Neulengbacher nimmt Studium in Sibirien in Angriff. Neulengbacher hat ein Auslandssemester in Tomsk absolviert. Mit der NÖN plauderte er über Uni, Land und Leute. Und darüber, wie sich 34 Grad minus anfühlen.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:32)
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Emanuel Boschmeier studiert Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Wien und hat russisch an der Uni Wien gelernt. Das vergangene Semester hat er im Ausland verbracht, und zwar in Sibirien. Von September bis Mitte Jänner war er in Tomsk, der größten Universitätsstadt Sibiriens. „Ich war der erste Student von unserem Institut, der das gemacht hat“, erzählt der 25-Jährige.

Tomsk hat etwa 500.000 Einwohner. 20.000 Studenten leben in der Stadt. Emanuel Boschmeier wohnte in einem Studentenheim, mit einem Venezulaner und einem Franzosen teilte er sich Bad und WC. In der Gemeinschaftsküche wurde gemeinsam mit anderen Studierenden gekocht, ganz international, indisch oder thailändisch zum Beispiel.

„Den Schnee, das Eis und die Kälte vermisse ich am meisten.“ Emanuel Boschmeier nach seiner Rückkehr aus Sibirien

„Das Leben in Sibirien ist ganz anders als bei uns. Da merkt man erst, wie hoch der Standard bei uns ist“, schildert der Student. So gibt es etwa in den Supermärkten nicht so ein Überangebot an Lebensmitteln wie hierzulande. Gegessen wird viel Fleisch: „Ein Vegetarier tut sich dort schwer.“

Beeindruckt war Boschmeier von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen in Sibirien: „Sie wirken sehr ernst. Sie lachen eigentlich nicht, wenn man ihnen ins Gesicht schaut, dabei sind sie wirklich sehr freundlich.“

Das Studium an der „Tomsk Polytechnic University“ war für den Auslandsstudenten aus Österreich sehr fordernd. Die Vorlesungen wurden alle in Englisch gehalten, es herrscht Anwesenheitspflicht. „Man hat viele Seminararbeiten auf Englisch zu schreiben, und man hat viele Präsentationen zu machen.“ Aber der Neulengbacher hat sich seine Aufgaben gut eingeteilt, sodass er auch Zeit zum Sporteln und zum Reisen hatte. So fuhr er etwa mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee, wo er Eislaufen ging: „Das war schon cool“. Mit der „Transsib“ reiste er auch von Tomsk nach Moskau: „3.600 Kilometer durch vier Zeitzonen in 56 Stunden in einem durch. Aber die Zeit ist schnell vergangen. Und der Zug war überpünktlich.“

Auch das Kulturleben fern der Heimat hat Emanuel Boschmeier kennengelernt, dazu gehörten nicht nur Kinobesuche, sondern auch das Ballett Schwanensee in der Tomsker Philharmonie.

Auf die Frage, was er in Sibirien vermisst hat, antwortet der Student: „Meine Familie und meine Freunde. Die herrlichen Schneewelten hätte ich gern mit ihnen geteilt.“ Und auf die Frage, ob er jetzt daheim etwas aus Sibirien vermisst, antwortet Boschmeier: „Den Schnee, das Eis und die Kälte vermisse ich am meisten.“ Mitte Oktober gab es in Sibirien den ersten Schnee. Im Winter hatte es durchschnittlich minus 15 Grad. „Minus 34 Grad war die niedrigste Temperatur, das tut am ganzen Körper weh. Aber es ist auch eine coole Erfahrung, wenn man auf den Wimpern die Eiskristalle spürt.“

Insgesamt war sein Auslandssemester für ihn eine tolles Erlebnis, fasst Boschmeier zusammen: „Ich würde es sofort wieder machen und wieder rüberfliegen.“