auskommen müssen.“

Die Impfung sei generell für alle Personengruppen empfohlen und sinnvoll, da die Influenza im klinischen Verlauf keine großen Unterschiede mache, so der Mediziner. Und weiter: „Natürlich sind alte und chronisch Kranke die Hauptzielgruppe.“

Das sagt auch der Arzt Florian Fiedler: „Prinzipiell wird die Impfung für alle Menschen, die keine Kontraindikation haben, empfohlen, dringend aber für Menschen höheren Alters, chronisch Kranke, Personengruppen mit anderen Risikofaktoren und Personal im Gesundheitswesen. Auch Schwangere sollten sich impfen lassen. Die schwersten Verläufe haben übrigens Säulinge, Kleinkinder und ältere Menschen ab 65. Lebensjahr.“

Wie es mit der Impffreudigkeit im Bezirk aussieht, lässt sich momentan nicht beurteilen. Angemeldet und reserviert haben den Impfstoff laut Andreas Barnath bisher nur die „üblichen Verdächtigen“, die auch schon in den letzten Jahren geimpft wurden. Er geht aber schon davon aus, dass die Durchimpfungsrate gegenüber der Vorjahren etwas steigen wird: „Auch wenn wir aktuell noch keine Hamsterkäufe beobachten.“

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