Wald und Wiese als letzte Ruhestätte. Naturbestattung am Klein-Weinberg soll Alternative zu Friedhöfen und klassischen Begräbnissen werden.

Von Beate Riedl. Erstellt am 19. Juni 2018 (05:04)
NOEN, www.shutterstock.com/TunedIn by Westend 61
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„Ein Mensch braucht Rituale zum Verarbeiten, und diese Rituale sollen schön sein“, ist sich Jörg Bauer vom Bestattungsunternehmen Lichtblick in Neulengbach sicher. Er und sein Team bieten Alternativen zum klassischen Begräbnis in der Kirche und am Friedhof an. Gemeinsam mit Johann Kaiblinger aus Maria Anzbach soll es bald eine Naturbestattung in der Region geben – mit österreichweit einzigartigen Bestattungsformen, wie Bauer erklärt. „Individualität steht bei uns im Vordergrund.“

Kaiblinger wird einen Teil seines Grundes am Klein-Weinberg als letzte Ruhestätte für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen. „Unsere Wirtschaft ist seit 350 Jahren in Familienbesitz, als mein Vater vor zwei Jahren verstorben ist, haben wir seine Urne nach Genehmigung auf unserem Grund beigesetzt“, erzählt Johann Kaiblinger.

Diese Möglichkeit will er nun auch anderen bieten. Derzeit warte man noch auf eine Genehmigung, im Frühjahr nächstes Jahres soll offiziell eröffnet werden, erste Bestattungen könnten bereits im Herbst stattfinden. „Es gibt nichts mehr, das gegen das Projekt spricht“, ist sich Jörg Bauer sicher. „Das ist eine schöne Sache, auch der Bedarf in der Region ist auf jeden Fall da.“

„Wir wollen auf der Wiese einen Urwald wachsen lassen, der zugleich ein Ort der Erinnerung ist.“ Jörg Bauer, Bestattung Lichtblick

Bauer und Kaiblinger wollen einen Ort der Errinnerung in der Natur schaffen: Neben einem Verabschiedungsplatz im Wald, wo die Trauerfeiern abgehalten werden, soll es auch einen Gedenkplatz geben, auf dem es Namensschilder der Verstorbenen geben wird, die in dem Schutzgebiet beigesetzt sind. Voraussetzung für die Bestattung in der Natur ist eine Kremation.

Die Asche des Verstorbenen kommt in eine Bio-Urne, die innerhalb weniger Wochen in der Erde verrottet. Ob diese dann unter einem Baum oder auf der Wiese beigesetzt wird, bleibt den Nachkommen überlassen.

Baum aus der Asche des Verstorbenen

Bauer hat sich aber auch eine besondere Form der Bestattung einfallen lassen: Er bietet die Möglichkeit, aus der Urne, der Asche und einem Samen einen Steckling zu ziehen, aus dem im Laufe der Zeit ein Baum oder ein Strauch werden. Dieser könne dann auch im Wald in Maria Anzbach eingesetzt werden. „Wir wollen auf der Wiese einen europäischen Urwald wachsen lassen, der zugleich ein Ort der Erinnerung ist“, erklärt Bauer.

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