Eichgrabener ist höchster EU-General. Der Eichgrabener Robert Brieger spricht über seine Arbeit als „Chairman of the European Union Military Committee“.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 31. Juli 2021 (04:46)
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Die Familie freut sich mit Robert Brieger auf die neue Aufgabe: Isolde, Jannik und Isabella Brieger (v.l.).
Andrea Stoiser, Andrea Stoiser

General Robert Brieger wurde als nächster „Chairman of the European Union Military Committee“ von allen Staaten nominiert und übernimmt damit den Vorsitz aller Generalstabschefs der Europäischen Union. Robert Brieger wohnt mit seiner Familie seit 1996 in der Wienerwaldgemeinde Eichgraben.

Und er lebt gerne hier: „Es ist eine schöne, ruhige Gegend – pure Lebensqualität.“ Wenngleich er bei seinem Eintritt in das Österreichische Bundesheer im Jahr 1975 wahrscheinlich noch keinen Gedanken daran verschwendet hat, dass er einmal das höchste militärische Amt in der Europäischen Union einnehmen würde, hatte er immer klare Ziele vor Augen. „Diese Funktion ist die Erfüllung meiner militärischen Laufbahn“, sagt Brieger, der immer offen für Entwicklungen war, zu seiner künftigen Aufgabe.

„Diese Funktion ist die Erfüllung meiner militärischen Laufbahn.“ Robert Brieger

Eigentlich wäre kommendes Jahr seine Pensionierung ins Haus gestanden, hätte sich nicht die Möglichkeit aufgetan, dass Österreich kommendes Jahr den Vorsitz aller Generalstabschefs der Europäischen Union stellen könnte. General Robert Brieger übernimmt den Vorsitz von General Claudio Graziano (Italien) für die nächsten drei Jahre. Die Amtsübernahme wird mit Juni 2022 erfolgen. Österreich übernimmt damit eine besondere Rolle im Sicherheitsbereich der EU. Neben der Beratung des Außenbeauftragten Josep Borrel sowie der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gilt es die 27 EU-Staaten in der Militär- und Sicherheitspolitik zu koordinieren. Derzeit laufen einige wichtige Militärmissionen in der EU. Die Mittelmeeroperation IRINI wurde am 31. März 2020 mit dem Ziel gestartet, das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen aufgrund des Zweiten libyschen Bürgerkriegs durchzusetzen. „Diese Mission, die unter anderem zum Ziel hat, den Menschenschmuggel einzudämmen, hat sich zunehmend zur Seenotrettungsmission entwickelt“, meint Brieger.

Um der Migration bereits an der Wurzel entgegenzuwirken, unterstützt das Österreichische Bundesheer im Rahmen der EU-Trainingsmission in Mali den Wiederaufbau und die Reorganisation des Sicherheitssektors. Dadurch sollen nachhaltige, lokale Strukturen geschaffen werden, die eigenverantwortlich den Schutz der malischen Bevölkerung vor gewaltsamen Übergriffen und insgesamt Rechtsstaatlichkeit garantieren. Damit leistet das Bundesheer einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung in Westafrika und der Sahelzone mit dem Ziel, die negativen Effekte auf die äußere und innere Sicherheit Österreichs und Europas – unter anderem terroristische Angriffe, organisierte Kriminalität und irreguläre Migration, die sich aus der Instabilität vor Ort ergeben, zu reduzieren.

Die Einrichtung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) durch den Rat im Dezember 2017 hat die Zusammenarbeit der teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten im Verteidigungsbereich auf eine neue Ebene gehoben. Die beteiligten Staaten sind verbindlichere Verpflichtungen eingegangen, Verteidigungsfähigkeiten im Rahmen der Union stärker gemeinsam zu investieren, zu planen, zu entwickeln und zu betreiben. Ziel ist es, gemeinsam ein kohärentes Gesamtspektrum an Verteidigungsfähigkeiten zu erreichen, das den Mitgliedstaaten für nationale und multinationale Missionen und Operationen zur Verfügung steht. Dies wird die Kapazität der EU als internationaler Sicherheitsakteur stärken, zum Schutz der EU-Bürger beitragen und die Wirksamkeit der Verteidigungsausgaben maximieren. „Ständig strukturiertes Zusammenarbeiten hat Zukunft“, ist General Brieger überzeugt.

„Ständig strukturiertes Zusammenarbeiten hat Zukunft“

Wie man aus Militärkreisen hört, war die Gefahr von bewaffneten Konflikten seit dem Fall des Eisernen Vorhanges noch nie so hoch, wie jetzt. Dem kann auch Robert Brieger nur zustimmen. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, wie Cyber-Angriffe, Terrorismus, Migration und lokalen Konflikten. Die militärische Kernkompetenz des Bundesheeres muss erhalten bleiben. Da bin ich unnachgiebig“, so Brieger. Natürlich haben Katastrophen- und Assistenzeinsätze große Priorität, aber auch Cyber-Kräfte, die Miliz, die Infanterie usw. müssen sich deutlich weiter entwickeln. Aktuell fordern die Corona-Krise und die Migration das Heer. Soldaten sind in Teststationen und auf den Flughäfen im Einsatz. Letzte Woche wurden 400 zusätzliche Soldaten zur Unterstützung der Polizei zum Schutz der Grenzen ins Burgenland geschickt.

Nichtsdestotrotz ist der Fokus bei Robert Brieger auch auf seine künftige Aufgabe in der EU gerichtet. In den nächsten Monaten muss er seinen Mitarbeiterstab zusammenstellen und sich eine Bleibe in Brüssel organisieren. Seine erwachsenen Kinder und sein Enkel bleiben in Österreich. „Natürlich hätte ich meine Frau gerne bei mir. Hier müssen wir aber noch die Möglichkeiten abklären“, sagt Brieger. Neben seiner Familie hat Robert Brieger seine Erfüllung im Militärdienst gefunden. „Es ist immer wieder eine Freude Menschen kennenzulernen und führen zu dürfen, die motiviert sind, Leistungen zum Schutz der Bevölkerung zu vollbringen“, sagt der Generalstabchef. Und ganz wichtig ist ihm die Begegnung auf Augenhöhe: „Ich möchte, dass die Soldaten das Gefühl haben, dass ich einer von ihnen bin.“