Mietvertrag läuft ab: Nahversorgerin in Sorge. Im Jänner läuft der Mietvertrag für das Geschäft aus. SP kritisiert, dass VP nicht früher aktiv wurde.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 06. August 2019 (04:19)
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Andrea Stürzl führt das Nah & Frisch-Geschäft in Kirchstetten seit Mai 2018. Dass der Mietvertrag bald ausläuft, hat sie damals nicht erfahren.

Seit vergangenen Mai betreibt Andrea Stürzl das Lebensmittelgeschäft in der Wiener Straße. Viel Zeit und viel Herzblut steckt sie in den Betrieb. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie nicht bereut, auch wenn es am Anfang nicht einfach war: „Jetzt läuft es ganz gut. Mehr könnte es natürlich immer sein, es ist halt immer ein Auf und Ab.“

Die Gemeinde zahlt einen Teil der Miete, um die Nahversorgung sicherzustellen. „Ohne diese Unterstützung ginge es nicht, da wäre das Geschäft nicht tragbar“, hält Stürzl fest. Allein die Stromkosten belaufen sich im Quartal auf 3.000 Euro.

Momentan hat die Betreiberin des Ladens aber andere Sorgen: Im Jänner 2020 läuft der Mietvertrag aus, und von Gemeindeseite ist noch nicht klar, wie es weitergeht. Das Gebäude gehört einer Wiener Immobilienfirma, die Gemeinde hat den Mietvertrag für die frühere Nahversorger-Genossenschaft abgeschlossen. Nicht die ganze Fläche, für die Miete gezahlt wird, wird auch genutzt.

„Jetzt läuft es ganz gut. Mehr könnte es natürlich immer sein, es ist halt immer ein Auf und Ab.“

Dass der Mietvertrag bald ausläuft, hat Andrea Stürzl bei der Übernahme des Geschäfts nicht gewusst. Sie hofft natürlich, dass der Vertrag verlängert wird und die Unterstützung der Gemeinde weitergeht.

Die Kirchstettener SP kritisiert, dass die VP nicht schon früher aktiv geworden ist: „Wir haben schon im vergangenen Oktober den Handlungsbedarf aufgezeigt, seither ist viel Zeit vergangen. Es geht sehr schleppend, man muss immer nachfragen und nachhaken, damit etwas in die Gänge kommt“, sagt SP-Gemeinderat Robert Winter auf Anfrage der NÖN. Dass die 2.000-Einwohner-Gemeinde einen Nahversorger benötige, darüber brauche man nicht diskutieren, so Winter.

Seine Fraktion sei dafür, den Mietvertrag zu verlängern: „Frau Stürzl ist sehr tüchtig und versteht ihr Geschäft, sie soll nicht auf der Straße stehen.“ Doch auf längere Sicht solle sich die Gemeinde überlegen, ob es nicht günstiger wäre, etwas Eigenes zu schaffen: „Unser Zugang ist, eine passende Liegenschaft an der Hauptstraße zu suchen. Da muss man halt Gespräche mit den Eigentümern führen und schauen, zu welchem Preis man etwas bekommt“, betont Winter. Betreiberin des Geschäfts solle weiterhin Andrea Stürzl sein.

VP-Bürgermeister Paul Horsak wollte gegenüber der NÖN nicht viel zu dem Thema sagen, weil in den kommenden zwei Wochen Gespräche mit der Immobilienfirma stattfinden: „Da wird noch an einigen Dingen gefeilt.“ Horsak betont aber, dass die Gemeinde natürlich interessiert sei, dass der Vertrag weiterlaufe: „Die Nahversorgung ist eines der wichtigsten Dinge der Gemeinde, die werden und wollen wir erhalten, es geht um das Wie. Es ist ja alles mit Kosten verbunden.“ Was die fernere Zukunft bringe, könne man nicht sagen: „Wir sind für alles offen. Jetzt ist wichtig, dass die Deadline mit Ende Jänner überwunden wird.“

„Die Nahversorgung ist eines der wichtigsten Dinge der Gemeinde, die werden und wollen wir erhalten, es geht um das Wie."

Andrea Stürzl hofft, dass sie bald erfährt, wie es weitergeht: „Ich muss ja jetzt schon einkaufen für nächstes Jahr, zum Beispiel für Ostern. Und es geht ja auch um meine Existenz.“ Einen Polit-Streit zwischen VP und SP will die Geschäftsfrau nicht: „Ich will nur meinen Frieden, und ich will meine Arbeit machen, ohne dass ich mir Sorgen machen muss.“

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