Beschwerde wegen des Bergrennens in Altlengbach. 20-Jährige versteht nicht, warum das Rennen stattfinden konnte, obwohl Klimaschutz vorangetrieben werden sollte.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 23. Juli 2019 (04:04)
Klement

Mit über 200 Stundenkilometern waren PS-starke Boliden beim Bergrennen unterwegs. Nicht alle waren davon begeistert. In einem Brief an die NÖN schreibt eine junge Altlengbacherin, dass es sich angefühlt hätte, als würde man neben der Rennstrecke in Spielberg leben.

„In ganz Altlengbach konnte man von Freitag bis Sonntag regelmäßig die Geräusche von aufheulenden Motoren hören.“ Wenn der Lärm in weite Teile Altlengbachs getragen wurde, wie laut muss es dann direkt an der Strecke gewesen sein?, fragt sich die junge Frau: „Unerträglich, vor allem für Familien mit kleineren Kindern.“

Außerdem stellt die 20-Jährige die Frage, warum die Politik ein Bergrennen stattfinden lässt, wenn doch das Thema Klimaschutz permanent präsent sei. Sie fügt hinzu, dass dieses Rennen erst seit dem Altlengbacher Regierungswechsel hier stattfindet.

„Wie können wir es verantworten, solch ein Rennen auszurichten und im selben Atemzug über Klimaschutz zu reden und ernsthaft über eine CO2-Steuer nachzudenken? Das wäre fast so, als esse man eine Schnitzelsemmel und rede darüber, wie viel besser die Ernährung eines Vegetariers wäre und wie schlecht die Massentierhaltung doch ist.“ Ein Problem sei das Bergrennen auch für manche Bewohner gewesen, deren Häuser sich an der Strecke befinden. Sie hätten die Straße nicht betreten dürfen.

„Schimpfen über Klimawandel und CO2-Belastung, lassen aber Bergrennen stattfinden und haben private Fahrer.“ Viktoria S.

Wenn selbst in kleinen Gemeinden so ein „Fauxpas“ passiere, wie solle man dann auf Landes- und Bundesebene Politiker ernst nehmen?

Als Alternative schlägt die Kritikerin ein Fahrradrennen vor.

Helmut Haslinger, Veranstalter und Obmann des MSC Altlengbach Laabental, hat von den Anrainern kaum Negatives gehört. „Wir wissen, dass eine Person dagegen ist, alle anderen sind dafür.“ Würde man die Rennen verbieten, müsse man zuerst Flugzeuge und Frachtschiffe verbieten.

Auch VP-Vizebürgermeister Daniel Kosak findet es falsch, dass ein Motorsport-Event von wenigen Stunden mit dem Klimaschutz als Gesamtaufgabe in Zusammenhang gebracht wird. „Der CO2-Ausstoß des Rennens ist geringer als der von jenen der Autos, die in nur fünf Minuten auf der Autobahn vorbeifahren. Wir müssen Maßnahmen setzen und Alltagsfahrten reduzieren.“

In Altlengbach würde man außerdem viel tun, wie Photovoltaikanlagen errichten oder die Bikeline – ein Fahrrad-Programm für Mittelschüler – etablieren. Man setze auf Biomasse und erst vor wenigen Wochen sei der E-Mobilitätsverein gegründet worden.

„Ich glaube, dass jeder von uns seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann und muss. Die Gemeinde tut das, viele Bewohner auch. Das sollte man nicht kleinreden“, ist Kosak überzeugt.

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