Pflegeheim Kirchstetten: Prozessstart kommende Woche. Am Landesgericht St. Pölten startet am Mittwoch der Prozess um Vorgänge im Pflegeheim Clementinum Kirchstetten (Bezirk St. Pölten). Vier ehemaligen Mitarbeitern im Alter von 30 bis 55 Jahren werden das Quälen oder Vernachlässigen sowie der sexuelle Missbrauch wehrloser Personen angelastet.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 10. September 2020 (06:02)
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Geplant sind in dem Schöffenverfahren Gerichtsangaben zufolge acht Verhandlungstage bis 18. November.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 30-Jährigen und um Frauen im Alter von 34, 53 sowie 55 Jahren. Sie sollen in dem Heim im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Pfleger bzw. Pflegehelfer alte Menschen geschlagen haben, die hilflosen Betroffenen gequält und Bewohner zu heiß geduscht haben. Angelastet wird dem Quartett daher auch Körperverletzung. Die Angeklagten bestritten die Vorwürfe stets. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft.

Wie viel Beobachter von dem Schöffenverfahren mitbekommen werden, war unterdessen ungewiss. Das Landesgericht St. Pölten betonte im wöchentlichen Prozessprogramm explizit, dass zur Wahrung von berechtigten Opferinteressen auf Antrag oder von Amts wegen jederzeit "durch Beschluss der Vorsitzenden die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden" könne. In Justizkreisen wurde zuletzt über einen möglichen Ausschluss der Öffentlichkeit nach dem Vortrag der Anklageschrift und dem Eingangsstatement des Verteidigers spekuliert.

Dem Prozess gingen jahrelange Ermittlungen voraus, die im Oktober 2016 ihren Anfang genommen hatten. Ursprünglich gab es fünf Verdächtige, gegen einen wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Es sei zunächst angenommen worden, dass der Mann "es verabsäumt hätte", auf die Missstände zu reagieren, hielt die Staatsanwaltschaft St. Pölten fest. Diese Vermutung habe sich allerdings nicht bestätigt.

Im Rahmen der Ermittlungen wurden auch die Leichen mehrerer ehemaliger Heimbewohner exhumiert. Ein toxologisches Gutachten ergab jedoch im Frühjahr 2019 keine Anzeichen dafür, dass den Patienten systematisch ein Medikament verabreicht worden war, das den Todeseintritt beschleunigt haben könnte. Ein Verdacht in Richtung eines Tötungsdelikts erhärtete sich daher nicht.