Nach Mord in Neulengbach: Ein Forum gegen Gewalt. Maßnahmen zur Prävention und zur Sensibilisierung sollen forciert werden.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 05. Mai 2021 (04:20)
In diesem Wohnhaus soll ein Mann seine Partnerin umgebracht haben. Von der Staatsanwaltschaft St. Pölten wurde eine Obduktion des Opfers angeordnet.
Dietl, Dietl

Der Mord an einer 64-jährigen Neulengbacherin sorgt für Entsetzen. In der Stadt ist dieser achte Frauenmord heuer in Österreich Anlass für die Gründung eines Forums zur Gewaltprävention. Mittlerweile ist bereits der neunte Femizid passiert: In Wien wurde am Donnerstag eine 35-Jährige erschossen.

„Es macht mich betroffen, wütend und fassungslos, dass diese Mordfälle nicht verhindert werden können“, erklärte SPÖ-Fraktionsobfrau Julia Amplatz unmittelbar nach Bekanntwerden der Gewalttat in Neulengbach. Sie sprach sich dafür aus, dass sich in der Stadt alle politischen Fraktionen, Einrichtungen, Netzwerke und Vereine, die sich mit dem Thema Frauen oder Beratung beschäftigen, rasch zusammensetzen: „Man sollte eine Strategie erarbeiten, um so etwas zu verhindern und rasch ein nützliches Angebot zu schaffen.“

Alle Fraktionen einig

Julia Amplatz, Stadträtin Maria Rigler (ÖVP) und die Gemeinderätinnen Claudia Anderl und Barbara Löffler (Grüne) sowie Petra Tauber (FPÖ) arbeiteten gemeinsam einen überparteilichen Dringlichkeitsantrag zum Thema „Gewaltschutz, Gewaltprävention und Gründung eines Forums“ aus. Der Antrag wurde von SPÖ, ÖVP, Grünen, Liste Heiss, FPÖ und NEOS gemeinsam im Gemeinderat eingebracht und einstimmig beschlossen. Die Stadtgemeinde will dazu beitragen, dass Gewalt im Allgemeinen und vor allem Gewalt gegen Frauen keinen Platz hat.

ÖVP-Stadträtin Maria Rigler übernimmt den Vorsitz im neuen Forum zum Thema Gewaltschutz
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Maria Rigler präsentierte den Antrag in der Sitzung. Sie hielt fest, dass man sich in Neulengbach immer wieder mit dem Thema befasst habe, etwa bei Arbeitsgesprächen, Info-Veranstaltungen, im BORG oder im Jugendverein. Auch Folder mit Informationen über Hilfsangebote gibt es. „All das hätte diesen Vorfall nicht verhindern können“, stellte Rigler fest. Aber Covid-19 werde die Situation noch verschärfen, weil die Menschen mehr daheim sind. Oft muss auf engem Raum Platz für Hausarbeit, Job, Unterricht und Freizeit sein.

Jetzt sollen bereits gesetzte Maßnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung weitergeführt werden. Die Vernetzung mit Einrichtungen im Bereich Prävention, Täterarbeit und Opferschutz soll forciert werden. Zur Koordination wird ein Forum eingerichtet, dessen Vorsitz Maria Rigler übernimmt (siehe Info-Box). Aktuelle Informationen zum Thema sollen immer zugänglich sein.

„Die Gründe für Gewalt sind vielschichtig: Überforderung, Alkohol, psychische Erkrankungen, Eifersucht.“ Claudia Anderl, Gemeinderätin und Psychotherapeutin

Gemeinderätin Claudia Anderl freut sich, dass es gelungen ist, einen Antrag zu erarbeiten, den alle sechs Fraktionen unterstützen. Anderle ist beruflich mit dem Thema Gewalt befasst. Als Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin kennt sie alle Facetten von Übergriffen: Gewalt gegen Frauen, gegen Männer, gegen Kinder, Gewalt am Arbeitsplatz, Gewalt gegen alte Menschen. Die Gründe seien sehr vielschichtig, so Anderl: Überforderung, Alkohol, psychische Erkrankungen, Eifersucht.

Auf Initiative von SP-Fraktionsvorsitzender Julia Amplatz startet die Stadt ein Programm zur Gewaltprävention.
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„Es ist ein trauriger und tragischer Anlassfall, dass wir über dieses Thema reden, aber es ist gut, dass wir darüber reden“, so Anderl. Sie erwartet sich von dem neuen Neulengbacher Forum, dass eine offene Diskussion über alle Formen der Gewalt geführt wird und dass Vorschläge entwickelt werden, wie die Gemeinde zur Prävention beitragen kann. „Ich erwarte mir, dass das Thema auch bei euch daheim oder am Arbeitsplatz besprochen wird. Wir müssen mehr hinschauen.“

Auch Bürgermeister Franz Wohlmuth betonte: „Gewalt hat keinen Platz in Neulengbach.“ Er zeigte sich erfreut, dass ein gemeinsamer Beschluss zustande kam und bedankte sich bei den Frauen, die den Antrag ausgearbeitet haben.

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