Neulengbacher radelte bis zum Nordkap. Der Neulengbacher Florian Entenfellner war gemeinsam mit dem Breitenfurter Lukas Sturm auf Abenteuerfahrt. Zwei Monate lang waren die beiden unterwegs.

Von Christine Hell. Erstellt am 25. Oktober 2019 (12:58)
Lukas Sturm und Florian Entenfellner bei der Ankunft bei der „Weltkugel“ am Nordkap.
privat

„Der Weg von der Stadt Alta in einer Schlucht bis hin zur Küste war das Highlight unserer Radreise“, schwärmt der junge Breitenfurter, während sein Freund Florian die Stadt Prag und Göteborg als die Highlights der Radreise bezeichnet.

Am angepeilten Ziel, am Nordkap, angekommen zu sein, war das Schönste, so die beiden Abenteurer, „wir waren echt glücklich, aber es war doch auch irgendwie langweilig.“

Als besonders anstrengend und gefährlich bezeichnen Florian Entenfellner und Lukas Sturm die Fahrt durch den sieben Kilometer langen, dunklen Unterseetunnel kurz vor dem Nordkap. „Und auch die letzten 30 Kilometer vor dem Nordkap sind eine einzige Steigung in vielen Serpentinen.“

Auf Rentierherden und Schafherden getroffen

Von Campingplätzen mit Grillerei und traumhaften Ausblicken sowie Sonnenuntergängen, dem Besuch des Tivoli in Kopenhagen, eindrucksvollen Treffen auf Schaf- und Rentierherden, Überqueren von tollen Fahrradbrücken über Flüsse und Seen schwärmen die beiden Abenteurer. Und von der erfolgreichen Fahrradreparatur nach einem Pedalbruch. Aber auch von monotonen Strecken, rauem Wetter mit Regen und Gegenwind. Bei jedem Grenzübertritt wurde ausgeflippt getanzt, das Video davon nach Hause geschickt.

Wie es zu diesem Plan gekommen ist?

„Uns war nach Abenteuer zumute, mit der Maturaprüfung war erst einmal unsere Schulzeit abgeschlossen, wir wollten die Zeit bis zum Zivildienst richtig gut nützen“, schildert Lukas Sturm. Eine kostengünstige Möglichkeit musste her, da bot sich einzig das Fahrrad an, noch dazu, weil Lukas begeisterter Radfahrer ist. Viele Länder seien in Betracht gezogen worden, mehrere Länder, darunter Ukraine und China fielen gleich wegen der argen Bedenken der Eltern aus. Florians Mutter präsentierte schließlich einen Bericht über eine Radtour vom Nordkap bis nach Gibraltar. „Wir wollten zum Nordkap, und dann vielleicht noch weiter bis nach Gibraltar“, hatte Lukas Sturm gleich große Pläne.

„Bei jedem Grenzübertritt haben wir vor der Hinweistafel getanzt. Das Video davon aben wir unseren Eltern geschickt.“ Florian Entenfellner

Nach viermonatiger Planung war es einige Tage nach der erfolgreich abgelegten Maturaprüfung in der Wiener Rosensteingasse so weit: Florian Entenfellner und Lukas Sturm starteten von Wien aus in Richtung Norden. „Wir hatten eine Probetour zur Rax mit Campieren gut bewältigt und nahmen unseren Plan, 500 Kilometer und einen Ruhetag pro Woche energisch in Angriff“, schildert Lukas Sturm. Bereits nach zehn Minuten Fahrt setzte Dauerregen ein und in Tschechien ging Florians Ukulele unwiderbringlich verloren.

Über Prag, Dresden und Berlin gelangten die beiden jungen Männer nach Travemünde, um in einer 33-stündigen Fährüberfahrt nach Helsinki zu gelangen. „Wir wählten die küstennahe Verbindung, weil es dort flacher zu fahren ist und es auch genügend Campingplätze gibt“, schildert Lukas Sturm.

Ganze drei Wochen radelten die zwei jungen Männer bis zum Norden Finnlands hinauf. Die vielen Seen begeisterten die Radler besonders, aber auch die Tierwelt, die Wälder und die überaus hilfsbereiten Menschen. Eine Einladung zur Florians Geburtstag beziehungsweise zwei geschenkte Stadtrundfahrt-Karten sind den beiden besonders im Gedächtnis geblieben. „In einem Souvenirshop im Norden, wo wir uns mit dicken Socken und warmen Pullovern ausstatteten, wurden wir gleich eingeladen und mit warmen Rentierfleischlaibchen verwöhnt“, erinnert sich der junge Neulengbacher.

Nach dem Abenteuer geht‘s zum Zivildienst

Lukas war der emsige Radfahrer, Florian hielt sich dafür lieber in Städten auf, sprang in viele Seen und probierte auch die Finnische Sauna aus. „Lukas ist der wildere Fahrer, ich bin eher der, der sich Zeit lassen will, um Städte und Museen zu besichtigen, für mich war es mit dem Erreichen des Nordkaps genug“, schildert Florian Entenfellner. Mit dem Flugzeug ging es retour nach Oslo, per Fahrrad weiter über Schweden und über Malmö nach Kopenhagen, dann per Flixbus Anfang September zurück in die Heimat: „Ins eigene Bett zu fallen war nach zwei Monaten Matteliegen echt wunderbar.“

Florian Entenfellners Pläne für die Zukunft: Nach dem Zivildienst im Pflegeheim Maria Anzbach zu einem „Work and Travel-Jahr“ in Afrika oder Asien. Lukas Sturm peilt nach dem Zivildienste beim Roten Kreuz Baden ein Medizinstudium an.