Alles online – auch der Gesangsunterricht. Martina Steffl-Holzbauer über die neue Form des Arbeitens an der Hochschule.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 02. April 2020 (04:19)
Per Videokonferenz bleibt Martina Steffl-Holzbauer mit den Studierenden in Verbindung.
privat

Drei Tage pro Woche unterrichtet Martina Steffl-Holzbauer normalerweise an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Elf Studierende haben bei ihr derzeit Gesangseinzelunterricht. Dazu kommen Klassenabende, Vorsingen, Institutskonferenzen, Fortbildungen. Am 13. März hatte die Neulengbacherin den vorläufig letzten Unterrichtstag in Wien.

NÖN: Wie arbeiten Sie in Zeiten der Coronakrise?
Martina Steffl-Holzbauer: Zu allererst wurden meine Studierenden von mir mit ausreichend Literatur eingedeckt. Danach habe ich mich mit den elektronischen Möglichkeiten zur Weiterführung des Unterrichts vertraut gemacht sowie diese mit eigenen Ideen verknüpft. Der Unterricht ist also ohne Unterbrechung, aber natürlich auf eine andere Art und Weise weitergegangen.

Wie funktioniert der praktische Gesangsunterricht?
In der ersten Woche habe ich Informationsmails mit Arbeitsaufträgen und Übungsvorschlägen an meine Studierenden geschickt, von ihnen wiederum Aufnahmen erhalten und diese sowie andere Auftritte der letzten Zeit in ausführlichen Telefonaten gemeinsam analysiert. Danach starteten wir mit Online-Gesangsunterricht. Dieser ist natürlich ganz anderes als der herkömmliche Unterricht, die Tonqualität bei der Übertragung ist zudem nicht immer gut und Klavierbegleitung aufgrund der Zeitverzögerungen nicht möglich. Dennoch waren sowohl meine Studierenden als auch ich positiv vom Ergebnis dieser für uns unüblichen Unterrichtsmethode überrascht.

Wie kommen Sie mit dem Umstieg auf das „neue“ Leben zurecht?
Der Umstieg hat für mich gut funktioniert. Ich habe wie auch sonst meine fixen Unterrichts- und Vorbereitungszeiten, arbeite zudem vermehrt am Computer und bereite mich auf kommende Konzerte vor – ohne natürlich zu wissen, ob und wann sie tatsächlich stattfinden werden.

Wie verbringen Sie die Zeit, wenn Sie nicht arbeiten?
Die Zeit mit meiner Familie bewusst genießen, Walkingrunden im derzeit erlaubten Rahmen, Lesen und zusätzlich bieten auch Haus und Garten genügend Beschäftigungspotenzial.

Wie geht’s Ihrer Familie?
Bei uns funktioniert der neue Alltag sehr gut. Unser Sohn Clemens ist mit schulischen Arbeitsaufträgen eingedeckt, widmet sich zudem intensiv der Musik und hält sich mit viel Sport fit. Als Steuerberater ist mein Mann derzeit neben den laufenden Tätigkeiten zusätzlich mit den gehäuften Anfragen seiner Klienten die Krise betreffend beschäftigt.