Clementinum: Anklage gegen 4 Beschuldigte eingebracht. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hat nach jahrelangen Ermittlungen um Vorgänge im Pflegeheim Kirchstetten Anklage gegen vier Beschuldigte eingebracht – das berichtete die APA am Freitag.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 17. Januar 2020 (10:37)
Das Clementinum. Seit über 100 Jahren betreibt das Haus der Barmherzigkeit ein Pflegeheim in Kirchstetten. 2003 wurde das neue Heim gebaut, das 2010/11 erweitert wurde. 114 Pflegebetten stehen zur Verfügung. Knapp hundert Mitarbeiter sind im Haus beschäftigt.
NOEN, Renate Hinterndorfer

Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte auf Anfrage der Neulengbacher NÖN: „Gegen vier ehemalige Pflegekräfte wurde Anklage eingebracht.“ Es handelt sich um drei Frauen und einen Mann. Ihnen wird seitens der Behörde das Quälen oder Vernachlässigen sowie der sexuelle Missbrauch wehrloser Personen angelastet, sagte Leopold Bien. Die Anklageschrift wurde zugestellt. „Die Anklageist noch nicht rechtswirksam. Sie kann beeinsprucht werden, das ist abzuwarten“, so Bien weiter.

Gegen einen Verdächtigen wurde das Verfahren dem Staatsanwalt zufolge eingestellt. Dieser sei im Verdacht gestanden, dass „er es verabsäumt hätte“ auf die Missstände „zu reagieren“, hielt Bien fest. Die Vermutung habe sich allerdings nicht erhärtet.

Im Fall einer Verurteilung drohen den Beschuldigten bis zu zehn Jahre Haft. Prozesstermin gibt es noch keinen, unter anderem deshalb, weil die Anklageschrift noch nicht rechtskräftig ist.

Seit Oktober 2016 wurde gegen die ehemaligen Pflegekräfte des Heims ermittelt. Die Verdächtigen bestritten die Vorwürfe des Quälens und Vernachlässigens sowie des sexuellen Missbrauchs von Pflegebefohlenen stets.

Im Zuge der Ermittlungen wurden auch die Leichen ehemaliger Heimbewohner exhumiert. Ein toxologisches Gutachten ergab jedoch im Frühjahr 2019 keine Anzeichen, dass den Patienten systematisch ein Medikament verabreicht wurde, das den Todeseintritt beschleunigt haben könnte. „Ein Verdacht in Richtung eines Tötungsdelikts hat sich nicht erhärtet“, betonte Bien gegenüber der APA.