Eigenwillige Psychohygiene. Über den Prozess gegen Pflegekräfte.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 23. September 2020 (03:58)

Mit Spannung wurde er erwartet – der Prozess gegen vier ehemalige Pflegekräfte des Kirchstettener Clementinums. Auf der Station St. Anna sollen sie wehrlose alte Menschen schlecht behandelt, gequält und vernachlässig haben. Was da an Vorwürfen verlesen wurde, war arg. Was der Pfleger und seine drei damaligen Kolleginnen über das dienstliche WhatsApp von sich gegeben haben, ist widerwärtig, aber nicht strafbar. Die entlassenen Heim-Mitarbeiter sagen, dass sie damit den Stress im Arbeitsalltag besser verarbeiten konnten. Psychohygiene sozusagen.

Wie der Prozess ausgeht, ist ungewiss. Eines ist gewiss: Der Pflegeberuf ist hart. Als die „Causa Clementinum“ vor vier Jahren bekannt wurde, gab es viele Ankündigungen: Der Arbeitsalltag für Pflegekräfte müsse verbessert, die Leistung der Menschen in diesem Job müssen mehr gewürdigt, besser honoriert werden. Mögen den Worten Taten folgen. Denn überforderte Betreuer hat sich kein Heimbewohner verdient.