Digital lernen und lehren in Eichgraben. Eichgrabener Paul Beyer Klinkosch hat mit vier Kollegeneine Firma gegründet, die Unterrichtsunterlagen für Schüler und Lehrer entwickelt.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 05. März 2021 (04:37)
Der Eichgrabener Paul Beyer Klinkosch mit Stefan Prochaska, Hagen Wieshofer, Ulrich Müller-Uri und Lev Lumesberger (v.l.) vom Wiener Edu-Start-Up „SchuBu“.
privat

SchuBu ist ein frei verwendbares interaktives Schulbuch. Seit Beginn des Sommersemesters stehen auf www.schubu.at die ersten digitalen Lehr- und Lernpakete zur Verfügung. Lehrerinnen und Lehrer können jederzeit in der Klasse auf digital aufbereitete Inhalte zugreifen. „Aktuell arbeiten wir mit Partnerschulen in ganz Österreich zusammen und holen von ihnen Feedback zu unseren Angeboten ein. Und selbstverständlich bewährt sich unsere Lösung auch bei Eltern, die mit ihren Kindern daheim den Lernstoff wiederholen“, sagt der Eichgrabener Paul Beyer Klinkosch. In den kommenden Jahren wird SchuBu die gesamten Inhalte des Lehrplans der Sekundarstufe 1 digital aufbereiten. Weitere Services für Lehrkräfte wie optimale Tafelpräsentationen am Whiteboard oder Sprachförderung werden bereits entwickelt.

Die SchuBu Systems GmbH wurde im März 2020 von den fünf Medien- und IT-Profis Paul Beyer Klinkosch, Lev Lumesberger, Ulrich Müller-Uri, Stefan Prochaska und Hagen Wieshofer in Wien gegründet. „Wir kennen uns alle aus Studienzeiten und haben zum Teil schon eine sehr lange Historie erfolgreicher gemeinsamer Projekte hinter uns“, erzählt Beyer Klinkosch.

„Weder Schüler noch Lehrer konnten bis dato so niederschwellig und ohne finanzielle oder technische Hürden auf so perfekt aufbereitete Inhalte zugreifen.“ Paul Beyer Klinkosch

Die Ehefrauen bzw. Partnerinnen der Gründer sind als Pädagoginnen im Schuldienst oder als leitende Angestellte in Medienunternehmen tätig und inhaltlich maßgeblich involviert. Hinter SchuBu steht ein Team von weiteren Pädagogen, Software-Entwicklern und Game Designern.

Die eigentliche Initialzündung kam vor etwa vier Jahren, als die Tochter von Hagen Wieshofer eines Tages ganz begeistert davon erzählte, dass es in „ihrer“ Schule in Salzburg jetzt digitale Whiteboards geben wird. Kurze Zeit nach Einführung dieser neuen digitalen Infrastruktur kam sie relativ desillusioniert wieder zu ihrem Vater und berichtete ihm, dass der wesentliche Einsatzbereich der Whiteboards darin bestand, sich Youtube-Videos anzusehen.

Wieshofer sprach mit der Mathematik- und Informatiklehrerin, die sagte ihm: „Ich würde ja gerne sehr viel mehr mit den digitalen Endgeräten machen, aber wenn ich das tue, dann brauche ich alleine zur Vorbereitung einer normalen Stunde zwischen 45 Minuten und eineinhalb Stunden. Diese Zeit habe ich einfach nicht.“

Wieshofer hat dann angeboten mit ihr gemeinsam ein paar Kapitel und Übungen über eine einfach aufzurufende Webseite zur Verfügung zu stellen. Gesagt, getan, und der Erfolg war durchschlagend. Sowohl die Lehrer als auch die Schüler waren begeistert. Dann haben sich auch Lehrer aus anderen Gegenständen gemeldet und wollten ebenfalls diese neue Art des Unterrichts ermöglichen. Wieshofer hat mit ihnen gemeinsam einzelne Kapitel erarbeitet und zur Verfügung gestellt.

Dgitale Schulbuch kommt gut an

Hagen Wieshofer hat sich mit Beyer Klinkosch in Verbindung gesetzt, und in weiterer Folge wurde mit den anderen Gründern gemeinsam beschlossen „Nägel mit Köpfen“ zu machen.

„Nach einer etwa sechsmonatigen Vorbereitungszeit haben wir Anfang letzten Jahres die SchuBu GmbH gegründet und sind – so wie alle anderen – völlig von Corona überrascht worden. Wir konnten plötzlich nicht mehr mit den Schulen kommunizieren. Wir konnten keine Messen besuchen und die gesamte Entwicklung war enorm erschwert“, erzählt der Eichgrabener. Dass durch die Pandemie gezeigt wurde, wie notwendig Digitalisierung in der Schule ist, ist für die Gründer aber grundsätzlich positiv.

Das digitale Schulbuch kommt jedenfalls gut an. „Weder Schüler noch Lehrer konnten bis dato so niederschwellig und ohne finanzielle oder technische Hürden auf so perfekt aufbereitete Inhalte zugreifen“, sagt Beyer Klinkosch. Dies führe auch dazu, dass in Niederösterreich das Kontingent an Pilotschulen beinahe ausgeschöpft ist. Es melden sich bereits Schulen, die ab Herbst das Angebot über die Schulbuchaktion in Form von „Unterrichtsmittel eigener Wahl“ nutzen möchten. Geplant ist, ab Herbst die Schulbücher für die gesamte fünfte Schulstufe anbieten zu können. „Denn die fünfte Schulstufe wird ja österreichweit ab Herbst mit digitalen Endgeräten ausgestattet sein und damit SchuBu vollständig nutzen können“, ist der Unternehmer zuversichtlich.

In den nächsten Jahren soll das Angebot so ausgebaut werden, dass die „SchuBücher“ für alle weiteren Schulstufen der Sekundarstufe I entwickelt und angeboten werden. „Die Digitalisierung wird ganz sicher auch nach der Corona-Pandemie weitergehen und sich vermutlich noch verstärken. Wir werden über unsere Plattform allen interessierten Lehrerinnen und Lehrern eine Möglichkeit zur Verfügung stellen, aktiv an der Neu- und Weiterentwicklung der bestehenden SchuBücher mitzuarbeiten“, so die Gründer.

Mittelfristig wird noch finanzielle Unterstützung gebraucht, um den Traum vom perfekten digitalen Schulbuch Wirklichkeit werden zu lassen.