Region Wienerwald: Herunterfahren nicht erwartet. Viele Unternehmer haben mit den harten Maßnahmen nicht gerechnet. Corona-Hotspots ortet man eher in großen Einkaufszentren.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 18. November 2020 (03:19)
Das Neulengbacher Stadtzentrum im Lockdown.
Dietl

Dass die Maßnahmen gegen Corona verschärft werden, war klar. Das Ausmaß des neuen Lockdowns hat aber doch viele Menschen überrascht.

„Dass noch einmal heruntergefahren wird, habe ich persönlich nicht erwartet“, sagt etwa Georg Brutschy, der Obmann der Aktiven Wirtschaft Neulengbach. Er hatte damit gerechnet, dass die Vorsichtsmaßnahmen noch einmal strenger werden. Für manche Branchen sei der Lockdown schon sehr zäh, hält Brutschy fest.

Hart ist für viele Geschäftsinhaber natürlich auch der Zeitpunkt der Schließung, jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft beginnt. „Aber das hat sich die Regierung auch nicht unbedingt ausgesucht, man hat aufgrund der steigenden Infektionszahlen reagiert“, so Brutschy. Er selbst ist als Betreiber eines Lebensmittelgeschäfts vom Lockdown nicht direkt betroffen. Umsatzeinbußen wird es aber auch in seiner Stadtgreißlerei geben, wenn die anderen Geschäfte zu haben und auch keine Schüler in der Stadt unterwegs sind.

Rückgang schon im weichen Lockdown

Im Modehaus Frank war es während des „Lockdown light“ schon relativ ruhig, nur am Samstag und am Montag kamen noch einige Kunden einkaufen. Seit Dienstag ist das Geschäft zu, die Mitarbeiterinnen werden in Kurzarbeit gehen, berichtet Karin Frank. Auch sie hat mit einem so harten Lockdown nicht gerechnet: „Bei uns im Handel ist die Ansteckungsgefahr nicht so groß, es war ja wenig los in letzter Zeit.“

Bei der Aktiven Wirtschaft sieht man eher große Möbelhäuser oder Einkaufszentren als Problem. Dass dort mit Rabattaktionen noch viele Kunden angelockt werden, ist nicht nachvollziehbar: „Das ist kontraproduktiv.“

Ein Onlinehandel ist in Geschäften wie etwa dem Neulengbacher Modehaus nicht möglich, der Aufwand wäre zu groß. Bewerbung über Facebook mit Abholung von Kleidungsstücken bei der Tür hat es in den vergangenen Wochen aber gegeben. Diese Einkaufsmöglichkeit soll auch nach dem Lockdown beibehalten werden.

Die Gastronomiebetriebe sind schon seit Anfang November geschlossen. Viele bieten Abholservice an. „Man schaut, dass jeder seinen Teil beiträgt, dass es weiterläuft“, hält AW-Obmann Georg Brutschy fest.

Nicht ganz geschlossen wird trotz des Lockdowns das Neulengbacher Rathaus. „Eine komplette Schließung wäre nicht möglich. Wichtige Dinge wird es weiterhin in guter Qualität geben. Aber man wird zum Beispiel bei einem Bauansuchen nicht zwei Stunden über die Höhe einer Mauer diskutieren“, hält Bürgermeister Franz Wohlmuth fest. Auch der VP-Politker hatte nicht mit derart drastischen Maßnahmen im November gerechnet: „Dass etwas kommen muss, war verständlich, aber in der Dimension habe ich es nicht ganz erwartet.“ Es sei eine spannende Zeit. Gesundheit habe auch für die Gemeinde oberste Priorität, alles andere sei untergeordnet.

Im Neulengbacher Rathaus fand am Montag eine Besprechung statt, wie man mit den neuen Maßnahmen umgeht. Am Dienstag gab es für die Bürgermeister der Region eine Videokonferenz mit dem Bezirkshauptmann.

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