Josef Friedl: Vom Mordfall bis zur BSE-Kuh. Kirchstettens Bürgermeister Josef Friedl war einer der Pioniere in der Umweltkriminalität beim Landeskriminalamt. Ein Rückblick.

Von Beate Riedl. Erstellt am 02. Januar 2021 (03:52)
Josef Friedl verlässt mit 30. Dezember seinen Arbeitsplatz beim Landeskriminalamt. Nun wird er sich noch mehr seiner Arbeit als Bürgermeister widmen und sich auch mehr Zeit fürs Motorradfahren nehmen.
Beate Riedl

Die erste BSE-Kuh in einem Schlachthof im Waldviertel, der illegale Verkauf von Tierarzneimitteln, Verunreinigung von Gewässern mit Pflanzenschutzmitteln, . . . Der Kirchstettner Bürgermeister Josef Friedl hat während seiner Tätigkeit beim Landeskriminalamt im Einsatzbereich der Umweltkriminalität schon viel erlebt. Und er zählt zu einem der Pioniere in diesem Bereich.

„Wir haben 1989 das Pilotprojekt ‚Umweltkundige Organe‘ bei der Polizei gestartet, das hat sich bewährt, heute gibt es 600 Leute in ganz Österreich, rund 100 davon in Niederösterreich“, zeigt sich Friedl stolz. Nach 30 Jahren im Umweltbereich und insgesamt 37 Jahren beim Landeskriminalamt verabschiedet er sich nun mit Ende des Jahres in Pension. Seine Nachfolge wird voraussichtlich sein derzeitiger Stellvertreter Christian Ebner antreten.

„Das Bewusstsein für die Natur hat sich extrem gesteigert.“ Josef Friedl

„Als ich in dem Bereich angefangen habe, wurde vieles vergraben oder in Gewässer eingeleitet, regelmäßig kam es zu Fischsterben. Das Bewusstsein für die Natur hat sich seither aber extrem gesteigert“, erzählt er. Arbeitslos sind er und sein sechsköpfiges Team trotzdem nicht, denn der Ermittlungsbereich ist nach wie vor sehr umfangreich. Dazu zählen Abfall- und Emissionsdelikte, Kriminalität mit Lebensmitteln, Gefährdung des Tier- und Pflanzenbestandes sowie Doping- und Arzneimittelkriminalität. Ziel ist laut Friedl aber nicht die Zahl der Haften, die Höhe des Strafausmaßes oder die Anzahl der Konkurse bei den beamtshandelten Betrieben, sondern „dass sich durch das Ermitteln von Missständen, das Aufzeigen dieser ermittelten Mängel bei den Gerichten und Behörden immer die Situation für die Umwelt wesentlich verbessert und der Missstand sogar oft vollkommen abgestellt wird.“ Die Ermittlungen würden etwas zum Besseren verändern und zugleich auch präventive Wirkung haben. Als Beispiel nennt er einen Bezirk im Waldviertel, wo es laufend Ermittlungen wegen Autowracks gegeben hat. „Irgendwann kam aber dann der Moment, da gab es kein einziges Autowrack mehr.“

Friedl ist der Meinung, dass der Ermittlungsbereich Umweltkriminalität an Bedeutung gewinnen wird: Denn „die lebenswichtigen Ressourcen wie saubere Luft, einwandfreies Trinkwasser und Böden für gesunde Nahrungsmittel werden immer knapper. Wir werden uns noch mehr um unsere essentiellen Lebensgrundlagen kümmern müssen.“

Ermittlungen im Fall Blauensteiner

Viel Erfahrung hat der Ermittler aber auch in anderen Bereichen gesammelt: Angefangen hat er vor 37 Jahren in der Sondereinheit Suchtgift, ehe er zu „Mord und Sitte“ und dann zur Umweltkriminalität kam. Einer der wohl aufsehenerregendsten Fälle war dabei der Fall „Blauensteiner“. „Ich war damals schon im Umweltbereich tätig, half aber bei den Ermittlungen mit“, erinnert er sich an den Fall jener Frau, die mehrere Morde begangen hatte, um an Geld zu kommen. Als „Schwarze Witwe“ ist sie in die österreichische Kriminalgeschichte eingegangen.

Bürgermeisteramt und Motorradfahren

Jetzt aber ist es an der Zeit, den Arbeitsplatz gänzlich auf das Gemeindeamt in Kirchstetten zu verlegen. Friedl ist sich sicher, dass ihm in der Pension nicht langweilig wird, etwas Wehmut schwingt aber trotzdem mit. Auch Corona hat dazu einen Teil beigetragen, denn Friedl hätte sich vorgenommen, sich von Partnern und Kontaktpersonen, mit denen er jahrelange gute Kontakte gepflegt hatte, persönlich zu verabschieden. „Das war aber leider heuer nicht möglich.“

Wenn Friedl seine letzte Runde durch die Abteilung gedreht und sich von seinen Kollegen verabschiedet hat, wird er sich voll und ganz seiner Tätigkeit als Bürgermeister widmen. Immerhin stehen einige Projekte an, wie das Musikhaus sowie Um- oder Neubau von Schule und Kindergarten. Aber auch für Freizeitaktivitäten muss genug Zeit bleiben, vor allem fürs Motorradfahren. „Mein größtes Ziel ist das Nordkap“, träumt er schon von einer seiner nächsten Ausfahrten. Fix am Plan stehen auch Motorradtouren mit seiner Tochter, deren Herz auch für die Freiheit auf zwei Rädern schlägt.