Überraschung: Bruderhof übernimmt Kloster Stein. Christliche Gemeinschaft will die Anlage revitalisieren und Wohnraum sowie neue Arbeitsplätze schaffen.

Von Eduard Riedl. Erstellt am 18. August 2021 (05:58)
440_0008_8151968_wwa33ma_kloster_stein_c_riedl.jpg
Die Bruderhof-Gemeinschaft hat große Pläne für das Areal beim Kloster.
NOEN

In das aufgelassene Annunziata-Kloster Stein soll neues Leben einkehren: Die Bruderhof-Gemeinschaft wird in das Annunziatakloster einziehen, um dieses von Grund auf zu revitalisieren und durch ihre Mitglieder zu beleben. Wohnraum und Arbeitsplätze sollen auf dem Areal entstehen.

Kim Comer von der Bruderhof-Gemeinschaft erklärt im NÖN-Interview: „Wir freuen uns schon sehr darauf, ein Teil der Gemeinde Maria Anzbach mit ihren vielen engagierten Einwohnern zu werden und hier zu leben.“

„Wir freuen uns schon sehr darauf, ein Teil der Gemeinde Maria Anzbach zu werden.“ Kim Comer

Bruderhof ist eine christliche Glaubens-, Lebens- und Arbeitsgemeinschaft (siehe Infobox).

Am Standort des Annunziataklosters soll eine neue Gemeinschaft von Familien gegründet werden. Die Mitglieder erhalten kein Gehalt, sondern bestreiten den gemeinsamen Lebensunterhalt durch gemeinschaftseigene Betriebe, in denen alle – auch Ältere und Menschen mit besonderen Bedürfnissen – gemeinsam arbeiten können. In Maria Anzbach soll eine Holzwerkstatt zur Herstellung von Spielgeräten für Schulen und Kindergärten entstehen.

Vertreter vom Bruderhof waren schon vor einiger Zeit bei Bürgermeisterin Karin Winter, um ihr die Pläne zu präsentieren. Die Gemeinde stehe dem Projekt positiv gegenüber, so Winter: „Das ist eine ganz andere Art der Gemeinschaft, darauf muss man sich einstellen. Man muss dem Projekt eine Chance geben und schauen, wie es sich entwickelt. Es ist auf jeden Fall besser, wenn neues Leben im Kloster einzieht, als wenn es zu einer Ruine wird.“

Ein voll ausgebauter Bruderhof bietet Lebensraum und Arbeitsplätze für etwa 150 Bewohner. Es gibt ein Zentrum, wo sich die ganze Gemeinschaft zu Gottesdiensten und Mahlzeiten versammelt. Gelegentlich sind öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte und Vorträge geplant. Auch Kindergarten und Volksschule gehören zu einem voll ausgebauten Bruderhof dazu.

Wann in Maria Anzbach die Revitalisierung im alten Klostergebäude beginnen wird, ist noch nicht absehbar, allerdings werden die ersten Mitglieder der Gemeinschaft schon in den nächsten Monaten nach Unter-Oberndorf kommen und in die neu gebauten Reihenhäuser in der Wintenstraße einziehen. Diese wurden nach NÖN-Recherche als vorübergehende Bleibe angekauft, bis die Mitglieder in die Räumlichkeiten von Kloster Stein einziehen.

Biobauer sucht neuen Standort

Markus Kienast (Bauermax), der seit fünf Jahren eine Bio-Landwirtschaft und einen Hofladen am Kloster Stein betreibt, muss mit Ende des Jahres aufhören. „Ich suche in der Nähe eine Produktionsstätte von 100 bis 150 Quadratmetern zum Mieten, wo ich meine Bioprodukte weiterhin herstellen kann. Die Tiere bringe ich sicher bei einem Landwirt unter“, so der erfolgreiche Biobauer.

Mit Maria Anzbach hat Bruderhof den zweiten Standort in Österreich: Seit zwei Jahren besteht in Unternalb auf dem ehemaligen Gutshof des Retzer Dominikanerklosters ein kleiner Bruderhof.