Jugendliche wegen Diebestour verurteilt. Einbruch, Diebstahl, Freiheitsentzug, der Versuch ohne Führerschein und unerlaubt mit einem fremden Auto zu fahren – und das alles innerhalb von zwei Tagen: Zwei junge Frauen, sechzehn und achtzehn Jahre alt, sind vor Gericht geständig. Beide wollen ihr Leben ändern.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 02. März 2021 (18:41)
APA (Symbolbild)

Der Rollbalken bei einem Baumarkt in St. Pölten ist schnell hochgeschoben und mit etwas Mühe weggebogen. Die Plexiglasscheibe dahinter drückt die Sechzehnjährige mit den Händen ein. Sie wartet draußen, ihre 18-jährige Freundin, deren Idee der Einbruch war, steigt ein und öffnet die Kästen im Raum. Zigaretten, Lebensmittel und Getränke wandern mit ihr nach draußen. Es ist ein Nachmittag im Oktober. Ein Freund holt sie mit dem Auto ab, die Sachen verstauen die Mädchen im Kofferraum. Gemeinsam fahren sie zu einer Wohnung in Altlengbach, die einer Freundin des Mannes gehört. Sie trinken ein bisschen zusammen, der Freund schläft auf dem Sofa ein und es dauert nicht lang, da beginnt die 18-jährige Angeklagte die Kästen der fremden Wohnung zu durchstöbern. Sie findet eine Geldbörse und einen Joint, dann suchen sie gemeinsam weiter. „Wir haben mitgenommen, was uns gefallen hat“, erzählt die 16-Jährige. Die beiden packen die Sachen zusammen und verlassen die Wohnung, davor kommt die 18-Jährige noch auf die Idee den Freund „aus Spaß“ in der Wohnung einzusperren. Den Schlüssel nimmt sie mit, auch seinen Autoschlüssel.

Obwohl keine von beiden fahren kann, versuchen sie das Auto des Freundes in Gang zu bringen, die 16-Jährige schafft es schließlich, weit kommen die beiden allerdings nicht, da das Auto zu rauchen beginnt. Kurzerhand stellen sie es auf einem Schotterparkplatz ab, rufen sich ein Taxi und fahren nach Neulengbach zum Haus der 18-Jährigen. Dort stellt die Polizei später das Diebesgut sicher: Kleidung, Parfüms, Schlüssel, mehrere Geldbörsen, Laptops, eine Lautsprecherbox, Bargeld sowie Ausweise und Verkehrstickets aus den Geldbörsen.

Angeklagte sehen Fehler ein und wollen sich ändern

„Es war alles ein Fehler. Ich war einfach dumm. Ich habe öfter Scheiße gemacht, die ich besser nicht gemacht hätte“, sagt die 18-Jährige vor dem Jugendrichter. Sie bestätigt alles, was ihre Freundin soeben zum Tathergang geschildert hat. Auch die 16-Jährige, die bisher gerichtlich unbescholten war, bereut ihr Verhalten. Sie muss sich noch wegen einer anderen Tat verantworten, die nicht im Zusammenhang mit den Ereignissen im Oktober stehen. Einem Bekannten soll sie vorgemacht haben, ihm Cannabis verkaufen zu können, welches sie gar nicht hatte. Der habe ihr mehrere hundert Euro dafür gegeben, aber keine Gegenleistung bekommen. Ja das stimmt, sagt die Angeklagte. Die mittlerweile sehr bemüht ist „ihr Leben in den Griff zu kriegen“. Auch die 18-Jährige, die noch wegen einiger anderer Geldbörsen-Diebstähle vor Gericht steht, lässt Bemühungen erkennen, sich zu ändern. Sie ist bereits zweimal einschlägig vorbestraft.

Jugendrichter Markus Grünberger verurteilt sie schließlich zu elf Monaten teilbedingter Haft. Drei Monate davon geht sie ins Gefängnis, die restlichen acht sind bedingt mit dreijähriger Probezeit. Wenn sie ihre Ausbildung fortsetzen möchte, bietet ihr der Richter einen Haftaufschub an, sollte sie eine Arbeit finden, könne sie möglicherweise eine elektronische Fußfessel beantragen. Die 16-Jährige bekommt sechs Monate bedingte Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Freund, den die beiden in der Wohnung einsperrten und der daraufhin vom Balkon im ersten Stock springen musste, bekommt 260 Euro Schadenersatz zugesprochen. Für die restlichen Ansprüche werden er und die anderen Opfer der Diebstähle auf den Zivilrechtsweg verwiesen.